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Aus: Ausgabe vom 02.03.2026, Seite 1 / Titel
Iran

Krieg gegen Iran

Israel und die USA greifen landesweit an. Bisher mehr als 200 Tote, darunter Staatsoberhaupt Khamenei. Teheran verübt in gesamter Golfregion Vergeltung und schließt Straße von Hormus
Von Knut Mellenthin
Die Grundschülerinnen in Minab waren unter den ersten Opfern (28.2.2026)
Dunkle Rauchwolken steigen am Sonntag über Teheran auf
Tausende gedenken Ali Khameneis bei einem Trauermarsch am Sonntag in der iranischen Hauptstadt

Tel Aviv und Washington haben am Wochenende einen erneuten Krieg gegen Iran begonnen. Schwere Explosionen erschütterten auch am Sonntag die Hauptstadt Teheran. Am Samstag trafen mutmaßlich israelische Raketen eine Mädchengrundschule in der südiranischen Stadt Minab. Bis Sonntag morgen stieg die Zahl der getöteten Schülerinnen auf mindestens 148, Dutzende weitere wurden nach Angaben örtlicher Behörden verletzt. Unter den Trümmern befanden sich immer noch Opfer; die Rettungsarbeiten wurden bis Sonntag abend fortgesetzt. Israel dementierte jegliche Verantwortung, die Schule liegt jedoch in der Nähe von Anlagen der Revolutionsgarden.

Die Angriffe Israels und der USA waren seit Wochen angedroht, geplant und vorbereitet worden. Seit der letzten Januarwoche hatten die US-Streitkräfte in der Region die größte Militärkonzentration seit dem Überfall auf Irak im März 2003 zusammengezogen. In seiner Kriegserklärung beschuldigte US-Präsident Donald Trump Samstag nacht US-amerikanischer Zeit die Islamische Republik, ihre während des Junikriegs 2025 weitgehend unbrauchbar gemachte Nuklearindustrie wiederaufbauen zu wollen. Die Revolutionsgarden rief er zur Kapitulation, »das große, stolze Volk Irans« zur Übernahme der Regierung auf. Einige Stunden später zeigte sich der US-Präsident bei einem Interview mit dem Sender CBS in veränderter Stimmung: Er glaube, dass es jetzt »vielleicht leichter« als noch am Tag zuvor sein werde, eine »diplomatische Lösung« und ein Abkommen mit Iran zu erreichen, »weil sie schlimme Prügel beziehen«. Noch am Samstag gab Großbritanniens Premier Keir Starmer bekannt, sich an einem »defensiven Militäreinsatz« im Nahen Osten beteiligen zu wollen.

Die gezielte Tötung von möglichst vielen Mitgliedern der militärischen und politischen Führung Irans war eines der zentralen Ziele der ersten Angriffswellen. Dabei starb am Samstag, wie offiziell bestätigt wurde, der »oberste Führer« Ali Khamenei. Am Sonntag teilten die israelischen Streitkräfte (IDF) mit, sie hätten bis dahin 40 hochrangige Militärkommandeure getötet, darunter Generalstabschef Abdolrahim Musawi, den Oberkommandierenden der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour, und Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh. Ilna bestätigte zudem die Tötung von Expräsident Mahmud Ahmadinedschad.

Nach Bekanntwerden des Todes von Khamenei gingen Tausende Iraner auf die Straßen, um zu trauern und gegen die Angriffe zu protestieren. Vereinzelt gab es auch Berichte über Freudenfeiern nach dem Tod der höchsten religiösen und staatlichen Autorität des Landes. Am Sonntag übernahm ein Übergangsführungsrat seine Rolle, wie Präsident Massud Peseschkian verlautbarte.

Irans Militär reagierte auf die Angriffe mit der Bekanntgabe der Schließung der Straße von Hormus sowie Vergeltungsschlägen gegen Stützpunkte der USA in Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Aus diesen Ländern sowie aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurden Explosionen gemeldet. Im Zentrum Tel Avivs griffen die Revolutionsgarden angeblich das Hauptquartier der IDF und das Verteidigungsministerium an. Von israelischer Seite wurden der Tod einer Frau, die Verletzung von 20 Bewohnern und die Beschädigung von 40 Gebäuden beim Einschlag einer iranischen Rakete in einen Wohnblock bekanntgegeben. Später wurde der Tod von neun Bewohnern in Bet Schemesch im Großraum Tel Aviv nach dem Einschlag mehrerer Raketen gemeldet. Am Sonntag meldeten die Revolutionsgarden zudem, sie hätten den US-Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« mit vier Raketen getroffen.

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