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Aus: Ausgabe vom 27.02.2026, Seite 12 / Thema
USA

Washingtons Sklaven

In ihrem Bemühen, die USA wieder »great« zu machen, greift die Trump-Regierung zu Gewalt und Zensur. Der Versuch, eine die Sklaverei entlarvende Ausstellung in Philadelphia zu entfernen, scheiterte aber vorerst
Von Jürgen Heiser
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Trump kam nicht durch. Michael Coard, einer der Gründer der »Avening The Ancestors Coalition« spricht, nachdem die Ausstellung infolge eines Gerichtsbeschlusses wieder reinstalliert wurde (Philadelphia, 19.2.2026)

Es gehört zur Tradition des seit 1926 stets im Februar begangenen »Black History Month«, dass die Versklavung von Millionen aus Afrika verschleppten Menschen als konstituierendes Moment des Rassismus in den Vereinigten Staaten im Zentrum des Gedenkens steht. Seit einiger Zeit arbeitet die Regierung von US-Präsident Donald Trump jedoch mit ihrer MAGA-Kampagne daran, die USA von dieser Geschichte reinzuwaschen, sprich: die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der Sklaverei zu leugnen und die Geschichte umzuschreiben.

Sowohl die bürgerliche als auch die materialistische Geschichtsschreibung erkennen im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865), der von den Unionsstaaten des Nordens siegreich entschieden wurde, einen Wendepunkt in der Entwicklung der Vereinigten Staaten. Der Zeitzeuge Karl Marx analysierte in seinem am 25. Oktober 1861 in der Wiener Tageszeitung Die Presse erschienenen Artikel »Der Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten« weitsichtig den damaligen Grundwiderspruch des von Spaltung zerrissenen Landes: »Der gegenwärtige Kampf zwischen Süd und Nord ist also nichts als ein Kampf zweier sozialer Systeme, des Systems der Sklaverei und des Systems der freien Arbeit. Weil beide Systeme nicht länger friedlich auf dem nordamerikanischen Kontinent nebeneinander hausen können, ist der Kampf ausgebrochen. Er kann nur beendet werden durch den Sieg des einen oder des andern Systems.«

Ideologische Kämpfe

Seit die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE mit vermummten Bundesbeamte Jagd auf Migrantinnen und Migranten macht, gibt es Proteste. Nachdem ICE-Beamte bei diesen Protesten in Minneapolis zwei Menschen erschossen hatten und bekannt wurde, dass es bereits zuvor Tote in den von der Behörde betriebenen Deportationslagern gegeben hatte, gingen Hunderttausende auf die Straße und forderten »ICE Out!«. Rasch bildeten sich Netzwerke heraus, die Fluchthilfe leisten. Wo die »Slave chaser« – Sklavenjäger – von ICE auftauchen, wird lautstark gewarnt und Krach geschlagen. Und es gibt auch organisierte Gegenwehr. In Philadelphia traten kürzlich Mitglieder der neugegründeten »Black Lions Party« mit legal erworbenen und ebenso legal offen getragenen Waffen auf und stellten sich den Überfällen von ICE und den sie begleitenden Polizeistreifen entgegen.

Selbst bürgerliche Medien, die zunächst zurückhaltend berichteten, stellen angesichts der Zuspitzung die Frage: Stehen die USA vor einem Bürgerkrieg? Auf der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar in Berlin ließ Robert Saleem Holbrook, der Leiter des Abolitionist Law Center (ALC) aus Pennsylvania, das gegen Rassismus, Gefängnisse und Zwangsarbeit kämpft, das Publikum aufhorchen, als er sagte, der »erste Bürgerkrieg, der über die Frage der Legitimität der Sklaverei geführt wurde«, sei »nie beendet« worden.

Damit spielte Holbrook darauf an, dass die heutige Situation im gefängnisindustriellen Komplex eine moderne Fortsetzung der Sklaverei ist. Denn massenhaft und für lange Strafen eingekerkerte Menschen aus der schwarzen, hispanischen und indigenen Bevölkerung müssen in den staatlichen und privaten Knastfabriken unentgeltlich Zwangsarbeit leisten. »Abolition«, der ursprüngliche Begriff für den Kampf zur Abschaffung der Sklaverei, steht im Namen des ALC heute für die Abschaffung des Gefängnissystems, das »routinemäßig einen Verstoß gegen elementare Menschenrechte« darstellt.

Wie in der Praxis des ALC umfasst der Abolitionismus auch heute den Kampf um die Definitionshoheit darüber, was die Sklaverei historisch für die US-Gesellschaft bedeutet. Auf dieser Ebene ist der »alte« Bürgerkrieg längst nicht zu Ende. Denn zur Zuspitzung der neuerlichen, auch wieder bewaffnet nach innen gerichteten Ausdehnung der weißen Vorherrschaft des US-Imperiums gehört nicht zufällig der ideologische und propagandistische Klassenkampf gegen alles, was zur Aufarbeitung der Sklaverei gehört.

Pennsylvania war der erste US-Bundesstaat, der die schrittweise Abschaffung der Sklaverei beschloss. Zwischen 1790 und 1800 wurde Philadelphia daher zu einem Zufluchtsort für freie Schwarze, und die schwarze Bevölkerung der Stadt verdoppelte sich rasch. Zugleich wurde die Stadt auch ein bedeutender Ort für die Herausbildung einer Infrastruktur, die später der Aufrechterhaltung der weißen Vorherrschaft diente, ohne dass dazu in den Nordstaaten die Sklaverei noch nötig gewesen wäre. Philadelphia war entscheidend an der Durchsetzung des »Fugitive Slave Act« (Gesetz über flüchtige Sklaven) von 1850 beteiligt, das vorsah, entlaufene Sklaven wieder in die Südstaaten zu bringen.

Angesichts dieser Bedeutung Philadelphias für den gesellschaftlichen Kampf um die Sklaverei erscheint es als geradezu symbolisch, dass die Regierung unter Donald Trump gerade dort zu Beginn des Jahres zuschlug. Der Vorgang im Independence National Historical Park vom 22. Januar erregte internationales Aufsehen. Trotz breiter Proteste der örtlichen Bevölkerung entfernten Mitarbeiter des National Park Service auf Weisung aus dem Weißen Haus eine Ausstellung über die Lebensgeschichte von Menschen afrikanischer Herkunft, die unter dem ersten US-Präsidenten George Washington als Sklaven Zwangsarbeit leisten mussten. Sie zeigte unter dem Titel »The Dirty Business of Slavery« (»Das schmutzige Geschäft der Sklaverei«) wie der transatlantische Sklavenhandel funktionierte und kritisierte die Komplizenschaft der sogenannten Gründerväter der USA mit der Sklaverei. Inhalt und Ausrichtung der Ausstellung stellten eine generelle Kritik am System der Leibeigenschaft und Zwangsarbeit dar, die Trump und die anderen Vorkämpfer der heutigen weißen Vorherrschaft nicht hinnehmen wollten.

Die aus 34 Informationstafeln und Videoinstallationen bestehende Ausstellung war schon im Dezember 2010 eröffnet worden. Unter freiem Himmel wurde sie zu einem Anziehungspunkt für Menschen jeden Alters. Schulklassen der Black Community hielten regelmäßig am ehemaligen Standort des »President’s House« ihren Unterricht ab. Als das Haus noch stand, diente es als vorübergehende Residenz für George Washington und dessen Nachfolger John Adams. Ende des 18. Jahrhunderts waren Washington D. C., und das Weiße Haus nicht viel mehr als Skizzen auf dem Reißbrett. Philadelphia diente als provisorische Hauptstadt der USA.

Trickreicher Sklavenhalter

George und Martha Washington zogen 1790 von New York, der ersten, kurzzeitigen Hauptstadt, nach Philadelphia. Sie wohnten fast bis zum Ende von Washingtons zweiter Amtszeit im Jahr 1797 in der Market Street. Bei ihnen lebten mindestens neun ihrer Sklaven, und das, obwohl sich die Sklaverei in Pennsylvania durch das Gesetz »Gradual Abolition of Slavery Act« von 1780 im Prozess der schrittweisen Abschaffung befand. Diese Sklaven hatten die Washingtons von ihrem Landsitz Mount Vernon in Virginia mitgebracht.

Für vorübergehend im Staat lebende Personen – wie beispielsweise Regierungsbeamte – gab es hinsichtlich der Abschaffung der Sklaverei eine Übergangsklausel: Sklavenhalter durften ihre Sklaven nur für höchstens sechs Monate mitbringen. Blieben die Leibeigenen länger als ein halbes Jahr in Pennsylvania, hatten sie das Recht, ihre Freiheit zu verlangen. Washington nutzte jedoch rechtliche Schlupflöcher, um seine Sklaven nicht freilassen zu müssen. Der Präsident war sich dieser rechtlichen Grauzone bewusst und wies seine Sekretäre an, alle notwendigen Maßnahmen – wie zum Schein vollzogene Aus- und Wiedereinreisen der Sklaven im Halbjahresrhythmus – diskret abzuwickeln.

Die Gedenk- und Informationstafeln der Ausstellung schilderten die Schicksale der Menschen, die dem Ehepaar Washington dienen mussten. Wie bei der Mehrzahl der Sklavinnen und Sklaven üblich, sind von den neun Personen nur in Ausnahmefällen Familiennamen bekannt. Man kennt lediglich ihre Vornamen: Joe Richardson arbeitete mit seinen Gefährten Austin und Paris als Stallknecht, Giles als Kutscher und Stallknecht. Hercules Posey diente als Koch, sein Sohn Richmond als Küchenhelfer. Christopher Sheels war Leibdiener des Präsidenten, Oney Judge persönliche Zofe der Präsidentengattin, und das Kindermädchen Moll musste die Enkelkinder der Washingtons hüten.

Der Anstoß für die Errichtung der Ausstellung war ein Zufallsfund. Als die Gedenkstätte der Liberty Bell im Jahr 2003 in einen neuen Pavillon verlegt werden sollte, wurden bei Bauarbeiten am 200 Meter entfernten neuen Standort nicht nur archäologische Überreste des »President’s House« entdeckt, sondern auch die Gräber der Sklaven, die mit den Washingtons dort gelebt hatten. Offensichtlich waren sie hinter der Residenz »privat« vergraben worden und in Vergessenheit geraten. Der Fund führte in der Stadt zu einer langwierigen und äußerst angespannten Debatte darüber, wie man den Spagat hinbekommen könnte, am selben Ort sowohl die Liberty Bell als »Symbol der Freiheit« als auch die Geschichte der Sklaverei angemessen darzustellen.

Nach dem Fund der sterblichen Überreste gründeten Angehörige der Black Community Philadelphias die »Avenging The Ancestors Coalition« (ATAC), um den National Park Service und die Verwaltung des Independence National Historical Park dazu zu bewegen, der Errichtung eines Sklavereidenkmals zuzustimmen. Die ATAC gelobte, für ihre ehemals verscharrten Vorfahren Gerechtigkeit einzufordern und alles dafür zu tun, sie angemessen zu bestatten und ihr Vermächtnis zu pflegen. »Diese neun gehörten zu den 316 schwarzen Männern, Frauen und Kindern, die von Washington auf seiner Plantage in Mt. Vernon, Virginia, versklavt wurden«, erklärte die Koalition. Im Laufe von acht Jahren organisierte ATAC zahlreiche Versammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen, um die Errichtung der Mahn- und Gedenkstätte durchzusetzen.

Kritisch und schnörkellos

Der Erfolg der politischen Basisarbeit von ATAC zeigte sich darin, dass die Ausstellung kritisch und schnörkellos die Entwicklung der Sklaverei, ihre Nutznießer und ihre Opfer beleuchtete. Auf einer Tafel war zu sehen, wie US-Präsident Washington den berüchtigten »Fugitive Slave Act« von 1793 unterzeichnete, mit dem die der Sklaverei Entkommenen der Hatz durch die Sklavenjäger ausgesetzt wurden. Im Hintergrund erkennt man eine Gruppe weißer Männer mit Knüppeln und Gewehren, die Jagd auf vier schwarze Männer machen, die zu fliehen versuchen.

Von den neun Sklavinnen und Sklaven im Haushalt der Washingtons ist lediglich überliefert, dass zwei von ihnen der Leibeigenschaft des Herrscherpaares entkommen konnten. 1796 gelang Oney Judge die Flucht in den freien Staat New Hampshire. Sie war auf der Plantage der Familie Washington in Virginia geboren worden. Daraufhin erklärte US-Präsident Washington sie öffentlich zur Flüchtigen und veröffentlichte Anzeigen, in denen er ihre »Rückgabe« forderte.

Da Judge aus dem Haus in Philadelphia geflohen war und dies nicht ohne Hilfe geschafft haben konnte, nahm der National Park Service die Gedenkstätte in Philadelphia 2022 in ein nationales Netzwerk von »Stätten der Underground Railroad« auf. Damit ging die Bundesbehörde die gesetzliche Verpflichtung ein, auch die Ausstellung in Philadelphia als Teil des landesweiten Netzwerks »über die Geschichte des Widerstands gegen die Versklavung durch Flucht und Entkommen zu ehren, zu bewahren und zu fördern«.

Keine Befugnis

Die Entfernung der Ausstellung auf der Basis einer »Executive Order« aus dem Hause Trump verstieß somit gegen ein geltendes Bundesgesetz. Doch das kümmerte weder Trump noch seine Gefolgsleute der MAGA-Bewegung, die auch in der Leitung des National Park Service sitzen. Der amtierende US-Präsident zielt mit seinen Maßnahmen gegen Museen, Forschungseinrichtungen und Curricula auf eine Umdeutung der US-amerikanischen Geschichte ab. Mit den Worten von Trumps »Executive Order« geht es darum, »Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte wiederherzustellen«. Seine Verfügung wies das US-Innenministerium an, dafür zu sorgen, dass alle »Elemente« entfernt werden sollen, die »die Vergangenheit oder Gegenwart der Amerikaner in unangemessener Weise herabsetzen«.

Nachdem Angestellte der Parkverwaltung die Gedenktafeln am 22. Januar innerhalb von nur zwei Stunden mit Brechstangen entfernt und mit einem Pick-up weggefahren hatten, brach in Philadelphia ein Sturm der Entrüstung aus. Die ATAC-Koalition und andere Bürgerrechtsorganisationen mobilisierten die Öffentlichkeit. Auch das Stadtparlament opponierte gegen den gewaltsamen Eingriff des Weißen Hauses. Am Ende einer Kundgebung befestigten Schülerinnen und Schüler massenhaft Protestzettel mit Aufschriften wie »Lernt die ganze Geschichte«, »Geschichte ist real« oder »Sagt die Wahrheit – gebt uns unsere Geschichte zurück!« auf den nunmehr leeren Halterahmen der Ausstellungsexponate. Die ebenfalls von den Tafeln entfernten Namen von Oney Judge, Moll und ihren sieben Leidensgefährten blieben nach der Zerstörung der Ausstellung nur noch mit Filzstift auf ein größeres Blatt gepinnt erhalten.

Gegen den Akt des Vandalismus im Auftrag Trumps reichte die Stadt Philadelphia umgehend Klage gegen US-Innenminister Doug Burgum, die amtierende Direktorin des National Park Service, Jessica Bowron, und ihre jeweiligen Behörden ein. Am 17. Februar meldete die Agentur AP, dass die Bundesrichterin Cynthia Rufe vom Bezirksgericht für den östlichen Bezirk von Pennsylvania dem Eilantrag der Stadt Philadelphia am Tag zuvor stattgegeben habe. In ihrer Entscheidung ordnete sie zunächst an, die 34 Informationstafeln und Videoinstallationen über die neun von George Washington versklavten Menschen »unverzüglich wiederherzustellen«. Das Hauptverfahren »über die Rechtmäßigkeit der Entfernung« steht indes noch aus. Ausdrücklich untersagte Richterin Rufe der Regierung, »Ersatzmaterialien anzubringen, die die Geschichte anders darstellen«. Diese Festlegung hielt die Richterin für notwendig, da sie sich bereits während einer Anhörung im Januar aufgrund von »äußerst gewagten« und »erschreckenden« Aussagen der Anwälte des US-Justizministeriums genötigt sah, diese zu warnen, ihre Beamten selbst entscheiden zu lassen, »welche Teile der US-Geschichte an den Standorten des National Park Service zu zeigen« seien.

Die vorläufige Gerichtsentscheidung erfolgte ausgerechnet am »Presidents’ Day«, dem Bundesfeiertag zu Ehren von George Washington und aller anderen US-Präsidenten. Richterin Rufe, die noch vom republikanischen US-Präsidenten George W. Bush ernannt worden war, begann ihre schriftliche Anordnung mit einem Bezug zu George Orwells dystopischem Roman »1984« und verglich die Trump-Regierung mit »dem totalitären Regime aus dem Buch«, so AP. »Als ob das Ministerium für Wahrheit aus George Orwells 1984 mit seinem Motto ›Unwissenheit ist Stärke‹ heute existieren würde, wird dieses Gericht nun aufgefordert, zu entscheiden, ob die Bundesregierung die von ihr beanspruchte Befugnis hat, historische Wahrheiten zu verschleiern und zu verfälschen, um einen gewissen Einfluss auf historische Fakten auszuüben«, so die Richterin. »Die hat sie nicht.«

Die Entfernung der Tafeln stelle einen Verstoß gegen bestehende Verträge mit der Stadt Philadelphia sowie gegen das »Gesetz zur Einrichtung des Independence National Historical Parks« dar, hieß es in ihrem Entscheid. Zudem unterbinde die Entfernung von Materialien über die geflüchtete Sklavin Judge laut Bundesrichterin Rufe »wichtige Informationen«, die die Gedenkstätte zu einem Teil des von einer Bundesbehörde unterhaltenen »Underground Railroad«-Netzwerks machten.

Da die Regierung der ersten Anweisung nicht schnell genug nachgekommen war und die Ausstellungsexponate noch nicht wieder an Ort und Stelle angebracht waren, setzte Rufe in einer Folgeanordnung eine strikte Frist bis zum Nachmittag des 20. Februar 2026. Zudem darf die Regierung bis zum Abschluss des Hauptverfahrens keine neuen, »alternativen« Geschichtsinterpretationen an dem Ort anbringen, ohne die Zustimmung der Stadt Philadelphia einzuholen.

Vorläufiger Sieg

Mitarbeiter des National Park Service begannen am 19. und 20. Februar tatsächlich damit, die Tafeln wieder zu montieren. Allerdings legte die Trump-Regierung gegen die Entscheidung von Richterin Rufe vor dem 3. US-Appellationsgericht Berufung ein. Dieses Gericht setzte daraufhin einen Teil von Rufes Anordnung vorläufig außer Kraft, so dass die vollständige Wiederherstellung rechtlich noch immer umkämpft ist. Das von Richterin Rufe ausgesprochene Verbot, eigene neue Tafeln der Regierung aufzuhängen, blieb jedoch bestehen.

Lokalpolitiker und führende Persönlichkeiten der schwarzen Gemeinde begrüßten die Entscheidung der Richterin, demonstrieren indes wegen ihres vorläufigen Charakters und der teilweisen Aussetzung durch das Appellationsgericht weiterhin für die vollständige Wiederherstellung der Ausstellung. Der demokratische Abgeordnete Malcolm Kenyatta aus Philadelphia sagte, die Community habe sich gegen den Versuch der Trump-Regierung durchgesetzt, »unsere Geschichte weißzuwaschen«. Mit ihren wochenlangen Protesten habe sich die Bevölkerung von Philadelphia gewehrt. Er sei »absolut stolz darauf, wie wir zusammengehalten haben«, so Kenyatta. »Wir hoffen, dass die Gerichte aus juristischer Sicht das Richtige tun, aber wir orientieren uns an den Bürgerrechtskämpfen der 1950er und 1960er Jahre«, sagte der Rechtsanwalt und ATAC-Gründer Michael Coard auf einer Kundgebung. »Es gibt eine Strategie des Aktivismus und es gibt eine Prozessstrategie. Wir verfolgen beide.«

Jürgen Heiser schrieb an dieser Stelle zuletzt am 1. November 2025 über Assata Shakur: »Wie ein Wirbelwind«

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