Kuba gegen Contras
Von Volker Hermsdorf
Es riecht nach einer gezielten Provokation. Bei einem Schusswechsel mit der schwerbewaffneten Besatzung eines aus den USA kommenden Schnellboots haben kubanische Soldaten am Mittwoch vier mutmaßliche Terroristen erschossen und sechs festgenommen. Die Insassen des in Florida registrierten Bootes waren in kubanische Hoheitsgewässer eingedrungen, hatten das Feuer auf fünf Angehörige der Küstenwache eröffnet und den Kommandanten der Grenzschutzeinheit verletzt. Daraufhin feuerten die kubanischen Soldaten zurück, teilte das Innenministerium mit. Im »Gepäck« der Angreifer wurden unter anderem Sturmgewehre, Kurzwaffen, Sprengsätze, kugelsichere Westen, Zielfernrohre und Tarnuniformen gefunden.
Mit der Operation sei ein »Plan zur Verübung eines terroristischen Anschlags in Kuba« vereitelt worden, so Prensa Latina. Alle an dem Angriff Beteiligten seien in den USA lebende und für »kriminelle und gewalttätige« Aktionen bekannte Exilkubaner. Nach zwei der sechs Festgenommenen sei bereits wegen terroristischer Aktivitäten gefahndet worden. In Kuba war zudem ein weiterer Komplize des Trupps verhaftet worden, der nach Mitteilung der Behörden gestand, dass er aus den USA geschickt wurde, um den bewaffneten Trupp zu empfangen. Der Bruder eines getöteten Besatzungsmitglieds sagte gegenüber AP, er trauere um seinen Bruder, bedauere jedoch, dass der in ein »obsessives und teuflisches Streben nach Kubas Freiheit« verfallen sei.
Die kubanische Regierung bekräftigte, ihre Hoheitsgewässer zur Verteidigung der eigenen Souveränität und der Stabilität in der Region zu schützen. Staatspräsident Miguel Díaz-Canel erklärte: »Kuba wird sich mit Entschlossenheit und Standhaftigkeit gegen jede terroristische und söldnerische Aggression verteidigen, die seine Souveränität und nationale Stabilität gefährden will.« Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, hob hervor, dass das Boot der Angreifer unter US-Flagge fuhr. »Es handelt sich um eine aggressive Provokation der USA, deren Ziel es ist, die Lage eskalieren zu lassen und einen Konflikt auszulösen«, erklärte sie am Donnerstag in einem Sputnik-Interview. Wie AP berichtete, hatte Conrado Galindo Sariol, einer der Festgenommenen, in dem von der US-Regierung finanzierten Portal Martí Noticias bereits im Juni 2025 angekündigt, er werde sehr bald »die Kämpfe der Kubaner für die notwendige Freiheit« unterstützen.
Die USA bestreiten indes jede Verbindung zu den Bootsinsassen. Außenminister Marco Rubio erklärte, es habe sich nicht um eine US-Operation gehandelt, und es sei kein US-Regierungspersonal beteiligt gewesen. Er werde »nicht darüber spekulieren, wem das Boot gehörte, was sie taten, warum sie dort waren, was tatsächlich passiert ist«. Washington werde aber den »ungewöhnlichen Vorfall« untersuchen und »entsprechend reagieren«. Die US-Küstenwache habe sich in die Region begeben. Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier ordnete Ermittlungen an. »Wir werden alles tun, um diese Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen«, warnte er.
Der Zwischenfall erfolgte auffälligerweise zur selben Zeit, zu der das US-Finanzministerium ankündigte, »Lizenzen für Ölexporte zum kommerziellen und humanitären Gebrauch in Kuba zu erteilen, sofern diese nicht die kubanische Regierung einbeziehen«. Die Situation erinnert an eine Provokation der exilkubanischen Terrororganisation »Brothers to the Rescue«, die 1996 mit Kleinflugzeugen so lange in den kubanischen Luftraum eindrang, bis zwei der Maschinen abgeschossen wurden. Danach zog US-Präsident Bill Clinton ein zuvor angekündigtes Veto zurück und unterzeichnete den sogenannten Helms-Burton Act, mit dem die Blockade der Insel verschärft wurde.
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