Spritkrise in Honduras
Von Thorben Austen, Guatemala-Stadt
Seit Montag ziehen in Honduras die Preise für Benzin und Diesel spürbar an – mit weitreichenden Folgen. Beobachter befürchten nun allgemeine Teuerungen, da höhere Transportkosten auf andere Bereiche durchschlagen könnten, berichtet Prensa Latina. Der Preis für Super liegt derzeit bei 105 Lempiras (3,37 Euro) pro Gallone (3,78 Liter) und damit 0,76 Lempiras über dem bisherigen Wert. Reguläres Benzin kostet nun 94,82 Lempiras (3,04 Euro), ein Plus von 1,19 Lempiras. Diesel verteuerte sich auf 89,13 Lempiras (2,86 Euro), was einem Anstieg von 1,22 Lempiras entspricht. Autogas wurde um 0,13 Lempiras teurer, während der Preis für zum Kochen verwendetes Flüssigerdgas dank staatlicher Subventionen stabil bleiben soll.
Laut Gilberto Ríos, führendes Mitglied der ehemaligen Regierungspartei Libre, seien die Treibstoffpreise in den ersten vier Wochen der rechten Regierung von Nasry Asfura stärker gestiegen als während der gesamten Amtszeit der linken Vorgängerregierung unter Xiomara Castro. Durch Subventionen habe sich der Preis in den vergangenen vier Jahren jährlich nur um eine Lempira (0,032 Euro) erhöht und sei trotz globaler Preissteigerungen weitgehend stabil geblieben.
Auch eine weitere sozialpolitische Maßnahme der im Januar abgewählten Regierung sieht Ríos in Gefahr. Die Regierung Castro stellte in den vergangenen vier Jahren für rund 900.000 Haushalte mit einem Verbrauch von weniger als 150 Kilowattstunden (kWh) Strom kostenlos zur Verfügung. Dies hatte zu monatlichen Einsparungen von bis zu 1.200 Lempiras (38,51 Euro) für arme Familien geführt, die diese für »Lebensmittel und Schulbildung verwendet hatten«, erklärte Erick Tejada, Exminister für Energie, noch Ende Januar in den Medien. Die Maßnahme war am 11. Februar 2022, kurz nach Amtsantritt von Castro, per Dekret eingeführt worden.
Die rechte Regierung von Nasry Asfura hatte zunächst angekündigt, diese Maßnahme unmittelbar aufzuheben. »Seit diesem Mittwoch erhält die Bevölkerung, die weniger als 150 kWh verbraucht, ihre Stromrechnung ohne den Vorteil der Subvention, nachdem diese Maßnahme, die während der Amtszeit der ehemaligen Präsidentin Xiomara Castro in Kraft war, offiziell beendet wurde«, hieß es noch am 28. Januar in der Zeitung La Prensa Honduras. Anfang Februar verkündete José Augusto Argueta Padilla, Staatssekretär für Kommunikation und Strategie, jedoch, die Regelung bliebe bis zum 30. April in Kraft; auch sollten gewisse Subventionen für Treibstoffe bis zum 30. April fortgesetzt werden.
Dabei hatte die Regierung Castro mit Gesetzen, Subventionen und sozialpolitischen Maßnahmen durchaus Erfolge in der Armutsbekämpfung vorzuweisen. So sank die Armut zwischen 2021 und 2025 laut dem Amt für Statistik von 73,7 Prozent auf 60,1 Prozent, die extreme Armut von 53,7 Prozent auf 38,3 Prozent, die offizielle Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent auf 4,9 Prozent. Allerdings blieb die Quote der Arbeiter im informellen Sektor hoch. Laut Weltbank waren es 2023 zwischen 55 Prozent und 65 Prozent, andere Quellen nennen sogar 80 Prozent Beschäftigte im informellen Sektor.
Kritiker befürchten in der aktuellen Regierung, dass diese die stark neoliberal geprägten Maßnahmen der Regierung von Juan Orlando Hernández, wie Asfura Mitglied des Partido Nacional de Honduras, wieder aufleben lassen wird. Dazu könnten eine Zunahme der Bergbau- und Megaprojekte ebenso gehören wie eine Wiederaufnahme der Privatstädte, Sonderentwicklungszonen mit eigenen Gesetzen, die zu einem »absoluten Neoliberalismus« führen könnten, erklärte der Analyst Manuel Torres Calderón im Januar im jW-Gespräch.
Eine Delegation des Internationalen Währungsfonds, die Honduras vom 16. bis 20. Februar besuchte, sieht im Land eine »wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit« und hob das »Engagement für makroökonomische Stabilität« und eine geringe Inflation hervor. Zu den Faktoren, die die makroökonomische Stabilität aufrechterhalten, zählen »günstige Exportpreise« und der »stetige Fluss der Remesas«, der Überweisungen von überwiegend in den USA lebenden honduranischen Migranten, schreibt das rechte Portal »Infobae«. Die konstant steigenden Remesas machen mittlerweile in Honduras mehr als 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
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