Streikposten am Elbtunnel
Von Michael König
Es war ein kleines Häuflein Aufrechter, das am Montag dem Hamburger Schietwetter trotzte: Rund 40 Beschäftigte folgten dem Verdi-Aufruf zur Kundgebung auf der A-7-Brücke an der Anschlussstelle Othmarschen, kurz vor dem Elbtunnel. Sie fordern sieben Prozent mehr Lohn für ein Jahr, mindestens 300 Euro monatlich. Die bundeseigene Autobahn GmbH bietet jedoch sieben Prozent über 29 Monate – ohne Sockelbetrag. Auf dieser Versammlung waren Beschäftigte verschiedener Abteilungen der Niederlassung Nord.
Im Elbtunnel wurde die Arbeit teilweise niedergelegt, weshalb sich der Verkehr in beiden Richtungen nur über zwei statt drei Spuren schob. Kilometerlange Staus waren die Folge, für Pendler allerdings kein ungewöhnliches Bild. Am Dienstag morgen mit Schichtbeginn im Hafen endete der Warnstreik.
Bereits am Freitag hatte Verdi die Beschäftigten der Autobahn GmbH in Hamburg zum Streik aufgerufen. Am Wochenende kam eine wegen Bauarbeiten nötige Vollsperrung der A 7 hinzu – für viele Autofahrer eine zusätzliche Geduldsprobe. Verdi-Sekretär Max Stempel warb dennoch um Solidarität: Die Beschäftigten sorgten täglich für Verkehrssicherheit und verdienten eine angemessene Bezahlung. Am Montag zeigte sich diese Unterstützung zweimal deutlich, als jeweils Müllfahrzeuge hupend die Brücke unterquerten und die Besatzungen zum Gruß die Fäuste reckten. Die durchnässten Streikenden antworteten gleichfalls mit erhobenen Fäusten.
Einpeitscherin war Claudia Latzer, Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission von Verdi. Sie stand auf dem Pritschenwagen, das Megaphon in der Hand, Kameras waren auf sie gerichtet. An die Manager der Autobahn GmbH gewandt rief sie vor der an diesem Mittwoch startenden dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde: »Wir können auch anders!«
Bisher hatte die Gewerkschaft nur mit Notdienstvereinbarungen gestreikt. Doch wenn das bundeseigene Unternehmen bei Vertragslaufzeit und Mindestbetrag nicht nachgebe, werde Verdi den Arbeitskampf ausweiten. Eine Abkopplung vom Tarifvertrag des Bundes und der Kommunen (TVöD) werde man nicht akzeptieren, sagte Latzer gegenüber jW. Dazu zähle auch ein zusätzlicher Urlaubstag.
Nach einer groben Berechnungsmethode, der sogenannten Westrick-Formel, liegt das jüngste Angebot der Autobahn GmbH mit sieben Prozent über 29 Monate sogar höher als der TVöD-Abschluss von 2025, der insgesamt 5,8 Prozent über 27 Monate festschrieb. Verdi-Sekretär Stempel betonte im Gespräch mit jW aber, dass für die unteren Lohngruppen ein Mindestbetrag unumgänglich sei. Deshalb seien die Beschäftigten weiterhin kampfbereit.
Wie eine schrittweise Eskalation des Arbeitsausstandes aussieht, schilderte Latzer: Nach der ersten Verhandlungsrunde legte Verdi den Elbtunnel teilweise lahm. Nach der zweiten Runde blockierte die Gewerkschaft am Montag zusätzlich je eine Spur in den A-7-Lärmschutztunneln Hamburg-Stellingen und Hamburg-Schnelsen.
Bleibe die dritte und letzte Gesprächsrunde ohne Ergebnis, werde man die Tunnel womöglich komplett dichtmachen. Auch die Verkehrsleitzentrale könne mehrere Nächte hintereinander bestreikt werden. Bereits von Donnerstag zu Freitag sowie von Montag zu Dienstag konnten wegen des Warnstreiks keine Schwerlasttransporte durch Hamburg geleitet werden.
Indessen legten am Dienstag bundesweit Beschäftigte der Autobahn GmbH die Arbeit nieder, in NRW zusätzlich die Tunnelleitzentralen in Hamm und Duisburg sowie die Verkehrsleitzentrale Leverkusen. Mit dem Ausstand setzten sie ein letztes Signal, bevor der Konflikt am Mittwoch und Donnerstag am Verhandlungstisch weitergeht – Ausgang offen.
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