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Aus: Ausgabe vom 25.02.2026, Seite 4 / Inland
Bischofskonferenz in Würzburg

Spagat zwischen Rom und Wirklichkeit

Bischofskonferenz wählt Vorsitzenden – Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Reform bleibt
Von Bernhard Krebs
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Der neue: Bischof Heiner Wilmer am Dienstag in Würzburg (24.2.2026)

Wie flexibel der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) tatsächlich ist, wird sich noch zeigen müssen. Dass der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, den die DBK am Dienstag zu ihrem neuen Vorsitzenden wählte, nicht weniger als einen Spagat draufhaben sollte, scheint offensichtlich, will er die tiefen Gräben zwischen den Lagern der Reformer und der Konservativen unter den deutschen Kirchenfürsten überbrücken. Nach seiner Wahl gab sich Wilmer zunächst spirituell. Er sehe seine Aufgabe darin, »Gott ins Zentrum zu stellen«, zitierte ihn das Onlineportal Katholisch.de. Es gehe um den Einsatz für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und darum, »dass wir unseren Weg mit Gott gehen«, sagte Wilmer in Würzburg, wo seit Montag die Frühjahrsvollversammlung der DBK stattfindet.

Wilmers Vorgänger, der Limburger Bischof Georg Bätzing, stand für eine zweite Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Die christliche Botschaft sei, »dass es eine Hoffnung gibt, die größer ist als naiver Optimismus«, zitierte dpa den neuen DBK-Vorsitzenden. Dabei räumte der 64jährige mit Blick auf die Situation der Kirche in Deutschland ein, dass es zwar Probleme und Herausforderungen gebe, die Gläubigen vor Ort seien aber »gut drauf«. Die katholische Kirche sei attraktiv, versicherte Wilmer. Angesichts des anhaltenden Verlusts von rund einer Million Gläubigen, die die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland jährlich durch Todesfälle oder Austritte zu beklagen haben, eine steile These.

Konkrete Schritte und Vorhaben nannte der neue DBK-Chef zunächst nicht. Die Aufgaben sind klar, wenn auch widersprüchlich: Während er in Rom den Eindruck erwecken muss, dass auch die deutsche Kirche gut katholisch ist, werden Wilmer und die Kirche sich hierzulande in eine pluralistische Gesellschaft einfügen müssen, in der Religion Privatsache und die katholische Sexualmoral mehr oder weniger irrelevant ist.

Bereits kurz nach der Wahl zeigte sich der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller überzeugt, dass Wilmer ein »Mann der Mitte« sei – in der BRD eine Qualität für Führungspersonal jeglicher Art –, der für »moderate Reformen« stehe und diese mittragen würde. Schüller zeigte sich auch optimistisch, dass Wilmer in der Lage sei, die recht angespannten Beziehungen zwischen den deutschen Katholiken und ihrer Zentrale im Vatikan in Rom zu verbessern.

Die hatten in den zurückliegenden Jahren unter Wilmers Vorgänger, Bischof Georg Bätzing aus Limburg, arg gelitten, hatte Bätzing den Reformprozess »Synodaler Weg« doch verteidigt und unterstützt – sowohl gegen Widerstände aus dem konservativen Lager um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki als auch gegen Einsprüche aus dem Vatikan. »Er ist nie warm geworden mit Rom und Rom nicht mit ihm«, analysierte Schüller bereits am Montag bei dpa.

Der Reformprozess »Synodaler Weg« stellt eine Reaktion auf die jahrzehntelang von Priestern begangene sexualisierte Gewalt dar und soll Strukturen, die den Verbrechen Vorschub leisteten, angehen. Der Reformeifer der deutschen Katholiken war dann aber so groß und entschieden, dass der frühere Papst Franziskus einmal mahnte, Deutschland habe schon eine evangelische Kirche, eine zweite brauche es nicht.

Der Theologe Daniel Bogner wertete die Wahl Wilmers als intelligentes Signal, weil sie eine doppelte Botschaft sende, hieß es bei dpa. Auch Wilmer sei ein Reformer, der aber im Gegensatz zu Bätzing nicht wie ein Politiker auftrete. Die Wahl Wilmers stehe sowohl »für Erneuerung wie auch für eine Einbindung der deutschen Kirche in den Weltkatholizismus«, was einer Anbindung an die Tradition bedeute. »Man könnte sagen: typisch katholisch, diesmal im guten Sinne«, meinte Bogner.

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