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Aus: Ausgabe vom 23.02.2026, Seite 16 / Sport
Schnee

Meilensteine

Von Jürgen Roth
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Linus Straßer: »Das Event an sich ist absolut steril«

Rückblickend ein bisschen unzufrieden bin ich ob der Tatsache, dass auffällig viele Olympionikinnen mit Akne geschlagen sind. Tut das not? Stress? Interessante Substanzen? Entschädigt haben mich die makellosen Skaterinnen Marina Zueva und Femke Kok. Beide will ich verehren fürderhin.

Nicht allzu sehr betont seien die Resultate der Nordischen Kombinierer, der Eishockeyschränke (Spiele gewinnt man in der Defensive, my friends) und sonstiger deutscher Minderleister. Geringfügig sauer war indessen Linus Straßer in Anbetracht der Organisation des stinkteuren Remmidemmis. »Das Event an sich«, motzte er nach dem Slalom, »ist absolut steril«, ergo »für den Arsch« (Andreas Schäfler, Schweiz 1). »Ich, ganz ehrlich, kann darauf verzichten.«

Abstand von der medialen Aufbereitung nahm der US-amerikanische Trainerstab in einem Funkspruch an den Speedspezialisten Ryder Sarchett: »Vergiss alles, was du im Fernsehen gesehen hast.« Das grenzte fast an Wehrkraftzersetzung und kann man so nicht stehenlassen. Denn das ARD-Showgirl Esther Sedlaczek erquickte mich und untermauerte die Gültigkeit von Ludwig Wittgensteins Dekret, die Ergebnisse des Sprechens seien »die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenzen der Sprache geholt hat«.

Belege emittierte Sedlaczek reihenweise. Zwei Juwelen seien ins Schaufenster gestellt: »Da fällt natürlich enorm viel Erleichterung ab.« Und: »Das war ein frühzeitiges Aus, das weit hinter den Erwartungen zurückblieb.« Sie gehören ins Pantheon des Sportjournalismus, wo u. a. Eberhard Figgemeiers Resümee zum Pokalhalbfinale zwischen Schalke und Bayern vom 2. Mai 1984 prangt (Endstand: 6:6 n. V.): »Was dieses phantastische Spiel an Werbung für den Fußball gebracht hat, ist nicht wiedergutzumachen.«

Insgesamt bin ich mit meiner Performance fein. Womöglich war »massiv mehr drin« (Ronja Jenike). Doch ich habe »den einsamen Kampf gegen den inneren Schweinehund« (H. Valkyser) angenommen, »leistungsstark wie eine Strohrundballenpresse« (Moritz Kühn, ARD, Halfpipe), und es darf bilanziert werden: »Das ist ein großer Meilenstein, den er hinter sich gebracht hat.« (Katarina Witt)

Die Klimax erklomm Mailand notabene am 11. des Monats, als Esther Sedlaczek und Stephanie Müller-Spirra vor den Kameras zusammen ein Törtchen verzehrten. Da war ich krass grabbed. »Dieses Gebannte« (L. Neubauer), es hat sich mir eingebrannt.

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