Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Nicht angekommen«
Zu jW vom 16.2.: »Arundhati Roy sagt Teilnahme an Berlinale ab«
Eine tolle Frau. Ins Bewusstsein ist sie mir mit ihren Artikeln nach dem 11. September gerückt. Keine marxistische Analyse, aber eine sehr gute Recherche zum Funktionieren des modernen Kolonialismus ist ihr Buch »Politik der Macht«. Bei Äußerungen wie, dass »Künstler, Schriftsteller und Filmemacher alles in ihrer Macht Stehende tun sollten«, muss ich immer an Peter Hacks’ Essay »Unter den Medien schweigen die Musen« denken. Zu Zeiten der »Weltrevolution und Weltgegenrevolution« und des beidseitigen Vermögens, »das Menschengeschlecht zu liquidieren«, hat man sich auf einen »Seelenkrieg« verlegt. »Unter der neuen Bedingung des Seelenkriegs hatte die Kunst zunächst eine ungewohnte und gewiss übermäßige Beachtung von seiten der Regierungen gefunden. (…) Die Kunst als solche ist den Regierungen gleichgültig, ganz wie die Philosophie oder die Geschichte als solche. Jetzt wurde sie vollständig verwerkzeugt: verkriegswerkzeugt.« Diese Zeiten und die Bedeutung der Kunst und der Künstler sind vorbei. Wir sind nicht wieder in vermeintlich überwundenen, ganz normalen, ordinären Zeiten angekommen, sondern dank des 89er Maidans zurückversetzt worden.
Patrick Büttner, Leipzig
»Geeignet, ihn misszuverstehen«
Zu jW vom 16.2.: »Albanese wider besseres Wissen am Pranger«
Natürlich war und ist denjenigen, die Francesca Albanese an den Pranger stellen, völlig klar, dass sie etwas ganz anderes gesagt hat. Der Satz, um den es dabei geht, ist aber hervorragend dazu geeignet, ihn misszuverstehen bzw. so umzustellen, dass sie glauben, sich mal so richtig darüber aufregen zu können. Die Protagonisten dieses geschickt herbeigezauberten Missverständnisses haben Frau Albanese schon lange auf dem Kieker, da Frau Albanese ihre schönen Kolonisierungs- bzw. Neokolonisierungspläne entlarvt und öffentlich macht. Sie ist eine der lautstärksten Verfechterinnen der Rechte der Palästinenser und leistet Großartiges bei der Bekämpfung des Genozids Israels und des Westens gegen die Palästinenser. Hierfür wird sie von den Kriegsverbrechern und allen ihren Verbündeten gehasst. Den Opportunismus und die Speichelleckerei des UN-Generalsekretariats finde ich einfach nur zum Kotzen! Da fällt mir auch nichts mehr ein, bei solchen jämmerlichen und wehleidigen Waschlappen.
Steffen Weise, Berlin
Schlechter Abschluss
Zu jW vom 16.2.: »Alles gegeben, wenig bekommen«
Wir sagen Danke! 5,8 Prozent in drei Schritten – 27 Monate Laufzeit! Und das bei steigenden Lebenshaltungskosten. Und das bei steigenden Mieten, steigenden Kosten für Heizung und Strom. Steigenden Preisen für Bus und Bahn. Steigenden Steuern. Danke, Verdi! Das liegt unter der Inflationsrate und ist absolut lächerlich. Hunderttausende Überstunden werden nicht bezahlt. Trotzdem reden Linnemann und seine CDU von zuwenig Einsatz und Engagement. Arbeiter und Angestellte sind schlichtweg zu faul und sind zu oft krank. Vermutlich ist selbst jetzt die abgeschlossene Tariferhöhung kaum zu stemmen. Das einzige, was geht, sind zig Milliarden für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Billionen für die Rüstungsindustrie. Milliarden für die Ukraine, damit das Sterben weitergeht. Trotzdem! Ab jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, und wir steigern das Bruttosozialprodukt!
Dietmar Breme, per E-Mail
Vor der Olympischen Charta alle gleich
Olympia in Cortina und Mailand, schöne Eröffnungsfeier, spannende, faire Wettkämpfe, begeisterte Zuschauer aus aller Welt. Nun macht sich Ärger breit, auch von unseren Staatsmedien, sprich Sportmoderatoren, in den Mittelpunkt getrieben: Ein ukrainischer Rodler wollte unbedingt seine Meinung zum Tod einiger ukrainischer Sportler durch Russland auf seinem Wettkampfhelm zum Ausdruck bringen. Dies wurde ihm auf Grund der olympischen Regeln verboten, zu Recht. In der Regel 50, 3. heißt es: »Jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda ist an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen olympischen Bereichen untersagt.« Denn Ähnliches könnten viele Sportler aus vielen Ländern tun, z. B. Sportler aus den Regionen Donezk und Lugansk, die die Toten durch ukrainische Raketen betrauern, Israelis durch Angriffe der Hamas, Palästinenser durch jene der Israelis, Venezolaner und Iraner durch die Amis, Serben und Afghanen durch Amis und auch Deutsche. Eine unendliche Geschichte. Wenn jeder Teilnehmer in irgendeiner Art und Weise seine politische Meinung in diesen Tagen zum Ausdruck bringen wollte, ergäbe das unendliche Diskussionen. Das ist aber nicht der Sinn der Olympischen Spiele, sondern der faire Sportwettkampf für ein friedliches Zusammenleben. Also, liebe Sportmoderatoren, mal überlegen, die Olympische Charta lesen und verstehen und danach moderieren, nicht noch einen Verstoß gegen olympische Regeln gutheißen, nur weil es gegen Russland geht.
Rainer Stüllein, Langenwetzendorf
5,8 Prozent in drei Schritten – 27 Monate Laufzeit! Und das bei steigenden Lebenshaltungskosten, steigenden Mieten, steigenden Kosten für Heizung und Strom. Steigenden Preisen für Bus und Bahn. Steigenden Steuern. Danke, Verdi!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.