junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Dienstag, 7. April 2026, Nr. 80
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 21.02.2026, Seite 7 / Ausland
Horn von Afrika

Addis Abeba eskaliert

Truppen Richtung Eritrea, Presse ausgeschlossen
Von Ina Sembdner
imago847857581.jpg
Präsident und Premier mit Großmachtphantasien: Erdoğan wird am Dienstag von Ahmed in Addis Abeba empfangen

Die Zeichen stehen erneut auf Krieg: Während die verbalen Drohungen aus Addis Abeba gegen Eritrea schon seit geraumer Zeit an Schärfe gewinnen, verstärkt der äthiopische Premier Abiy Ahmed mit einem militärischen Aufmarsch Richtung Grenze die Bedrohungslage. So wurden in den vergangenen Tagen – wie Bloomberg unter Verweis auf anonyme Quellen, die nicht befugt seien, mit den Medien zu sprechen, am Donnerstag meldete – zahlreiche äthiopische Truppen nahe der regionalen Grenze zur nördlichen Provinz Tigray stationiert. Zeitgleich bekräftigte Ahmed bei einem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Dienstag den Anspruch des Binnenlandes auf Seezugang: konkret auf den eritreischen Hafen Assab. Ohne die Regierung in Asmara zu benennen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz: »Aufgrund der Intrigen unserer Feinde ist es nicht richtig, Äthiopien so lange geographisch gefangen zu halten«, für dessen Wachstum »der Zugang zum Meer der Schlüssel ist«.

Internationale Beobachter sind offenbar nicht erwünscht. Nachdem die Medienbehörde in Äthiopien bereits vor einer Woche drei in Addis Abeba stationierten Reuters-Journalisten die Erneuerung ihrer Akkreditierung verweigerte und die Agentur auch vom Gipfel der Afrikanischen Union (AU) am vergangenen Wochenende ausgeschlossen wurde, meldete die Agentur AFP am Donnerstag, dass ein akkreditierter Reporter mit Sitz in Addis Abeba daran gehindert worden sei, einen Flug nach Shire in Tigray zu besteigen. Mit dem Argument, dass er keine Genehmigung des äthiopischen Außenministeriums habe. Vom Sicherheitspersonal am Flughafen hieß es demnach, dass es sich um eine neue Regelung handele, »die heute oder gestern in Kraft getreten ist«. Beweise dafür wurden laut AFP nicht vorgelegt. »Reporter ohne Grenzen« verwies in einer Erklärung darauf, dass dies ein weiteres Beispiel sei »für die zunehmenden Einschränkungen, denen internationale Medien in Äthiopien ausgesetzt sind«. Reuters wurde offenbar zum Verhängnis, dass es wenige Tage zuvor eine Recherche veröffentlichte, die mit Hilfe von Satellitenaufnahmen belegt, dass sich in Äthiopien ein geheimes Lager befindet, in dem Tausende von Kämpfern für die paramilitärischen RSF im benachbarten Sudan ausgebildet werden, die dort Massaker um Massaker begehen.

Hintergrund bildet die jüngste Annäherung zwischen Tigray und Asmara. Was zu dem Vorwurf aus Addis Abeba führte, dass eritreische Truppen in der nordäthiopischen Region, die durch das zwei Jahre andauernde Gemetzel nach Angaben der AU mehr als 600.000 Tote zu verzeichnen hatte, stationiert worden seien. Der von der Befreiungsfront in Tigray (TPLF) im November 2020 begonnene Krieg gegen die Zentralregierung Ahmeds hatte sich auch gegen Eritrea gerichtet, die Front ist mittlerweile jedoch gespalten.

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Kooperation statt Krieg: Eritreas Präsident Afewerki auf dem Weg...
    07.08.2025

    Eritrea bereit zur Verteidigung

    Äthiopien wirft Nachbarn Kriegsvorbereitung vor – Asmara warnt vor Ausweitung von Feindseligkeiten
  • Die westliche Medienberichterstattung über den Krieg in Äthiopie...
    26.01.2022

    Verzerren und verschweigen

    Medien spielen eine zentrale Rolle im neuen Kalten Krieg. Die Auswirkungen westlicher Politik in der »Dritten Welt« blenden sie konsequent aus
  • »Internationale Gemeinschaft« im Rücken: Kämpfer der TPLF nach d...
    11.11.2021

    »Loses Verhältnis zu den Fakten«

    Destabilisierung und Regime-Change: Bewaffneter Aufstand der TPLF gegen Äthiopiens Regierung von außen befeuert.Ein Gespräch mit Teclu Lebasse

Mehr aus: Ausland