Addis Abeba eskaliert
Von Ina Sembdner
Die Zeichen stehen erneut auf Krieg: Während die verbalen Drohungen aus Addis Abeba gegen Eritrea schon seit geraumer Zeit an Schärfe gewinnen, verstärkt der äthiopische Premier Abiy Ahmed mit einem militärischen Aufmarsch Richtung Grenze die Bedrohungslage. So wurden in den vergangenen Tagen – wie Bloomberg unter Verweis auf anonyme Quellen, die nicht befugt seien, mit den Medien zu sprechen, am Donnerstag meldete – zahlreiche äthiopische Truppen nahe der regionalen Grenze zur nördlichen Provinz Tigray stationiert. Zeitgleich bekräftigte Ahmed bei einem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Dienstag den Anspruch des Binnenlandes auf Seezugang: konkret auf den eritreischen Hafen Assab. Ohne die Regierung in Asmara zu benennen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz: »Aufgrund der Intrigen unserer Feinde ist es nicht richtig, Äthiopien so lange geographisch gefangen zu halten«, für dessen Wachstum »der Zugang zum Meer der Schlüssel ist«.
Internationale Beobachter sind offenbar nicht erwünscht. Nachdem die Medienbehörde in Äthiopien bereits vor einer Woche drei in Addis Abeba stationierten Reuters-Journalisten die Erneuerung ihrer Akkreditierung verweigerte und die Agentur auch vom Gipfel der Afrikanischen Union (AU) am vergangenen Wochenende ausgeschlossen wurde, meldete die Agentur AFP am Donnerstag, dass ein akkreditierter Reporter mit Sitz in Addis Abeba daran gehindert worden sei, einen Flug nach Shire in Tigray zu besteigen. Mit dem Argument, dass er keine Genehmigung des äthiopischen Außenministeriums habe. Vom Sicherheitspersonal am Flughafen hieß es demnach, dass es sich um eine neue Regelung handele, »die heute oder gestern in Kraft getreten ist«. Beweise dafür wurden laut AFP nicht vorgelegt. »Reporter ohne Grenzen« verwies in einer Erklärung darauf, dass dies ein weiteres Beispiel sei »für die zunehmenden Einschränkungen, denen internationale Medien in Äthiopien ausgesetzt sind«. Reuters wurde offenbar zum Verhängnis, dass es wenige Tage zuvor eine Recherche veröffentlichte, die mit Hilfe von Satellitenaufnahmen belegt, dass sich in Äthiopien ein geheimes Lager befindet, in dem Tausende von Kämpfern für die paramilitärischen RSF im benachbarten Sudan ausgebildet werden, die dort Massaker um Massaker begehen.
Hintergrund bildet die jüngste Annäherung zwischen Tigray und Asmara. Was zu dem Vorwurf aus Addis Abeba führte, dass eritreische Truppen in der nordäthiopischen Region, die durch das zwei Jahre andauernde Gemetzel nach Angaben der AU mehr als 600.000 Tote zu verzeichnen hatte, stationiert worden seien. Der von der Befreiungsfront in Tigray (TPLF) im November 2020 begonnene Krieg gegen die Zentralregierung Ahmeds hatte sich auch gegen Eritrea gerichtet, die Front ist mittlerweile jedoch gespalten.
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