Couragierte des Tages: Alice Schwarzer
Von Max Grigutsch
Mut heißt Bereitschaft zum Wagnis. Manche wagen den kühnen Sprung ins kalte Wasser, andere haben Mumm genug, mit ihren Meinungen hausieren zu gehen. Solchen Schneid bekanntlich hat Alice Schwarzer, jüngstes Exempel: das jüngste Spiegel-»Spitzengespräch« im Videoformat.
»Ich darf Sie informieren«, hört man die seltsamerweise als Feministin bekannte Publizistin sagen. Zum Beispiel über die »Dimension der Bedrohung durch den politischen Islam«. Ohnehin, wer Kopftuch trägt, könne nicht Feministin sein. Couragiert fördert Schwarzer auch ihre Meinung zur »wahren Transsexualität« zutage. Es gebe »Menschen, die sich in einem solchen Maße im falschen Körper fühlen« – sie kann dabei nicht auf die Air Quotes verzichten –, aber das sei »natürlich unmöglich«, weil »es ist nun mal der Körper, mit dem man geboren ist«. Und das gehe dann bis zur »Selbstverstümmelung«. Die Zuschauer wissen jetzt: Sich im falschen Körper fühlen ist unmöglich. Ob sie Personen außerhalb der binären Geschlechterordnung die Existenz abspreche? Schwarzer: »Was meinen Sie, wie viele, äh, transvestitische, äh, Freunde oder Freundinnen ich habe?« Das Gespräch plätschert weiter. Merz? »Leicht gestrig«, doch kein »Patriarch«. Söder? »Diese bayerische Gradausart, die gefällt mir.« Die Rapperin Ikkimel hingegen: »pseudofortschrittlich«, eine »junge Hochstaplerin«.
Schwarzer hat Mut. Zur Folgerichtigkeit. Alice Weidel als neue Bundeskanzlerin: »Wie gut wäre das für die Sache der Frauen«? Alice über Alice: Das hätte »vermutlich auch den Effekt, äh, ermutigend für Frauen zu sein. Wahrscheinlich. Unter anderem. Ja.« So ist es mit dem Mut. Interviewer Markus Feldenkirchen lässt das »mal so stehen«. Vielleicht sind mutig auch diejenigen, die es wagen, Alice Schwarzer für fast anderthalb Stunden reden zu lassen.
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