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Aus: Ausgabe vom 20.02.2026, Seite 6 / Ausland
Belgien

Bizarrer Streit um Beschneidungen

Belgien: US-Botschafter beklagt wegen Ermittlungen zu religiösen Praktiken Antisemitismus. Regierung hält dagegen.
Von Von Gerrit Hoekman
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Botschafter White beschwert sich vergeblich: Beschneidungen macht in Belgien nur der Arzt (Brüssel, 17.2.2026)

Seit 2023 ermittelt die Staatsanwaltschaft in Belgien wegen möglicherweise illegaler Beschneidungen männlicher Säuglinge in der jüdischen Gemeinde in Antwerpen durch medizinisch offenbar nicht geschulte Personen. Nun kommt es deshalb überraschend zum offenen Schlagabtausch zwischen der Regierung und Bill White, seit Oktober US-Botschafter in Belgien. In sozialen Netzwerken verlangt White, die »antisemitische Verfolgung« von drei Beschneidern einzustellen. Die belgische Politik und die Medien sind außer sich.

»Hört auf mit dieser inakzeptablen Einschüchterung der jüdischen Gemeinschaft in Antwerpen und in Belgien«, schrieb White am Montag auf X. Den sozialdemokratischen Gesundheitsminister Frank ­Vandenbroucke nannte er »sehr unhöflich«. Schon beim ersten Treffen mit ­Vandenbroucke sei ihm klar gewesen, dass dieser die USA nicht möge, obwohl sie in zwei Weltkriegen für die »Freiheit Belgiens gekämpft« hätten und dabei »Zehntausende unserer Söhne« gestorben seien. »Frank, handele jetzt! Die Welt schaut zu. Amerika baut darauf, dass du das Richtige tust«, forderte er den Minister auf, das belgische Beschneidungsgesetz zu ändern.

»Entweder man passt die Zulassungsverfahren an, oder man bezeichnet die Strafverfolgung dieser drei wunderbaren, religiös qualifizierten und großartigen Männer als Antisemitismus«, zitierte ihn der Sender VRT Nws. Beschneidungen von Jungen sind in Belgien nur erlaubt, wenn sie von einem Arzt vorgenommen werden. Diese Voraussetzung sollen die drei Mohalim, sprich Beschneider, nicht haben.

Das Außenministerium reagiert empört: »Jede Behauptung, Belgien sei antisemitisch, ist falsch, beleidigend und inakzeptabel.« Die Einmischung in das belgische Rechtssystem und der persönliche Angriff auf einen Minister würden »gegen die Grundnormen der Diplomatie« verstoßen. White überschreite eine Grenze, »die nicht überschritten« werden dürfe.

Der von vielen Juden nicht als Rabbiner anerkannte Ultraorthodoxe Moishe Friedman hatte die Staatsanwaltschaft auf die vermeintlich illegalen Beschneidungen hingewiesen. Der in Brooklyn geborene US-Bürger lebt seit vielen Jahren in Antwerpen. »Solche Praktiken werden in Antwerpen unter dem Druck radikaler Rabbiner durchgeführt, das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt«, erklärt der Antizionist Friedman gegenüber VRT Nws. In anderen Ländern würden Eltern ihre Jungen von einem jüdischen Arzt beschneiden lassen. Friedman hat sich allerdings mit Aussagen zum Holocaust weit ins Abseits gestellt.

Botschafter White zündet nun die nächste Eskalationsstufe: Er droht Conner Rousseau, Chef der sozialdemokratischen Partei »Vooruit«, mit einem Einreiseverbot in die USA. In einem Internetvideo hatte Rousseau im Januar Parallelen zwischen dem Aufstieg der Nazis und der Ära Trump gezogen. White verlangt aber erst jetzt von der belgischen Regierung, Rousseau in die Schranken zu weisen. Das wird wohl nicht passieren, denn Ministerpräsident Bart De Wever braucht die Sozialdemokraten für seine Koalition. Die Grenzen der Meinungsfreiheit in Belgien definiere nicht der US-Botschafter, wehrt sich Rousseau. »Niemand steht über dem Gesetz, nicht einmal ein amerikanischer Botschafter«, erklärte er laut VRT Nws bissig.

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