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Aus: Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 16 / Sport
Schnee

ZDF

Von Jürgen Roth
Olympische Winterspiele 2026.jpg
Haar und Kufe in Einheit: Die US-Eiskunstläuferin Amber Glenn

»Läuft bei dir nebenher Eiskunstlauf?« fragte mein alter, treuer Freund Volker. »Ja«, sagte ich. Einmal pro Jahr telefonieren wir, meistens stundenlang. So schaut man Sport adäquat: ohne Ton. »Doppelter Axel«, warf Volker unversehens ein. »Und dreifacher Toeloop.« – »Du erkennst die Sprünge?« fragte ich perplex. »Na sicher«, sagte der Herr Professor. »Is’ ’n Kinderspiel.«

Tags zuvor hatte mich die schöne Frau, die einen Dreck auf Olympia gibt, aber wegen eines Hexenschusses flachgelegen war und zwecks Ablenkung doch mal geguckt hatte, mit der Erkenntnis gefüttert, ständig heiße es, »sie« habe »abgeliefert«, »er« hingegen habe »nicht abgeliefert«, als sei das Theater in Italien eine Battle of Logistikunternehmen. »So ein Schmarrn«, flötete sie in die Leitung.

Ich muss den Schmutz jeden Tag mehr oder minder präzise protokollieren, ­andernfalls braten mir die sauberen Redakteure in Berlin einen drüber. In der Tat am fürchterlichsten ist der nun des Lügens überführte KI-Sender ZDF, der als Presenter ausschließlich Leute beschäftigt, die sich in ihrer Gesinnung, ihrer Haltung, ihrem Gutsein suhlen gleich Säuen in ­Schlammpfützen.

Der penetrante, zu rechter Gelegenheit zuverlässig betroffene Mustermoralmensch ­Florian »Das ist nicht hoch zu genug zu bewerten« ­Zschiedrich stellt sogar den schmierigen Grinseking und Ostentativflauschi Jochen Breyer in den Senkel, und Katrin Müller-Hohenstein, »die Königin der Wintersportmoderation« (Breyer, allen Ernstes), die Inkarnation der zeitgemäßen Heuchelei, garniert jede, jede An- und Abmoderation mit dem verdorbenen Beiwort »liebe«: »Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer«, »lieber Jochen«, »lieber ­Benni«, »liebes Arschloch«.

Das ist »’ne beschissene ­Linie« (Marc Windgassen über eine Fahrt des Snowboarders Martin Nörl), doch was willste erwarten von Öffentlichkeitsexistenzen, deren Trachten sich darin erschöpft, »auf ein Mikrofon zu faseln« (Serdar Somuncu)?

Mein Büro habe ich seit vorgestern ins Seven Bistro verlegt: Großbildschirm, der Kaffee mundet. Kommt der Popp um die Ecke: »Schaust Fußball?« Ich: »Olympia.« Er: »Ah, is’ es wieder soweit.«

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (19. Februar 2026 um 08:31 Uhr)
    Wie gut es doch tut, diese Kolumnen von Jürgen Roth zu lesen. Die wichtigsten Qualifikationen fast aller deutsche Sportreporter scheinen darin zu bestehen, Deutschland als Nabel der Welt zu sehen, unverständliches Fachchinesisch vor sich hinzubrabbeln, dämliche Fragen zu stellen und auch jede noch so kleine sportliche Kleinigkeit brüllend mit Superlativen hochjubeln zu können. Es ist wahrlich besser, da den Ton auszuschalten. Aber was macht man als Radiohörer?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (20. Februar 2026 um 17:43 Uhr)
      Auch als Radiohörer kann man den Ton ausschalten – oder die Senderwahl ändern.

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