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Konflikt im Maghreb

Tauwetter zwischen Paris und Algier

Frankreichs Innenminister Nuñez zu Besuch bei Präsident Tebboune. Sicherheitskooperation soll wiederaufgenommen werden

Foto: Bensalem Billel/IMAGO
Das Zerwürfnis scheint beendet, nachdem schon die Oppositionspolitikerin Ségolène Royal die Wogen geglättet hatte (Algier, 17.2.2026)

Herrscht nun politisch-diplomatisches Tauwetter? Die nächsten Monate werden es konkret belegen müssen. Derzeit scheint es aber tatsächlich zumindest eine leichte Aufhellung in den bilateralen Beziehungen zwischen Paris und Algier zu geben, die vorläufig darin kulminierte, dass der französische Innenminister Laurent Nuñez – nachdem er am Vortag mit seinem Amtskollegen Saïd Sayoud in dem berühmten Hotel El Aurassi zusammengetroffen war – am Dienstag auch durch den algerischen Staatspräsidenten Abdelmadjid Tebboune im Präsidialpalast von El Mouradia empfangen wurde.

Die beiden Herren konferierten zwei Stunden lang. Im Anschluss formulierte Nuñez den Wunsch, im Verhältnis zwischen Frankreich eine Kooperation in den Bereichen der Sicherheitspolitik und sogenannter Migrationskontrolle »auf sehr hohem Niveau weiterzuführen«. Am Dienstag abend flog er mit diesem Wunsch, nach zweitägigem Aufenthalt südlich des Mittelmeers, nach Paris zurück.

Einen Tag vor ihm war ein anderer staatlicher Repräsentant bei Tebboune zu Gast: der seit einem Putsch im Juli 2023 an die Macht gekommene Armeegeneral und jetzige Interimspräsident der Republik Niger, Abdourahamane Tchiani. Dessen Generalstabschef hatte am Mittwoch voriger Woche angekündigt, man bereite sich auf die Möglichkeit eines Krieges mit Frankreich – der früheren Kolonialmacht in Niamey wie in Algier – vor. Das Land wirft Frankreich sowie seinen mit Paris verbündeten Nachbarn Côte d’Ivoire und Benin vor, hinter einer schweren Attacke in der Nacht vom 28. zum 29. Januar auf den Flughafen von Niamey zu stecken. Dieser war allerdings vom »Islamischen Staat im Sahel«, dem regionalen Ableger des IS, verübt worden – er publizierte am 2. Februar ein Bekennervideo dazu, mit Szenen aus den Kämpfen auf dem Flughafengelände.

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Insofern haben die beiden Besuche, der des Franzosen in Algier und der Tschianis – er war am Sonntag dort eingetroffen – unterschiedliche symbolische Aussagekraft. Möglicherweise suchte die algerische Staatsführung auch bewusst einen außenpolitischen Balanceakt. Während es in der algerischen Politik phasenweise zum guten Ton gehört, die ehemalige Kolonialmacht verbal zu attackieren, erklärte Tebboune anlässlich eines Fernsehauftritts am 7. Februar, er wolle dezidiert keinerlei Äußerungen zu Frankreich abgeben. Beobachter wie die Webseite TSA (Tout sur l’Algérie) gehen davon aus, dass der Besuch der französischen Sozialdemokratin Ségolène Royal – theoretisch eine Oppositionspolitikerin, welche aber mehrfach ein Bein im Regierungslager unter Emmanuel Macron hatte – vom 26. bis 30. Januar, wo sie als Vermittlerin auftrat, die Wogen geglättet hat. Auch wenn französische Rechtspolitiker sie dafür heftig attackiert hatten.

Beide Seiten haben ein Interesse daran, jedenfalls auf der Ebene der Sicherheitsapparate wieder verstärkt zusammenzuarbeiten, da beide sich von der intensiven Aktivität dschihadistischer Kräfte in der südlich an Algerien angrenzenden Sahelzone – die dort amtierenden Militärregierungen, die einen Partnerwechsel von Frankreich in Richtung Russland vollzogen, konnten diese bislang nicht besiegen – betroffen und potentiell bedroht fühlen.

Die bilateralen Beziehungen gerieten in ihre schwerste Krise seit der Unabhängigkeit Algeriens im Jahr 1962, nachdem Frankreichs Emmanuel Macron sich am 30. Juli 2024 im Westsaharakonflikt dezidiert auf die Seite des offiziellen Marokko geschlagen hatte. Einen knappen Monat später wurden die Olympischen Spiele in Paris eröffnet, und die Franzosen mussten feststellen, dass dieses Mal kein einziger Hinweis etwa auf dschihadistische Pläne aus Algier kam. Und wurden zuvor pro Monat circa sechzig algerische Staatsbürger, die aus Frankreich abgeschoben wurden, über die Häfen und Flughäfen in Algerien aufgenommen, war es seit April 2025 kein einziger mehr.

Beide Seiten scheinen dies ändern zu wollen – ob nun immer zum Wohle ihrer Staatsangehörigen oder nicht. Nuñez war bei seinem Besuch vor allem von den Spitzen der französischen Polizei und Gendarmerie, Hubert Bonneau und Virginie Brunner, sowie des Inlandsgeheimdiensts DGSI begleitet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 7, Ausland

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