Algerien und Niger kooperieren wieder
Von Sabine Kebir
Neoimperialistische Einmischung durch internationale Organisationen, vor allem aber von seiten der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, sei die Ursache für die erhebliche Abkühlung der traditionell freundschaftlichen Beziehungen ihrer beider Länder gewesen. Das stellte der Interimspräsident Nigers, Generalleutnant Abdourahamane Tchiani, bei seinem Staatsbesuch in Algier am Montag und Dienstag fest. Die Erfahrungen, die man in der vorherigen jahrzehntelangen Partnerschaft gemacht habe, hätten indes bewiesen, dass von Algeriens Territorium niemals Feindseligkeiten gegen dessen Nachbarn ausgegangen seien. Das habe sich insbesondere auch nach dem 26. Juli 2023 gezeigt, als die von Frankreich gegängelte Regierung Nigers durch einen Armeeputsch entmachtet worden war. Dasselbe war in Mali und Burkina Faso geschehen. Von Boykotten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bedroht, schlossen sich die drei Länder zur »Sahelallianz« (AES) zusammen und verfolgten einen antiimperialistischen Kurs. Dass sie unter fadenscheinigen Begründungen Anfang 2024 die Beziehungen mit Algerien abbrachen, das doch ihr wichtigster politischer und ökonomischer regionaler Partner gewesen war, lässt sich nur mit mangelnder politischer Erfahrung der an die Macht gekommenen Militärs erklären.
Die Abschlusskommuniqués Tchianis und des algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune fassen eine umfangreiche Liste gemeinsamer Projekte zusammen, die während der Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen auf Eis gelegen hatten, nun aber schnell in Angriff genommen werden sollen. Sofort nach dem Ende des bevorstehenden Fastenmonats Ramadan soll die schon seit 15 Jahren technisch geplante und auf algerischer Seite bereits fertiggestellte Transsaharagasleitung auf nigrischem Territorium weitergebaut werden. Die 4.000 Kilometer lange Pipeline wird künftig Erdgas von Nigeria über Niger und Algerien bis nach Europa transportieren. Sie kann als innerafrikanisches Strukturprojekt nicht hoch genug eingeschätzt werden. Von ähnlicher Bedeutung sind die ebenfalls vereinbarte Fortführung der transsaharischen Autobahn nach Niger und der Bau einer Eisenbahnlinie. Diese Verkehrsprojekte werden auch Niger helfen, seine Rohstoffe günstig zu exportieren, bei deren geologischer Erschließung Algerien ebenfalls Unterstützung zugesichert hat.
Da es nach wie vor eine starke Migrationsbewegung von Niger nach Algerien gibt, ist es wichtig, dass diese transnationalen Großprojekte nicht an den lokalen Bevölkerungen vorbei gebaut werden. Deshalb wurden auch eine Unterstützung kleinerer Wirtschaftsprojekte und zollfreier Warenaustausch in den Grenzregionen vereinbart. Aufgrund seiner mittlerweile großen technologischen Erfahrung bietet Algerien Niger Zusammenarbeit bei der Erschließung von Sonnenenergie an, mit der sich auch im Nachbarland saharische Landwirtschaft entfalten kann. Kooperation soll es auf verschiedenen medizinischen Gebieten geben: Algerien wird ein Nierenzentrum errichten und Anlagen zur Blutreinigung liefern. Und nicht zuletzt sollen die Finanzsysteme koordiniert werden, bei Berufsausbildung, Kultur und Sport will man intensiver zusammenarbeiten.
Ein außerordentlich wichtiger Aspekt betrifft das künftige Zusammenwirken bei der Bekämpfung dschihadistischer und anderer bewaffneter Gruppen, von denen Niger nach wie vor stark bedrängt wird, sowie bei der Eindämmung transnationaler Kriminalität. Auf beiden Gebieten verfügt Algerien über langjährige Erfahrungen. Der nigrische Präsident hob hervor, dass sowohl für die wirtschaftliche als auch für die sicherheitstechnische Kooperation innerafrikanische Lösungen bevorzugt werden müssen, die auf den Prinzipien der Nichteinmischung und der gegenseitigen Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beruhen sowie auf dem internationalen Recht. Der Sahel müsse durch niemand anderen als die dort lebenden Völker entwickelt werden. Mit dieser Zielsetzung reiste zudem am 13. Februar eine hochrangige algerische Delegation nach Burkina Faso. Auch zu diesem AES-Staat gibt es also eine Wiederannäherung.
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