Kiew gibt Nachhilfe
Von Philip Tassev
Die BRD-Regierung will ihre Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee der EU machen. Und wer könnte die aus der Übung geratenen Soldaten besser im Russenschlachten unterweisen, als die Truppe, die darin bald zwölf Jahre Erfahrung hat? Kiew entsendet Ausbilder in die BRD, um Bundeswehr-Soldaten an der Kampferfahrung teilhaben zu lassen, die ukrainische Soldaten seit 2014 insbesondere auf den Schlachtfeldern des Donbass gesammelt haben. Ein entsprechendes Abkommen zwischen dem deutschen und ukrainischen Verteidigungsministerium sei bereits am vergangenen Freitag unterzeichnet worden, bestätigte ein Sprecher des Heeres am Montag abend gegenüber dpa. Es sei geplant, »vor allem an den Truppenschulen des Heeres die Erfahrungen ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in die Ausbildung im Heer einfließen zu lassen«. Weitere Einzelheiten wollte er allerdings nicht mitteilen.
Einen Hinweis darauf, warum Ukrainer nun der Bundeswehr Nachhilfe geben sollen, gab Ende vergangener Woche das Wall Street Journal mit einem Bericht über den Ausgang des NATO-Manövers »Hedgehog« im Mai 2025. Mehr als 15.000 NATO-Soldaten trainierten dabei in Estland unter Bedingungen, die der Realität des Ukraine-Krieges nachempfunden waren. Als »Gegner« agierten in der Übung einige ukrainische Drohnenpiloten. Die schalteten angeblich in gerade mal einem halben Tag über ein Dutzend Panzerfahrzeuge aus, weil sich die NATO-Truppen ohne jede Tarnung über das Gefechtsfeld bewegt haben sollen. Laut einer vom WSJ zitierten ukrainischen »Expertin« hätten viele NATO-Armeen ein »grundlegend falsches Verständnis des modernen Schlachtfelds«. Ihre Soldaten würden »basierend auf Doktrinen und Handbüchern trainiert, die nicht an die heutigen Realitäten angepasst sind«.
Wer nun aber keine Lust hat, sich im Fall einer Wiedereinführung der Wehrpflicht von Kiews Faschistentruppe anpassen zu lassen und glaubt, mit einer Verweigerung der »Kriegsertüchtigung« zu entkommen, hat die Rechnung ohne Karin Prien gemacht. Die CDU-Bildungsministerin »hat bereits andere Pläne für einen Dienst an der Gesellschaft«, wie sie der Rheinischen Post vom Montag erklärte. Zwar gebe es keinen Zivildienst ohne Wehrpflicht, »trotzdem können wir uns aber schon darauf vorbereiten«. Priens Plan ist offenbar, Kriegsdienstverweigerer zum Dienst an der »Heimatfront« zu verpflichten, wenn sie sich schon nicht als Kanonenfutter hergeben wollen. Wie sie dem Blatt sagte, könne sie sich vorstellen, bei bestimmten Freiwilligendiensten auch mit »dem Handwerk« zu kooperieren: »Es wäre sicher hilfreich, handwerkliche Fähigkeiten, die im Zivil- und Katastrophenschutz gebraucht werden, im Rahmen der Freiwilligendienste zu fördern«. Es geht der Bildungs- und Familienministerin nach eigener Aussage darum, »die Bereitschaft der Menschen in Deutschland zu wecken, sich für dieses Land und seine Sicherheit zu engagieren«.
Die zentrale Frage dabei sei: »Was kann ich für mein Land tun?« Prien fordert daher auch den verstärkten Einsatz von »Jugendoffizieren« in den Klassenzimmern. Es sei »richtig und wichtig, dass Jugendoffiziere der Bundeswehr auch in die Schulen gehen, um mit ihrer Expertise über die geopolitische und sicherheitspolitische Lage zu informieren und zu unterrichten«. Zudem würde der Jugend seit dem Aussetzen der Wehrpflicht »der Impuls« fehlen, »sich überhaupt mit der Frage zu beschäftigen, ob man das Notwendige für sein Land in dieser Weltlage tun würde«. Das könnten zwar auch die »Jugendoffiziere« nicht alleine richten, »aber ich sehe schon, dass wir als Gesamtgesellschaft diese Diskussion mit den jungen Menschen im wehrfähigen Alter führen sollten«. Die jungen Leute »im wehrfähigen Alter« werden darauf am 5. März antworten, wenn der nächste bundesweite Schulstreik gegen die drohende Wehrpflicht geplant ist.
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