Thüringer Spuren
Von Felix Bartels
Wenn Doktor Axel Stoll das wüsste. Nein, die Sonne ist nicht kalt, und die Erde kein Strafplanet. Reptilien kommen nicht von Alpha Centauri, sie sind Ureinwohner unserer Welt. Und zwar die älteren. Die ersten von ihnen haben sich vor etwa 300 Millionen Jahren aus Amphibien entwickelt, Säugetiere entstanden erst im Zeitalter der Trias, vor etwa 200 Millionen Jahren. Entwickelt aus Synapsiden, die man mittlerweile nicht mehr zu den Reptilien zählt. Was hier vernachlässigt werden kann, Säugetier und Reptil folgen als Begriffe ohnehin nicht derselben Taxonomie.
Was die Paläontologen ja nicht stören muss. Sie spüren Vergangen-Vorhandenes auf. So auch in Thüringen nun, wo Forscher Abdrücke von Schuppen eines Reptils gefunden haben, die nach Untersuchung als die ältesten bekannten gelten müssen. Etwa 299 Millionen Jahre alt sei das Tier, das den fossilen Abdruck verursacht hat. Bis zu diesem Fund hatten die frühesten Fossilien ein Alter von 286 bis 289 Millionen Jahren: Hautstücke, die in den USA gefunden wurden, und ein Liegeabdruck eines Dimetrodon, den man 2025 in Thüringen entdeckt hat. Eben dort spürten Paläontologen nun einen weiteren Fund auf, der noch einmal zehn Millionen Jahre älter ist.
Ort der Entdeckung: das Goldlauter-Gelände, eine geologische Formation im Thüringer Wald, die schon länger für ihre fossilen Fundstellen bekannt ist. Der aktuelle Fund soll aus dem späten Karbonzeitalter stammen, etwa 298 bis 299 Millionen Jahre alt sein also. Gemeldet hat ihn eine Forschungsgruppe um Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde in Berlin. Dabei handelt es sich um versteinerte Liegespuren und Fußabdrücke eines eidechsengroßen Reptils, dem die Forscher den Namen »Cabarzichnus pulchrus« gaben. Die Abdrücke geben Aufschluss über Rumpf, einen dreieckigen Kopf, Schwanz und seitlich liegende Beine des Tiers.
Der Fund hat beachtliche Qualität, denn im fossilen Schlamm ist die Hautstruktur des Reptils gut erhalten geblieben. In den Abdrücken von Rumpf, Beinen und Unterseite des Schwanzes sind eckige Schuppen zu erkennen, in dicht geordneten Reihen. »Sie zeigen damit eine ähnliche Morphologie und Anordnung wie die Epidermisschuppen moderner Reptilien«, berichten Marchetti und seine Kollegen. Die Epidermis-Schuppen von »Cabarzichnus pulchrus« markieren somit »den ältesten definitiven Nachweis solcher Hautstrukturen bei einem frühen Reptil«.
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