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Aus: Ausgabe vom 16.02.2026, Seite 16 / Sport
Schnee

Versieren

Von Jürgen Roth
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She don’t lie, she don’t lie, she don’t lie: Stephanie Müller-Spirra strahlt all die Stunden, die sie im Studio moderierend verbringen darf, wie intoxikiert und nudelt Sätze aus sich heraus, die den Eindruck bestätigen: »Olympia ist natürlich ganz, ganz viele Menschen, die extra nach Italien fahren.« – »Die Abstände sind schon ziemlich da.« – »Ein bisschen unser heutiger Hot-Take ist« irgendein Biathlonquark, hab’ die Details vergessen.

In dieser Kolumne obwaltet Geschlechtergerechtigkeit, und der für ebenjenen Skischießunfug an der Strecke eingeteilte Kasper Michael Antwerpes knüpft »mit ein paar Tief-Facts« an Müller-Spirra an (wer hat den Troglodyten diese Sprache beigebogen?), die ob ihrer Nichtigkeit augenblicklich aus dem Gedächtnis plumpsen. Ein überwältigender Deep-Fact allerdings ist, dass er und der ihm zugeordnete Experte Erik Lesser die gleichen lächerlichen, geschmacklosen, klobigen Brillen mit durchsichtigen Gestellen tragen, diese Blödmänner.

Welch sympathische, kultivierte Kerle sind hingegen der ehemalige Rodelolympiasieger Johannes Ludwig und die Meister der Winkel-, Rotations- und Geschwindigkeitsberechnung, was die Curlingkommentatoren der ARD selbstverständlich versaubeutelnd wieder wettmachen. Marc Drumm redet von einem »kleinen Diskussionsfrühstücksplausch«, von »Tröten«, die »an den Händen zusammengehen, um zu applaudieren«, von einem Spieler, der was »auf die sportliche Speisekarte gebracht hat«, und die Genossin Sabrina Bramowski schafft es, die zwei schlimmsten Lexeme der Gegenwartssprache, »absolut« und »definitiv«, in eine kurze Periode zu packen: »Ja, definitiv, ich bin jetzt schon absolut gespannt.«

Aber wir haben ja auch noch das Maskottchen des beharrlichen Niedergangs, den Hannawald-Sven. Am Sonnabend wähnte ich mich angesichts seiner sprudelnden Ausführungen in einem Monolog von Heino Jaeger. Dem Unaushaltbaren mögen die gebeutelten Leser nun neuerlich Gehör schenken: »Du musst dich eher auf das versieren.« – »Hier ist es noch mal mehr kontraproduktiv«, »dass sie sich darauf versieren«. – »Das ist jetzt dieses Versieren auf die Dinge, die ihn ausmachen müssen«, und das ist »das Credo, das du hier bringen musst«. – »Das heißt jetzt nicht, dass er die Ski totmacht.« – »Der Ski sollte schon irgendwo da sein, bevor alles da ist«, und –

– ich breche ab; und verspreche Ihnen eine weitere Lieferung im Dienste der Sprachgeschichtsschreibung.

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