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Aus: Ausgabe vom 13.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Berlinale

Ehrenbär für Michelle Yeoh

Von Marc Hairapetian
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Michelle Yeoh in »Crouching Tiger, Hidden Dragon« (Ang Lee, 2000)

In Ang Lees »Tiger und Dragon« (2000), einer großen Verbeugung vor den klassischen Wuxia-Filmen eines King Hu (»Die Herberge zum Drachentor«, 1967; »Ein Hauch von Zen«, 1971), kann der Schwertmeister Li Mu Bai (Chow Yun Fat) zwar die heimtückische Verbrecherin Jadefuchs (Cheng Pei Pei) töten, wird aber kurz zuvor von ihr noch mit einer vergifteten Nadel getroffen. Seine Freundin Yu Xiu Lian (­Michelle Yeoh), selbst eine große Kämpferin, beschwört ihn, den letzten Atem zu nutzen, um die Erleuchtung zu erlangen und ihn nicht an sie zu »verschwenden«. Doch Li Mu Bai sieht es anders: »Ich sage dir mit meinem letzten Atemzug: Ich liebe dich seit jeher mit ganzem Herzen.« Mit diesen Worten sinkt er tot zu Boden.

Michelle Yeoh und Chow Yun Fat spielen diesen endgültigen Abschied ohne einen Anflug von Sentimentalität, dafür mit geradezu aristokratischer Anmut, begeistern aber auch in den Martial-Arts-Sequenzen. Michelle Yeoh steht bei allen (Film-)Kämpfen fast immer ihre Frau. Sie führt zwar nicht alle Stunts selber aus, wohl aber die anspruchsvollsten, darunter der Sprung durch eine Glasscheibe mit dem Kopf, während sie gleichzeitig zwei Schurken bekämpft in »Ultra Force 2« (aka »Yes, Madam« 1985).

Sie ist der Stolz der chinesischen Filmindustrie, dabei war sie 1983 zunächst noch Miss Malaysia. Geboren wurde sie am 6. August 1962 in Ipoh. Durch ihre Wandlungsfähigkeit hat sie es relativ spät doch noch zum Weltstar geschafft: Ihre Darstellung der Waschsalonbesitzerin Evelyn Wang in der Science-Fiction-Komödie »Everything Everywhere All at Once« brachte ihr hervorragende Kritiken und zahlreiche Preise ein, darunter 2023 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Damit ist sie die erste Schauspielerin asiatischer Abstammung, die in dieser Kategorie prämiert wurde. Im Interview verrät Michelle Yeoh aber: »Das Beste ist, dass ich inzwischen auch Drehbücher vorgeschlagen bekomme, in denen die Figur nicht als chinesisch aussehende Person beschrieben wird.«

2026 geht es mit den Auszeichnungen weiter: Am 18. Februar wird Michelle Yeoh in Hollywood auf dem »Walk of Fame« vor dem TCL Chinese Theatre mit einer Sternenplakette verewigt. Vorher allerdings erhielt sie am Donnerstag in Berlin bei der Eröffnungszeremonie der 76. Internationalen Filmfestspiele den Goldenen Ehrenbären.

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