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Aus: Ausgabe vom 12.02.2026, Seite 11 / Feuilleton
KIno

Flugzeuge am Himmel

Irakischer Alltag im Zweiten Golfkrieg: Hasan Hadi preisgekrönter Debütfilm »Ein Kuchen für den Präsidenten«
Von Mathias Dehne
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Die letzten Tage der Idolatrie

Für seinen Debütfilm »Ein Kuchen für den Präsidenten« hat der irakische Regisseur und Drehbuchautor Hasan Hadi vollständig auf Laiendarsteller zurückgegriffen. So bietet der Film einen intimen Einblick in die Ära von Saddam Husseins baathistischem Irak zur Zeit des Zweiten Golfkriegs. Im August 1990 annektierte der Irak Kuwait. Bereits vier Tage nach der Invasion brachte der UN-Sicherheitsrat ein umfassendes Sanktionspaket auf den Weg, das den Import von Waren aus dem Irak und Kuwait verbot und den Verkauf von Waren an den Irak untersagte. Im Januar 1991 mischte sich die antiirakische Koalition, angeführt von den USA, ein. In diesem zeithistorischen Kontext rückt Hadi die Zivilbevölkerung in den Vordergrund – ein ­Perspektivwechsel gegenüber den gängigen Darstellungen mit ihrem Fokus auf militärische Handlungen.

Zur Handlung: Saddam Husseins bevorstehender Geburtstag soll landesweit gefeiert werden. Die neunjährige Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) wird in ihrer Schulklasse ausgewählt, zu Ehren des Präsidenten einen »saftigen Kuchen« zu backen. Musa (Ahmad Qasem Saywan), der zugleich Lamias Klassenlehrer und linientreuer Soldat ist, besteht darauf. Eine unmögliche Aufgabe für die Neunjährige, die ihre Eltern verloren hat und in Armut bei ihrer Großmutter (Waheed Thabet Khreibat) in einer Schilfhütte (einem »Mudhif«) lebt. Die Szenerie um Schilfhütten und Wasserstraßen erinnert an die Marschlandschaften des Südiraks – eine bewusste Reminiszenz an Hadis Heimat.

Auf der Suche nach Zutaten für den Kuchen entfaltet sich das Drama des Films. Lamia fährt mit ihrer Großmutter in die nächstgrößere Stadt, stets begleitet von ihrem Hahn Hindi. Die Großmutter hat jedoch nicht nur ihre Arbeit verloren, sondern auch Hoffnung und Lebensmut. Wegen des allgegenwärtigen Mangels versucht sie, Lamia bei einer befreundeten Familie unterzubringen. Sobald das Mädchen das bemerkt, reißt sie aus und sucht Hilfe bei ihrem Schulfreund Saaed (Sajad Mohamad Qasem), der seinem kriegsinvaliden Vater beim Betteln und Stehlen hilft.

Gemeinsam ziehen Lamia und Saaed auf Zutaten- und Spurensuche durch die Metropole, in der die Menschen versuchen, aus allem Kapital zu schlagen. Menschen, die versuchen, die Not von Frauen und Kindern sexuell auszunutzen. Erwachsene, die Kinder bestehlen. Und mittendrin das Kinderpaar, das trickreich versucht, die Kuchenzutaten aufzutreiben.

Währenddessen sucht die Großmutter Hilfe auf einer Polizeistation. Die Beamten geben vor, erst nach einigen Tagen tätig werden zu können. Statt dessen kommt ihr der Postbote Jasim (Rahim AlHaj) zu Hilfe, mit dem die beiden Kinder noch am Vormittag per Anhalter in die Stadt gefahren waren. Doch der Gesundheitszustand der Großmutter ist schlecht. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert, in dem aber das für ihre Behandlung notwendige Antibiotikum nicht verfügbar ist. Unterdessen haben sich Lamia und Saaed zerstritten. Saaed ist schuld daran, dass der Hahn entlaufen ist, was wiederum Lamia zu einer weiteren schicksalhaften Begegnung führt. Auch sie landet auf dem Polizeirevier. Die Zusammenführung mit ihrer Großmutter gelingt allerdings nicht mehr, diese ist in der Klinik verstorben. Der Film endet im Kriegschaos. Zwar schmeckt dem Lehrer Musa, inzwischen in Soldatenuniform, der saftige Kuchen, aber er kann nur noch ein paar Bissen genießen. US-amerikanische Kampfjets, die schon während der gesamten Zeit der Filmhandlung bedrohlich am Himmel zu sehen sind, bombardieren die Schule.

»Ein Kuchen für den ­Präsidenten«, Regie: Hasan Hadi, Irak/Katar/USA 2025, 105 Min., bereits angelaufen

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (11. Februar 2026 um 21:55 Uhr)
    Die Filmrezension ist etwas dürftig, denn es handelt sich hier um einen großartigen Film! Wurde in Cannes mit der goldenen Kamera ausgezeichnet. Der Film spielt mehrheitlich im Süden des Irak (südlich von Basra), in den mesopotamischen »Sümpfen«, welche vielen nicht bekannt sind. In diesen Feuchtgebieten, die vom Tigris und Euphrat gebildet werden, bewegen sich noch heute die Menschen in traditionellen Kanus (meshouf). Pikant: Eine Szene des Filmes zeigt Lamias Oma in »Saddams Restaurant«, welches Hussein offensichtlich in seiner Jugend frequentiert hat. Hasan Hadi hat ein eindrückliches, einfühlsames Drama geschaffen; ein »must see«, wie es im Angelsächsischen heißt.

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