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Aus: Ausgabe vom 16.02.2026, Seite 11 / Feuilleton
Kunstlandschaft

Eau de Vienne

Arbeit am Accessoire: André Hellers »Natur- und Kunstoase« am Wiener Mühlschüttel
Von Barbara Eder
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Arbeit als Kunststück: André Hellers »Wasserwächterin«

Jenseits der Donau sehen Grünraumflächen anders aus als im Herzen von Schönbrunn. Im ehemaligen Überschwemmungsgebiet ließ zuletzt eine internationale Aktiengesellschaft eine solche anlegen. Im Vorfeld präsentiert wurde das Projekt als »Partnerschaft« von Stadt Wien, Bank Austria und André Heller. Dort, wo zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Lovara-Familien ihre Zelte aufschlugen und Wohnungslose in ufernahen Böschungen hausten, steht sie nun: die von Heller kuratierte »Natur- und Kunstoase«.

Seit Oktober 2025 verteilen sich 14 mit QR-Codes versehene Kunstwerke internationaler Provenienz auf einem Areal von rund 28.000 Quadratmetern. Über den Umweg elektronischer Beipackzettel erklären sie sich auch gleich von selbst. Einer ihrer Gestalter, so entnimmt man einem solchen, sei »kein blinder König«, sondern ein Künstler, der »mit Pinselspitzen Sehnsucht, Hoffnung und Achtsamkeit« herbeizaubere. Dazu zählt es offenbar auch, »Enten, Gänse, Akrobaten und das Meer in den Gerichtssaal« zu rufen – solange, bis diese des Künstlers Ruf folgen.

Man hört es förmlich: das Donnern der Bedeutung. Hier kann Kunst, as Hell(er) can. Der Universalkünstler und Industriellensohn aus Wien hat neben Büchern und Liedern bislang auch einige feuerbrünstige Kolonialshows und gartenförmige Erlebniswelten realisiert. Eine weitere entsteht derzeit im Südtiroler Luftkurort Brixen unter lautstarken Protesten. In Wien-Floridsdorf konnte Heller die auf dem Weg nach innen eingesammelten Objekte widerstandslos in den Bank-Austria-Park stellen. Tibetische Gebetsfahnen, die »ihre Energie an den Wind« übertragen, tanzen dort »im Rhythmus der Luft«, in ihren Mitten: eine Hohepriesterin in Kastanienschalenkostüm.

André Heller zeigt uns, wie schön die Welt sein kann, wenn wir sie durch seine Augen betrachten. Arbeit erscheint in ihr als Kunststück – vorausgesetzt, es gibt sie noch. Bevor Heller sich Klang- und Windspielen zuwandte, durfte er andere bei ihrem Verrichten beobachten. »Die Alte Donau war der Schwimmplatz unserer fabelhaften Köchin Gretl. Ich empfand dort das meiste als staunen machenden Gegenentwurf zum Stil in Hietzing, wo wir wohnten«, bekundete Heller im Juli 2025 gegenüber dem Businessmagazin Trend. Exotischer kann es kaum werden: »Das Buffet im Arbeiterstrandbad hatte noch, im Unterschied zum Schönbrunner Bad, ein Angebot von Pferdeleberkäs und erfrischendem Privoznik-Kracherl.« Die Düsen von Hellers »Wasserwächterin« verströmen derzeit nichts von diesem Duft. Vielleicht wird man ihr Parfum schon im nächsten Sommer als »Eau de Vienne« verkaufen.

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