Ankara zeigt Präsenz
Von Knut Mellenthin
Am Mittwoch hat ein Einsatz türkischer Kriegsschiffe vor Somalia begonnen, der die immer intensiver werdende militärische Zusammenarbeit beider Länder und den zunehmenden Einfluss Ankaras in Nordostafrika zeigen soll. Die Gruppe besteht aus zwei Fregatten und einem amphibischen Landungsschiff. Ihre Ankunft in somalischen Gewässern ist mit dem Besuch einer Delegation höherer Offiziere der türkischen Marine unter Leitung von deren stellvertretendem Chef, Vizeadmiral Mustafa Kaya, verbunden. Die Gruppe traf am Dienstag und Mittwoch in Mogadischu mit Verteidigungsminister Omar Abdi Ali und dem Kommandeur der Somalischen Nationalarmee, Generalmajor Ibrahim Mohammed Mahmoud, zusammen, der von weiteren hochrangigen Militärs der somalischen Marine und Küstenwache begleitet wurde.
Den offiziellen Berichten zufolge ging es in den Diskussionen um die Unterstützung der Türkei bei der »Reform«, Stärkung und Modernisierung der somalischen Marine zur Sicherung der Territorialgewässer gegen »Bedrohungen wie Seeräuberei, illegalen Fischfang, Schmuggel und Terrorismus«. Konkret sei über die Erweiterung »gemeinsamer Ausbildungsanstrengungen, technische Unterstützung und strategische Planung« gesprochen worden. Während ihres Aufenthalts wird die türkische Delegation auch mit Vertretern verschiedener Bereiche der somalischen Streitkräfte zusammentreffen. Anfang des Monats war bereits gemeldet worden, dass auch drei türkische Kampfjets vom Typ »F-16« nach Somalia entsandt wurden.
Offiziell ist das Gastspiel der türkischen Marinegruppe als Maßnahme zum Schutz und zur logistischen Versorgung von Erdölexplorationen eines türkischen Bohrschiffs deklariert. Zu diesem Zweck oder unter diesem Vorwand werden die drei Kriegsschiffe bis zum 25. Februar in der Region bleiben und außer in den somalischen Territorialgewässern laut Planung auch im Golf von Aden und im Arabischen Meer »operieren«. In dieser Zeit sollen sie außerdem die Koordination mit dem Somalisch-Türkischen Taskforce-Kommando (Turksom) in Mogadischu, dem größten Auslandsstützpunkt der Türkei, erproben. Er wurde 2017 in Betrieb genommen; von dort aus wird die Ausbildung und Ausrüstung der somalischen Streitkräfte organisiert.
Der gegenwärtigen »Mission« der drei Kriegsschiffe war am 11. Januar die Verlängerung des Einsatzes der Marine in der Region durch das türkische Parlament um ein weiteres Jahr vorausgegangen. Sie trat am Dienstag in Kraft. Auf dem Weg nach Mogadischu hatten die Schiffe am 6. und 7. Februar einen Zwischenstopp für einen Besuch in der früheren französischen Kolonie Dschibuti eingelegt.
Die »strategische Partnerschaft« zwischen der Türkei und Somalia reicht mehrere Jahrzehnte zurück und wird seit 2006 systematisch verstärkt. Sie beinhaltet neben sogenannter Militärhilfe, die man auch als türkische Patenschaft und Patronage über die somalischen Streitkräfte bezeichnen könnte, die türkische Beteiligung an der Finanzierung, Steuerung und Verwaltung von Infrastrukturobjekten wie dem Hafen und dem internationalen Flughafen von Mogadischu. Die Rolle türkischer Firmen an der Erkundung und Ausbeutung somalischer Erdöl- und Erdgasvorkommen sollte man hingegen nicht überschätzen. 35 Jahre nachdem das militärische Eingreifen der USA und anschließend der UNO in Somalia von mehreren Seiten als Jagd nach dem Erdöl interpretiert wurde, gibt es dort immer noch keine relevante Förderung. Hinzu kommt, dass der rechtliche Status der Vorkommen sowohl innenpolitisch gegenüber den sich als autonom erklärenden Bundesstaaten Jubaland und Puntland als auch gegenüber dem Nachbarland Kenia umstritten ist.
Dass die gegenwärtig zu beobachtende Intensivierung der »strategischen Zusammenarbeit« zwischen Ankara und Mogadischu als Teil einer geopolitischen Verschiebung verstanden werden muss, zeigt die am Montag erfolgte Unterzeichnung eines Verteidigungsabkommens zwischen Somalia und Saudi-Arabien. Teil dieses Bündnisses, das vor allem den Einfluss der Vereinigten Arabischen Emirate begrenzen und zurückdrängen soll, ist auch Ägypten. Zum Bild gehört, dass die Türkei am 6. Februar ein Waffengeschäft mit Kairo abgeschlossen hat, dessen Wert auf 350 Millionen Dollar berechnet wird.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Feisal Omar/REUTERS14.08.2025Souveränität ade
Adrian Portugal/REUTERS30.08.2024Schiffe versenken
Feisal Omar/REUTERS01.08.2024Ankara nimmt Kurs auf Somalia
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 12.02.2026 -
Warum warnen Sie vor dem EU-Sondergipfel?
vom 12.02.2026 -
Zu wenig, zu spät
vom 12.02.2026 -
Neue Protestwelle in Albanien
vom 12.02.2026 -
Friedenstruppe muss gehen
vom 12.02.2026 -
Terror gegen Schiiten in Pakistan
vom 12.02.2026
