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Aus: Ausgabe vom 09.02.2026, Seite 16 / Sport
Sportpolitik

Freiwillige Leistungen

Reicht hinten und vorne nicht: Das Bundesprogramm »Sanierung kommunaler Sportstätten«
Von Andreas Müller
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Dies ist ein Freibad in Kehl, das geschlossen werden musste

Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte: Wie sehr der Sanierungsbedarf bei Sportstätten die Kommunen belastet, zeigte Mitte Januar eine Mitteilung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Sie dokumentiert, dass durch den im Oktober 2025 erfolgten Aufruf für Bewerbungen um Fördermittel aus dem Bundesprogramm »Sanierung kommunaler Sportstätten« inzwischen beunruhigende Fakten ans Licht gekommen sind. Die Gesamtfördersumme aller bisher eingegangenen 3.600 Anträge und Interessensbekundungen würde sich auf über 7,5 Milliarden Euro belaufen. Die erste Tranche des Bundesprogramms umfasst bloß 333 Millionen Euro. Das 22fache wäre nötig.

Das einzige Förderprogramm zur Sanierung von Sportstätten reicht demnach bei weitem nicht, die vorhandenen Mängel zu beheben. Hier zeigen sich die Versäumnisse einer vorgeblich großen Sportnation. Wegen der Sportstättenmisere stehen aus dem Bundeshaushalt für 2026 – aus Mitteln des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität – weitere 333 Millionen Euro bereit sowie zusätzliche 250 Millionen Euro speziell für die Sanierung von Schwimmstätten. Für Bewerbungen um das Geld aus dieser zweiten Tranche würden im Laufe dieses Jahres zwei weitere »Projektaufrufe« erfolgen, der erste im Frühjahr, heißt es aus dem Bauministerium.

Schon jetzt dürfte klar sein: Das Ergebnis wird sehr wahrscheinlich dasselbe sein. Gemeinden und Kommunen werden ihren Bedarf weiterhin in einer Größenordnung anmelden, die das Budget dieses Bundesprogramms bei weitem übersteigt. Allein im niedersächsischen Landkreis Stade westlich von Hamburg ist die Not so groß, dass in der ersten Bewerbungsrunde gleich elf Anträge eingereicht wurden, um Fördergeld zur Instandsetzung von Turnhallen, Sportplätzen und Schwimmbädern zu erhalten.

»Die große Nachfrage zeigt, dass viele Kommunen ihre Sportstätten fit für die Zukunft machen wollen und die Herausforderungen anpacken«, erklärte Sabine Poschmann (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bauministerium. »Mit unserem Bundesprogramm helfen wir den Kommunen dabei, den Sport zu stärken und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz zu tun.« Nach Prüfung und Bewertung der eingereichten Projektskizzen werde der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages »zeitnah« über die Auswahl der geförderten Projekte entscheiden. Sämtliche teilnehmenden Kommunen werden anschließend über das Ergebnis informiert.

Die allermeisten von ihnen dürften leer ausgehen und auf mehr Glück bei der »Verlosung« von Mitteln aus der zweiten Tranche hoffen – beziehungsweise vor allem darauf, dass endlich ein nationales Programm aufgelegt wird, das diesem gewaltigen Problem angemessen ist. Nach Schätzungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beträgt der »Sanierungsstau« bei den insgesamt 231.000 Sportstätten im Bundesgebiet über 30 Milliarden Euro. Nach der föderativen Gesetzeslage sind ausschließlich die Gemeinden und Kommunen für den Zustand der Sportstätten zuständig und mit dieser Aufgabe seit Jahren überfordert. Hilfen des Bundes auf diesem Gebiet sind – außer beim Spitzensport – nicht verpflichtend, sondern freiwillige Leistungen.

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