junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Donnerstag, 26. März 2026, Nr. 72
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 09.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
E-Autos in Kambodscha

E-Tuk-Tuks und Elektrobusse

Kambodscha verzeichnet starkes Wachstum bei E-Mobilität
Von Thomas Berger, Phnom Penh
Ladestation Siem Reap.jpg
E-Ladestation in Siem Reap

Nur langsam schiebt sich die Blechlawine voran, bis zur nächsten roten Ampel an dieser Kreuzung im Herzen von Phnom Penh. Auf ungewohnte Besucher mag das Bild chaotisch wirken. Minibusse, Autos, die dreirädrigen Tuk-Tuks indischer Produktion, die immerhin mit Erdgas statt Diesel fahren. Und jede Menge Mopeds sowie einige Tricycles, die traditionellen Motorradtaxis. Von Fahrspuren nichts zu spüren. Jeder in den etwas wendigeren Fahrzeugen versucht, sich für das erneute Umspringen auf Grün bestmöglich in Position zu bringen. Keine Frage, der Verkehr in Kambodschas Hauptstadt, vor einigen Jahren noch relativ entspannt, hat in jüngster Zeit erheblich zugenommen. Der private Pkw, früher für die meisten unerschwinglich, ist auch hier zum Statussymbol geworden – und es sind gerade die protzigen SUVs der Besserverdienenden, die dabei besonders auffallen.

Und noch etwas nimmt zu: Vergangenes Jahr sind landesweit erstmals mehr als 10.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb erfasst worden. Bereits im September 2025 – Zahlen für die kompletten zwölf Monate gibt es noch nicht – wies die amtliche Statistik insgesamt 10.568 Elektrofahrzeuge aus, darunter 7.187 Autos, 2.710 Motorräder und Mopeds sowie 671 E-Dreiräder (Tricycles und Tuk-Tuks). Bei den Zweirädern hat sich die Zahl binnen Jahresfrist verdoppelt, bei den Pkw nahezu verdreifacht, wie die Khmer Times betonte. Allein 5.000 Neuzulassungen für alle drei Kategorien gab es zum Zeitpunkt der Erhebung. 2021 waren es nur 63 Neuzulassungen im ganzen Jahr, 2023 waren es 604.

Dennoch geht die »Verkehrswende« offenbar nicht so schnell voran wie geplant. 2024 hatte die Regierung einen Aktionsplan verabschiedet, der bis 2030 landesweit 720.000 E-Motorräder und 30.000 E-Autos vorsieht, dazu 20.000 dreirädrige Fahrzeuge. Kambodscha gehört in der Umstellung zwar zu den »Spätzündern«, auch im regionalen Vergleich, will nun aber aufholen.

Am Hun-Sen-Boulevard, der mehrspurigen Ausfallstraße zwischen dem südlichen Stadtzentrum Phnom Penhs und dem erst im September in Betrieb genommenen neuen Hauptstadtflughafen Techo International Airport, hat sich der chinesische Autokonzern BYD schon einen prägnanten Platz für eine große Autohausniederlassung gesichert. Die lokale BYD-Produktion läuft gerade in der Küstenstadt Sihanoukville, einer Sonderwirtschaftszone, an. China ist der dominante Investor im Land, und auch bei der Mobilitätsumstellung sichern sich BYD, der für vergleichsweise günstige Modelle bekannt ist, und andere Akteure aus der Volksrepublik gute Ausgangspositionen. Aber westliche Hersteller sind inzwischen ebenfalls mit E-Modellen im Sortiment dabei.

Wie das Verkehrsministerium kürzlich ankündigte, sollen »klimafreundliche« Fahrzeuge künftig schon am Kennzeichen für jeden ersichtlich sein – ein weiteres Detail, mit dem die Regierung der Kambodschanischen Volkspartei (CPP) den Wandel ankurbeln will. Im Weg steht bisweilen noch die rudimentäre Ladeinfrastruktur. Lediglich 21 öffentliche Standorte gab es Mitte 2025. Nun sind weitere geplant. Die Regierung will das Netz, auch mit Hilfe privater Investitionen, deutlich ausbauen.

Nicht in der größten Metropole Phnom Penh, aber im durch die Angkor-Tempel stark touristisch geprägten Siem Reap erfolgt außerdem der schrittweise Aufbau einer Flotte von 37 E-Bussen, die auf drei Linien in der Stadt verkehren sollen. Denn auch dort nehme der Individualverkehr deutlich zu, wurde bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie vor gut einem Jahr von Regierungsvertretern eingeräumt.

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Regio:

Mehr aus: Kapital & Arbeit