Gebot der Sachlichkeit
Von René Lau
Es ist jetzt knapp zwei Wochen her, dass es zu den gewaltsamen Ereignissen rund um das Spiel des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden kam. Wie nicht anders zu erwarten, gab es aus verschiedensten Richtungen Stellungnahmen, die sich widersprachen oder aus anderen Gründen diskussionswürdig sind. Wir kennen das von den Mitteilungen von Innenministern, die sich als Law-and-Order-Politiker profilieren wollen, oder von sehr martialisch auftretenden Polizeigewerkschaftern.
Oft wird dann mit markigen Worten nach »härtesten Konsequenzen« gerufen. Dass wir in einem Rechtsstaat leben, wird geflissentlich ignoriert. Offensichtlich wollen derartige Gewerkschafter nur den harten Hund markieren, da stören die rechtlichen Vorgaben nur. Anders sind diese Forderungen nach Konsequenzen nicht zu verstehen. Da verlangt der eine lebenslange Stadionverbote und der andere Geisterspiele für beide Vereine für ein Jahr. Es sind noch nicht einmal zwei Wochen vergangen und es dürfte klar sein, dass eine vollständige Aufarbeitung keinesfalls bereits erfolgen konnte.
Aber bereits jetzt werden von Polizeivertretern Sanktionen gefordert, die bei jedem, der es mit dem Rechtsstaat hält, nur Kopfschütteln auslösen können. Die Gewerkschaft der Polizei hat sogar KI-generierte Fotos benutzt, die dem Betrachter suggerieren sollen, dass es sich um reale Aufnahmen verletzter Beamter aus diesem Einsatz handelt. Das gießt Öl ins Feuer, was wohl auch beabsichtigt ist. Und zu guter Letzt kommt Holger Stahlknecht vom Fußballverband Sachsen-Anhalt daher, der selbst einmal als Law-and-Order-Politiker bekannt war, und verlangt gleich mal im Schnellverfahren Freiheitsstrafen ohne Bewährung.
Die einzigen, die bisher ruhig und sachlich argumentieren, sind die Vereine, die Fanhilfen und die Fanprojekte. Sachlichkeit und maßvolle Argumentation statt Lautstärke, Aktionismus und Populismus. Es wird Zeit, dass sich Innenpolitiker, die Polizei und ihre Gewerkschaftsfunktionäre daran ein Beispiel nehmen.
»Sport frei!« vom Fananwalt.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (5. Februar 2026 um 22:16 Uhr)»KI-generierte Fotos«? Gefälschte Grafik dürfte den Tatbestand wohl besser treffen. Oder KI-generierte Pixelanordnung.
Mehr aus: Sport
-
Die Kosten der Sicherheit
vom 06.02.2026
