Ende der Püppi-Produktion
Von Susanne Knütter
Die Entwicklung, die Playmobil nimmt, lässt nichts Gutes verheißen. Der Spielehersteller will bald sprechende Figuren und Püppies im Barbie-Stil herausbringen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem US-Wrestlingveranstalter WWE sei geplant. Das verkündete der Spielehersteller am 26. Januar kurz vor Beginn der Spielemesse und versprühte Optimismus: Die Traditionsmarke blicke nach schwierigen Jahren positiv auf das kommende Geschäftsjahr. Einige Indikatoren sprächen dafür, dass die Trendwende geschafft sei, hieß es damals.
Im Hintergrund arbeitete die Horst-Brandstätter-Group bereits daran, was erst am Dienstag bekannt wurde: das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland. In den vergangenen Jahren seien die Produktionskosten in Deutschland deutlich gestiegen, hieß es in einer Pressemitteilung der Gruppe. »Um die Wettbewerbsfähigkeit der Marke Playmobil langfristig zu sichern und die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmensgruppe zu gewährleisten, wird die Fertigung samt Produktionsanlagen in den kommenden Monaten verlagert.«
Betroffen sind rund 350 Beschäftigte im bayerischen Dietenhofen. Der Standort bleibe mit der Fertigung der Marke Lechuza erhalten. Die Logistik in Herrieden und die Verwaltung in Zirndorf einschließlich der Marketing- und Produktorganisation der Marke Playmobil bleiben.
Die zuständige Gewerkschaft IG BCE, die von dem Aus der Spielwarenproduktion in Dietenhofen erst 20 Minuten vor Verkündung in der Betriebsversammlung erfuhr, war außer sich. »Ein solcher Schritt war gegenüber der Belegschaft und dem Betriebsrat im Umstrukturierungsprozess eigentlich ausgeschlossen worden«, kritisierte die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Auf Nachfragen durch Belegschaftsvertreter zur Standortperspektive habe die Geschäftsleitung seit nunmehr einem Dreivierteljahr gemauert. »Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden«, sagte Maximilian Krippner, IG-BCE-Sekretär in Nürnberg. »Das werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat und unserem gewerkschaftlichen Netzwerk nicht ohne Widerstand zulassen.« Die Gewerkschaft pocht auf die »gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung« des »Arbeitgebers«, mit Betriebsrat und IG BCE »auf Augenhöhe ergebnisoffene Verhandlungen zum Fortbestand der Produktion von Playmobil in Deutschland« zu führen. Die IG BCE muss Druck machen. Das Unternehmen will die Verlagerung bis Ende Juni abgeschlossen haben.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Stephanie Pilick/dpa18.09.2018Mitbestimmung unerwünscht
Uwe Zucchi/dpa07.09.2016Lieber Arbeit statt Trinkwasser
- 08.03.2016
Prozess gegen Union Busting
Mehr aus: Inland
-
Was macht KI-Systeme zur Gefahr für uns?
vom 06.02.2026 -
Krieg spielen
vom 06.02.2026 -
Sparmaßnahmen mit Todesfolge
vom 06.02.2026 -
Keine angemessene Unterkunft
vom 06.02.2026 -
Falscher Optimismus wegen Konjunkturdaten
vom 06.02.2026
