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Aus: Ausgabe vom 05.02.2026, Seite 16 / Sport
Tischtennis

Meist lustig

Die Europe Top 16 in Montreux
Von René Hamann
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Durch die Brille der Titelverteidigung: Alexis Lebrun beim Aufschlag

Auf den DJ kann man gespannt sein. Es ist ja witzigerweise so, dass das WTT, das World Table Tennis, inzwischen eine Art Franchising betreibt, alle Turniere der WTT-Reihe sehen mehr oder weniger gleich aus. Dasselbe Setting, dasselbe Design, selbst die Pokale sehen gleich aus. Auch die musikalische Untermalung ist seit Jahren dieselbe – eine Art Clubtechno der fiebrigen Art. Findet ein Tischtennisturnier mal außerhalb des vorgegebenen Rahmens statt, merkt man das nicht zuletzt an der Musik.

Das jetzt startende Europe Top 16 im schweizerischen Montreux ist so eins. Das richtet die ETTU aus, der europäische Tischtennisverband, und folglich sind nur die 16 besten Europäerinnen und Europäer am Start – wobei, das stimmt auch nicht ganz, aber dazu später. Außerdem gibt es einen DJ, und wenn es der ist wie beim letzten Mal, ist für Stimmung gut gesorgt, denn er oder sie sucht die Musik stets passend zu Spielern und Situation aus: »Hey, hey, Wickie«, wenn Anton Källberg spielt; »We are the Champions«, wenn Darko Jorgić aufschlägt. Klingt platt? Ist meist aber lustig.

Für Darko Jorgić aus Slowenien, derzeit Nummer 15 der Weltrangliste, Tendenz fallend, ist Montreux immer ein besonderes Turnier gewesen – hier gewann er dreimal in Folge, bis er im letzten Jahr im Finale gegen den amtierenden Europameister Alexis Lebrun aus Frankreich unterlag. Auch in diesem Jahr wird der Slowene, der, wie kürzlich bekannt wurde, zum Ende der Saison im Sommer seinen Verein, den 1. FC Saarbrücken, verlassen wird, zu den Favoriten zu zählen sein. Aber das Schöne am EU-Top 16 ist, dass der Ausgang so offen ist wie sonst nie, was natürlich auch daran liegt, dass China und Japan nicht zu Europa gehören.

Also könnte es sein, dass Alexis Lebrun seinen Titel verteidigt oder sein Bruder Félix den Olymp erstürmt, oder Jorgić noch mal alle schlägt, oder ein Schwede ganz oben ist, oder sogar auch ein Deutscher, denn deren Form ist ansteigend. Das gilt für Dang Qiu genauso wie für Patrick Franziska, Benedikt Duda und sogar für Altmeister Dimitrij Ovtcharov.

Auch bei den Frauen ist das Feld stark. An Nummer eins gesetzt ist Sabine Winter, die mit ihrem Antibelag ihren goldenen Herbst erlebt. Annett Kaufmann, 2024 Juniorinnenweltmeisterin, ist auch am Start, muss aber in die Qualifikation – die 16 bilden sich nämlich aus 14 Gesetzten und zwei Plätzen, um die sich jeweils acht Spielende streiten müssen.

Ach, das wird ein Spaß. Donnerstag geht es los, Sonntag ist es schon vorbei. We will, we will rock you.

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