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Aus: Ausgabe vom 30.01.2026, Seite 16 / Sport
Fußball

Ironien der Geschichte

Der Afrikanische Fußballverband verkündet Strafen für Fehlverhalten im Afrikacupfinale
Von Jörg Tiedjen
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Nicht der einzige Skandal: Senegals Ersatztorhüter Yehvann Diouf muss das Handtuch von Keeper Mendy gegen Attacken von Balljungen verteidigen (Rabat, 18.1.2026)

Der Afrikacup hat ein Nachspiel. Aber nicht, wie der Gastgeber Marokko es sich erhofft hatte, der sich im skandalösen Endspiel am 18. Januar in Rabat gegen die Mannschaft aus dem Senegal geschlagen geben musste. Zunächst sollen aber die siegreichen Gäste tief in die Tasche greifen, wie der Afrikanische Fußballverband (CAF) am Mittwoch bekanntgab. Insgesamt 715.000 US-Dollar müssen Senegals Fußballunion und Trainer Pape Thiaw berappen, weil die Spieler den Platz kurz vor Ende der Nachspielzeit für eine Viertelstunde verlassen hatten, um gegen offensichtliche Fehlentscheidungen des Schiedsrichters zu protestieren. Auch wird Thiaw für fünf internationale Spiele gesperrt.

Allerdings hat auch Marokko empfindliche Sanktionen mit Geldstrafen in Höhe von insgesamt 415.000 US-Dollar zu gewärtigen. Vor allem aber ist Marokkos Klage, die darauf hinauslief, das Finale zu wiederholen, gescheitert. So dürfen die Spieler Ismaël Saibari und Achraf Hakimi wegen »unsportlichen Verhaltens« an mehreren Begegnungen nicht teilnehmen, weil sie Senegals Torhüter Édouard Mendy während des Spiels drangsaliert hatten, indem sie ihm das Handtuch entwenden wollten, das er braucht, um seine Handschuhe abzutrocknen. Saibari muss zudem eine hohe Geldstrafe zahlen. Die Ironie der Geschichte: Dennoch wurde die marokkanische Mannschaft mit dem »Fairplay Award« des Turniers ausgezeichnet. Außerdem wird der marokkanische Verband FRMF wegen Übergriffen der Balljungen in der »Handtuchaffäre« sanktioniert. Schließlich muss die FRMF für Behinderung der Schiedsrichterarbeit sowie das Blenden senegalesischer Fußballer mit Lasern aus dem Publikumsbereich ­heraus Strafen bezahlen.

Das sind nicht die einzigen Fälle, in denen sich Marokko Einflussnahme auf den Afrikacup vorwerfen lassen muss. Am Wochenende wiederholte Senegals Verteidiger Ismail Jacobs gegenüber dem Sender Sportdigital den Verdacht, dass gleich drei seiner Mitspieler, die zum Finale unter heftigen Magen-Darm-Beschwerden litten, vergiftet wurden. Ob dies zutrifft, dürfte allerdings kaum mehr aufzuklären sein. Die bitterste Strafe kommt auf den marokkanischen Verband, der sich durch den Afrikacup einen Imagegewinn versprochen hatte, allerdings noch zu. Denn am Montag verkündete der Chef des spanischen Fußballverbands, Rafael Louzán, dass das Endspiel der FIFA-Weltmeisterschaft 2030, die Marokko, Spanien und Portugal gemeinsam austragen, nicht im größten Stadion der Welt, das sich bei Casablanca im Bau befindet, stattfinden soll, sondern in seinem Land. Eine offizielle Entscheidung steht allerdings noch aus.

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