USA angriffsbereit zur »Verteidigung«
Von Ina Sembdner
US-Präsident Donald Trump erwägt offenbar weiterhin verschiedene Optionen gegen den Iran. Zwei mit den Diskussionen vertraute US-Quellen sagten gegenüber Reuters, Trump wolle die Voraussetzungen für einen »Regimewechsel« schaffen. Ziel sei es, Kommandeure und Institutionen zu treffen, die für die gewaltsame Niederschlagung der jüngsten Proteste verantwortlich seien, so die Agentur am Donnerstag. Dies solle den Demonstranten das Vertrauen geben, Regierungs- und Sicherheitsgebäude stürmen zu können. Eine endgültige Entscheidung über das Vorgehen sei jedoch noch nicht gefallen. Sein Außenminister Marco Rubio sekundierte mit der Aussage, dass Iran »schwächer denn je« sei.
Laut dem regierungsnahen Portal Axios ist der Aufmarsch der »Armada« (Trump) Richtung Iran in den nächsten Tagen abgeschlossen. Der Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« befindet sich seit Anfang der Woche samt mehrerer Kreuzer seiner Carrier Strike Group im Arabischen Meer in Reichweite der Islamischen Republik. Der Einsatz der Trägerkampfgruppe verstärkt mindestens drei bereits in der Region stationierte F-15-Staffeln sowie zusätzliche US-Luftabwehrbatterien, die in den vergangenen Wochen stationiert wurden, fasste das Portal Defensewatch am Donnerstag zusammen. Weitere Lenkwaffenzerstörer der US-Marine wurden demnach im Golf und im Roten Meer positioniert. Und während der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, General Schlomi Binder, diese Woche in Washington weilte, um von dort angeforderte Erkenntnisse zu Zielen im Iran weiterzugeben, bemüht sich aktuell der saudische Verteidigungsminister Khalid bin Salman – so Axios – im Weißen Haus um die Verhinderung eines regionalen Flächenbrandes. Die EU wiederum liefert Schützenhilfe: Am Donnerstag wurden die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft.
Zuvor hatte Rubio am Mittwoch in einer Anhörung im Senat erklärt, dass derzeit keine Pläne für einen Angriff bestünden. Auf die Frage nach einem möglichen Regierungswechsel in Teheran antwortete der Außenminister, dass dies »sehr sorgfältige Überlegungen« erfordern würde, da dies »weitaus komplexer« wäre als in Venezuela, wo das Präsidentenpaar Anfang Januar überfallartig in die USA entführt wurde. Die verstärkte militärische Präsenz im Nahen Osten diene dazu, »uns gegen eine mögliche iranische Bedrohung unseres Personals zu verteidigen«, erklärte Rubio in Verdrehung der Tatsachen. Diese bestehe darin, »dass das iranische Regime irgendwann aufgrund bestimmter Ereignisse beschließt, unsere Truppenpräsenz in der Region anzugreifen«. Der Präsident behalte »sich stets die Option einer präventiven Verteidigung vor«. Zur Erinnerung: Zuletzt ist es Iran gewesen, das von Israel und den USA im Sommer 2025 mit dem Zwölftagekrieg überzogen wurde. »Wir haben 30.000 bis 40.000 amerikanische Soldaten in acht oder neun Einrichtungen in dieser Region stationiert«, konkretisierte Rubio. »Alle befinden sich in Reichweite einer Vielzahl von Tausenden iranischer Einwegdrohnen und iranischer Kurzstreckenraketen, die unsere Truppenpräsenz bedrohen.«
Sein Chef äußerte sich auf »Truth Social« deutlich aggressiver: Iran solle »schnell eine Einigung erzielen« in bezug auf sein Atomprogramm, da ein neuer Angriff der USA auf das Land »weitaus schlimmer« ausfallen werde als der letzte. Irans Außenminister Abbas Araghtschi ließ es sich nicht nehmen, in Anlehnung an Posts von Trump mit vielen Großbuchstaben auf X zu antworten: »Der Iran hat stets ein für beide Seiten vorteilhaftes, faires und gerechtes ATOMABKOMMEN begrüßt – auf Augenhöhe und frei von Zwang, Drohungen und Einschüchterungen –, das dem Iran das Recht auf FRIEDLICHE Nukleartechnologie sichert und garantiert, dass KEINE ATOMWAFFEN hergestellt werden.« Der hochrangige Berater Ali Schamkhani reagierte offensiver: Ein »begrenzter Militärschlag« sei eine Illusion, schrieb er auf X. »Jede militärische Aktion der USA – unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Ausmaß – wird als Kriegshandlung betrachtet und sofort, mit aller Härte und in beispielloser Weise beantwortet werden, wobei das Herz von Tel Aviv und alle, die den Aggressor unterstützen, ins Visier genommen werden.« Die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen erinnerte Trump an frühere Feldzüge: »Als die USA das letzte Mal in Kriege in Afghanistan und im Irak verwickelt waren, verschwendeten sie über sieben Billionen US-Dollar und verloren mehr als 7.000 amerikanische Leben.«
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