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Aus: Ausgabe vom 28.01.2026, Seite 7 / Ausland
Drei Jahre Krieg

Ein kleiner Sieg im Sudan

Freude in Dilling: Armee beendet monatelange Belagerung der Stadt durch Paramilitärs. Kämpfe dauern andernorts an
Von Ina Sembdner
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Grabstätte für die Opfer eines RSF-Drohnenangriffs nahe Al-Obeid (14.1.2026)

In den Nachrichten werden diese Bilder nicht zu sehen sein, westliche Journalisten findet man im Sudan eher nicht: Nachdem die ­Sudanesische Armee (Sudanese ­Armed Forces, SAF) am Montag ­erklärt hatte, die Blockade um die Stadt Dilling in Südkordofan durchbrochen zu haben, strömten die Einwohner auf die Straßen, »singen und tauschen Grüße aus«, wie es der sudanesische X-Account Sudanese Echo beschrieb – »während das tägliche Leben nach Monaten, die von Bewegungseinschränkungen, Nahrungsmittel- und Medikamentenknappheit und starkem Druck auf die Grundversorgung geprägt waren, wieder seinen gewohnten Gang nimmt«. Die zweitgrößte Stadt des südlichen Bundesstaats hatte das gleiche Schicksal geteilt, wie zuvor die beiden Provinzhauptstädte Al-Fascher (Norddarfur) und Kadugli (Südkordofan), das nach wie vor durch die Belagerung der paramilitärischen RSF von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Und während die RSF, die unter Mohammed Hamdan Daglo seit April 2023 die Macht von De-Facto-Präsident Abd Al-Fattah Al-Burhan herausfordern und das Land faktisch zweigeteilt haben, vergangene Woche noch ihre Angriffe auf die nordkordofanische Hauptstadt Al-Obeid verstärkt hatten, kam es am Wochenende zu direkten Kämpfen zwischen RSF und SAF im Bundesstaat Blue Nile. Diese Entscheidung – so der Konfliktmonitor ACLED am Montag – ziele »entscheidend darauf ab, den Kampf um die Kontrolle über den zentralen Sudan – Khartum – wieder aufzunehmen«. Im vergangenen Mai war es den SAF gelungen, diesen Bundesstaat und die Hauptstadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Portal Dabanga Sudan hatte demgegenüber am Sonntag Experten zitiert, die vermuteten, dass die Angriffe nicht der erneuten Einnahme des Bundesstaats dienten, sondern Kräfte der SAF von der kordofanischen Front binden sollten.

Unterdessen können die Menschen in Dilling vorerst aufatmen: Die Ausrufung einer Hungersnot wie in anderen Gebieten Sudans auch, war nur nicht erfolgt, da der weltweit führenden Behörde für Ernährungssicherheit IPC die entsprechenden Daten fehlten. Nun teilten die SAF mit, dass die Versorgungslinien in die Stadt wiederhergestellt und wichtige Korridore aus Nordkordofan geöffnet seien. Die Sudan Tribune zitierte Militäranalysten, die diesen Schritt als Ausgangspunkt für einen Vorstoß auf die Landeshauptstadt Kadugli sehen.

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