Ein bisschen verloren
Von Jürgen Roth
Ich meine, es war 2005, da hielt ich im Frankfurter Literaturhaus die Geburtstagsrede auf ihn, auf seinen Wunsch. Es war ein vornehmes Fest, auf dem Hermann ein bisschen verloren wirkte.
Im Sommer 2012 trafen wir uns hier im Fränkischen, um die Ecke, in Hilpoltstein, wo Ingrid und Hermann oft die Ferien verbrachten.
Hermann liebte Franken und die Menschen Frankens, und er hatte Frankfurt, wo er bei Adorno studiert hatte, nie verlassen wollen.
Er verachtete Hamburg, zumal den hanseatischen Kulturbetrieb. Als wir im Januar 2020 anlässlich der Feier zu seinem Fünfundachtzigsten im dortigen Literaturhaus miteinander plauderten, sagte Hermann, er habe einen Text über seine Heimatstadt geschrieben, den er eigentlich vorlesen wollte, aber das lasse er jetzt, es sei ja zwecklos.
An seinem neunzigsten Geburtstag unterhielten wir uns am Telefon fast eine Stunde. Das war es.
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