Eskalation
Von René Lau
Es ist erst wenige Wochen her, dass die Innenministerkonferenz mit einer großen Niederlage für die Law-and-Order-Fraktion endete. Kaum eine ihrer Forderungen ist geblieben. Grund dafür waren die zahlreichen kreativen Proteste landesweit geschlossen auftretender Fanszenen. Wichtig auch, dass sogar von den Vereinen Gegenwind kam. Fans und Vereine argumentierten unter anderem mit Zahlen der Polizei im ZIS-Bericht. Danach war klar, dass fast alle Zahlen gesunken waren, härtere Repressionen gegenüber Fußballfans kaum zu rechtfertigen wären.
Doch der Wind hat sich gedreht. Die Law-and-Order-Politiker waren mit dem Ergebnis der Innenministerkonferenz nicht einverstanden, klar. Glücklicherweise steht 2026 eine Reihe Wahlen an. Gibt es da Besseres, als mit Härte gegenüber Fußballfans aufzutreten? Die haben schließlich keine Lobby. Anders ist das Verhalten der Polizei – insbesondere in Berlin – der letzten Wochen und Monate in und um Fußballstadien herum kaum zu erklären. Die Gewaltorgie der Berliner Polizei am vergangenen Sonnabend passt haargenau ins Bild. Da führt man dann schon mal eine Vielzahl von Hausdurchsuchungen wegen geringfügiger Graffitivergehen durch, bei denen unverhältnismäßige Maßnahmen angewandt und Beschuldigtenrechte eingeschränkt werden. Gleich so, als ob es sich um Angehörige des organisierten Verbrechens handeln würde. Nicht zu übersehen auch das zunehmend martialische Auftreten der Berliner Polizei bei den letzten Spielen von Hertha BSC. Auch die anderen beiden Berliner Vereine, Union und BFC, können inzwischen ein Lied von immer härteren Repressionen singen. Und auch Gästefans aus Gelsenkirchen oder Heidenheim, Erfurt, Zwickau, Halle durften sich körperlich davon überzeugen.
Die Berliner Polizei muss endlich von ihrem hohen Ross runtersteigen, muss Fans und Vereinen auf Augenhöhe begegnen. Repression und Gewalt dürfen nicht die Lösung sein. Fußballfans sind keine Verbrecher und geben ihre Rechte nicht am Stadiontor ab.
»Sport frei!« vom Fananwalt.
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