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Aus: Ausgabe vom 22.01.2026, Seite 6 / Ausland
Niederlande

Meuterei bei Wilders-Partei

Sieben Abgeordnete haben die PVV verlassen. Damit verlieren die Ultrarechten ihren Status als größte Oppositionspartei
Von Gerrit Hoekman
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Unter Druck: Geert Wilders hat einen deutlichen Rückschlag erlitten

Die Meldung schlug am Dienstag nachmittag in Den Haag ein wie eine Bombe: Sieben Abgeordnete verlassen die PVV von Geert Wilders. Damit verliert der ewige Hoffnungsträger der niederländischen Ultrarechten mehr als ein Viertel seiner Fraktion. Schlimmer noch für ihn: Es handelt sich keineswegs um Hinterbänkler. Die Dissidenten werden gemeinsam als eigene Fraktion weitermachen und wollen eine neue Partei gründen. Im Gespräch ist der Name Nederlandse Vrijheids Alliantie (Niederländische Freiheitsallianz). »Ich habe dies nicht kommen sehen, das ist schmerzhaft«, sagte Wilders gegenüber den Medien sichtlich zerknirscht. Am Dienstag abend hatte er sich anscheinend vom ersten Schock wieder erholt. »Nichts und niemand kriegt mich klein, keine Fatwa, keine Abspaltung, kein Rückschlag. Ich kämpfe jeden Tag weiter. Für euch + für die Niederlande«, schrieb er trotzig auf X.

Wilders’ angebliche Ahnungslosigkeit wundert: Die Sieben hatten ihn in einem Brief vorab aufgefordert, sich konstruktiver zu verhalten, um »konkrete Resultate für die Wähler« zu erreichen. Der Patriarch setzt aber auf Frontalopposition. Als einziger Parteichef im Parlament will er sich nicht mit der anstehenden Minderheitsregierung des sozialliberalen Rob Jetten über die Möglichkeit einer punktuellen Unterstützung austauschen. Die neue Fraktion zeigt sich Jetten gegenüber konzilianter. Sie wollen sich zumindest mit ihm auf eine Tasse Kaffee treffen. Aber klar ist auch, dass sie sich weiterhin dem rechten Rand zugehörig fühlen.

Wilders verfügt jetzt nur noch über 19 Sitze und ist damit auch seine Position als Oppositionsführer los. Nach der Wahl im Oktober 2025 war die PVV die zweitstärkste Kraft im Parlament. Durch den Austritt sackt sie auf Platz vier. Dort stand Wilders zuletzt vor 15 Jahren. Größte Oppositionspartei sind nun die grünen Sozialdemokraten von Groenlinks-PvdA mit ihrem Fraktionschef Jesse Klaver, der sich am Dienstag unverhohlen über die weitere Zersplitterung im rechten Lager freute: »Damit ist das Chaos im rechten Lager komplett«, sagte er gegenüber den Medien.

Marjolein Faber, die in der vorangegangenen Regierung als Asylministerin für Wilders das xenophobe Kantholz schwang, bleibt ihrem Meister treu: »Ich werde immer Geert Wilders unterstützen«, stellte sie klar. Unterdessen trat ihr Parteifreund Dion Graus gegen die Abtrünnigen kräftig nach: »Jedes gute Schiff hat Meuterer und Ratten. Die sind wir jetzt los.« Doch anscheinend sind auf dem Kahn gegenwärtig auch einige Planken locker.

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