Kroisose des Tages: Kaulitz-Brüder
Von Felix Bartels
Es begann mit einem Witz. Zumindest nach dem, was die Kaulitz-Brüder in ihrem letzten Podcast erzählen. Bei einer Preisverleihung vor zwei Jahren blödelte Tom, die Gerüchte seien korrekt, die Brüder werden »Wetten, dass …« übernehmen. Diese Gerüchte gab es natürlich nicht, doch die sich selbst erfüllende Prophezeiung tat, was sich selbst erfüllende Prophezeiungen tun. Produzenten meldeten sich, Treffen fanden statt, eine Schnapsidee wird ins Reich der Tatsachen gehoben.
Die Kaulitze & »Wetten, dass …«, ein Lied von Fett und Wasser. Hier die erfolgreichste TV-Show der Bundesrepublik, Monument deutscher Klemmkultur, das kurzweilig nur finden kann, wer auch so schon langweilig ist. Dort die Brüder, die den Erfolg mit »Tokio Hotel« zu spüren bekamen, homophoben Hass, der am schrillen Bill ein leichtes Opfer fand. Die beiden machten rüber nach Kalifornien, zeigten sich resilient, indem sie alles weglachten. Ihr Podcast ist Bombe. Ironisch werfen Bill und Tom einander Spitzen zu, verstehen sich taub, so kongenial wie gegensätzlich. Tom der geerdete Tüftler, Bill die weltfremde Diva. Ein Monument schwereloser Selbstverhorstung. Tom: Du hattest doch den Vorsatz, ins Fitnessstudio zu gehen. Jetzt warst du genau einmal da. Bill: Ja, ich musste die Reißleine ziehen. So was wird dann auch leicht too much.
Das Geheimnis der Brüder liegt gerade in ihrer Fähigkeit zur Improvisation, kein Skript, kein Plan, einfach Chemie zweier Zwillinge. »Wetten, dass …« steht für das Gegenteil. Ein strenges TV-Format mit miefender Zielgruppe dürfte den Kaulitzen ihre Stärke nehmen. Bei Herodot gehen Weltreiche unter, wenn sie sich überdehnen. Der eine Schritt zuviel lässt sich nicht mehr rückgängig machen, nach ihm geht alles krachen. Bill und Tom stehen am Halys. Sie sollten besser reinpinkeln, als ihn zu überschreiten.
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