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Aus: Ausgabe vom 22.01.2026, Seite 3 / Inland
Lateinamerikawoche Nürnberg

Was wird dieses Jahr geboten?

Ein Schwerpunkt der Nürnberger Lateinamerikawochen ist die US-Politik gegen den Kontinent, erklärt Manfred Beck
Interview: Hendrik Pachinger
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Was genau ist die »Lawo« genannte Lateinamerikawoche?

Die im Kulturladen Villa Leon stattfindende, jährliche Lateinamerikawoche ist ein zentraler Treffpunkt für Austausch, Kultur und Debatten rund um Lateinamerika. Die »Lawo« lädt zu einer vielseitigen Festivalwoche ein, die politische Analysen, gesellschaftliche Fragen und künstlerische Perspektiven zusammenbringt. Wie in den vergangenen Jahren kombiniert die Lateinamerikawoche internationale Stimmen, lokale Initiativen und ein starkes solidarisches Engagement.

Die »Lawo« fand in den 1970er Jahren zum ersten Mal und seitdem durchgehend statt. Das macht sie in Deutschland einmalig. Was ist das Erfolgsrezept?

Die Zusammensetzung aus Ehren- und Hauptamt, sowie die politisch undogmatische Haltung des Trägerkreises tragen sicherlich am meisten zum Erfolg bei. Hier kann diskutiert werden, und Meinungen müssen bis zu einer gewissen Grenze auch ausgehalten werden. Die Lateinamerikawoche blickt hinter die Kulissen aktueller Entwicklungen und ist somit ein Ort, um sich fundiert zu informieren. Die eintrittsfreien Vorträge und Ausstellungen tragen hierbei auch zum Erfolg bei. Auch gibt es zahlreiche Stände, die zur Information oder zum Erwerb von fairen Produkten aus Lateinamerika dienen.

Eine Woche Programm mit Konzerten, Ausstellungen und täglichen Vorträgen. Was ist in diesem Jahr geboten?

Wie immer ist die »Lawo« ein bunter und vielfältiger Strauß aus kulturellen und inhaltlichen Veranstaltungen. Daher verweise ich gerne auf das umfangreiche Programm. Hier wird sicherlich jeder fündig werden. Am Sonntag steht ein Workshop zum Theater der Unterdrückten an und von Montag bis Freitag dann die inhaltlichen Veranstaltungen. Abgerundet wird die »Lawo« mit einer thematischen Ausstellung zu Amazonien und einer künstlerischen mit Bildern von Jafeth Gómez Ledezma.

Viele der Gäste und auch die Referenten sind keine alten Hasen. Wie gelingt die Übergabe an eine neue Generation?

Lateinamerika ist – mal mehr, mal weniger – immer im Fokus politisch interessierter und engagierter Menschen. Gerade jetzt wird dort erneut weltpolitische Geschichte geschrieben. Daher fällt es nicht schwer, Jung und Alt zu vereinen. Auch das Onlineangebot mit Stream und abrufbaren Vorträgen vereinfacht Zugänge und bringt neues Publikum bzw. erweitert die Reichweite. Zudem können Referierende direkt aus Lateinamerika zugeschaltet werden und machen den Informationsgehalt noch attraktiver. Es ist auch keine Übergabe in dem Sinn, sondern ein fortwährender Prozess über all die Jahrzehnte des Bestehens.

Wenig überraschend ist einer der diesjährigen Schwerpunkte die US-Politik gegen Lateinamerika. Wie schlägt sich das in diesem Jahr nieder?

Im Prinzip haben alle Veranstaltungen dies zum Thema. Das Handeln des globalen Nordens hat immer schon gravierende Auswirkungen auf den Kontinent. Wie immer blicken wir dieses Mal auch gezielt auf einzelne Länder, wie z. B. Mexiko, haben aber auch weltweite Themen im Blick, wie die globale Vernetzung der extremen Rechten. Auch interessant ist sicher die Politik Mileis in Argentinien. Hier ist die Blaupause einer Regierung der AfD zu sehen. Aber auch indigene Sichtweisen auf den Umgang mit der Natur könnten ein Weg sein, um die Klimakatastrophe zumindest abzumildern. Spannend ist natürlich, wie das Handeln der USA die gesamte Weltpolitik beeinflusst. Aber auch, wie immer mehr Marionettenregierungen im Auftrag der USA in Lateinamerika installiert werden. Hier vor allem in Zentralamerika. Darauf geht die Veranstaltung von unserem Partner Medico International »Macht und Ohnmacht in Zentralamerika« ein.

Nach der »Lawo« ist vor den Lateinamerikafilmtagen. Was ist das?

Der Trägerkreis organisiert zusammen mit dem Filmhaus vom 5. bis 11. Februar im Künstlerhaus die Filmtage. Gezeigt werden aktuelle Filme und Klassiker aus Lateinamerika. Die Filmtage gehen nun auch schon ins 38. Jahr. Im Künstlerhaus haben wir am 12. Februar ganz aktuell noch eine Veranstaltung zu Venezuela mit Tobias Lambert organisiert. Mal sehen, was bis dahin noch alles so passiert ist.

Manfred Beck ist Mitarbeiter des Kulturladens Villa Leon

lateinamerikawoche.de

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