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Aus: Ausgabe vom 21.01.2026, Seite 16 / Sport
Bobsport

Tschau, Francesco

Schon ist er wieder vorbei, der Bobweltcup
Von Thomas Behlert
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Nach dem Rennen ist vor dem Ende: Francesco Friedrich und Alexander Schüller in Action (Altenberg, 17.1.2026)

Ach, Altenberg. Beim Weltcup am vorigen Wochenende war die Bobwelt wieder in Ordnung: Fast alles gewannen die Deutschen. Wie gewohnt. Die 1.413 Meter lange Rennschlitten- und Bobbahn im Sächsischen ist eine besondere. Sie wurde zu DDR-Zeiten unter Aufsicht des MfS errichtet und nach einigen Fahrten wieder umgebaut, da die Kurven sogar von Spitzensportlern wie Wolfgang Hoppe nicht beherrschbar waren. Heute hat sie 17 Kurven und gehört zu den anspruchsvollsten Eisbahnen der Welt. Vor genau 40 Jahren fand auf der Bahn, noch unter Baustellenbedingungen, der erste Wettkampf statt: die DDR-Meisterschaften im Zweierbob. Auch ich war dabei, kam allerdings mit meinem Piloten nicht über die Qualifikation hinaus. Noch heute verfolgt mich manchmal im Traum meine katastrophale Bremsleistung im Auslauf. Mit den gefährlichen letzten Metern brauchen sich die heutigen Sportler nicht mehr herumschlagen, der Auslauf wurde 2007 ausgebaut und verlängert. Im Monobob landete Laura Nolte (BRD) am Sonnabend hinter Kaillie Humphries (USA) und Breeana Walker (Australien) und sichert sich so den Sieg im Gesamtweltcup.

Im wohl letzten Weltcuprennen seiner Karriere kam der Doppelolympiasieger Francesco Friedrich auf seiner Heimatbahn im Zweierbob nur auf Rang drei. Erster wurde der Bayer Johannes Lochner, der nach Olympia in Cortina d’Ampezzo ebenfalls aufhören möchte. Beide Dauerkonkurrenten sind zarte 35. Platz zwei holt sich ihr designierter Nachfolger Adam Ammour (BRD, 24). Bei den Frauen brach Nolte im Zweierbob mit ihrer Anschieberin Deborah Levi gleich zweimal den Startrekord. Das Duo gewann den letzten Weltcup des Jahres und zum dritten Mal die Gesamtwertung. Humphries und Kim Kalicki (BRD) folgten auf den Plätzen.

In der Königsdisziplin Viererbob der Männer ging es im Erzgebirge verdammt knapp zu. Lochner unterlief im zweiten Lauf ein kleiner Fahrfehler, kurz stand sein großer Schlitten quer. Das kostete den ersten Platz, den Ammour und Team mit einem Vorsprung von 0,02 Sekunden ergatterten. Auch hier konnte Friedrich nicht richtig punkten: Er belegte den dritten Platz und ging auch als Zweiter im Gesamtweltcup aus. Die Kristallkugel des Gesamtsiegers kann sich Lochner in seine Garage stellen.

Ein erschrecktes Raunen ging durch die Reihen, als der Italiener Patrick Baumgartner gleich nach dem Start bei 115 Kilometern pro Stunde die Kontrolle über den 210 Kilogramm schweren Viererbob verlor, dieser mehrfach gegen die Bande fuhr, schließlich umkippte und einige Sekunden die Bahn hinunterrutschte. Baumgartner hatte beim Einstieg mit dem Fuß ein Lenkseil gelöst, wie er dem TV-Sender aus Südtirol berichtete.

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