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Aus: Ausgabe vom 20.01.2026, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Medizin

Kleiner Fortschritt

Neues zum Havanna-Syndrom
Von Felix Bartels
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Handschuhe auf die Augen legen hilft erwiesenermaßen nicht gegen Strahlung

Länger wurde gerätselt. Und es wird wohl auch noch etwas weiter so gehen. 2016 wurde ein seltsam gehäuftes Leiden bei US-Diplomaten und -Militärangehörigen registriert, es erhielt den Namen »Havanna-Syndrom«. Die Betroffenen klagten über Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Sprach- und Hörstörungen. Statistischer Evidenz zuwider versuchte man es als psychosomatische Erscheinung einzuordnen. Nun gibt es neue Erkenntnisse, nach denen US-Geheimdienste ein Gerät erworben haben, das starke gepulste Radiowellen aussendet.

Eine Studie von 2018 kam zum Schluss, dass die Leiden auf Strahlen zurückgeführt werden könnten: »Gepulste Strahlung im Bereich von 2,4 bis 10.000 Megahertz kann Geräusche im Ohr erzeugen. Auch die Schlafstörungen, Kopfschmerzen und kognitiven Ausfälle passen ins Bild«, erklärte Beatrice Golomb von der University of California in San Diego. US-Dienste schossen zurück, nicht mit Strahlen, mit einem Bericht. 2023 schlussfolgerten sie, das Havanna-Syndrom sei nicht künstlich ausgelöst, es beruhe auf stressbedingten Reaktionen.

Ein Investigativteam von CNN berichtet nun, dass die US-Regierung Ende 2024 ein Gerät erworben habe, das gepulste Radiowellen aussenden kann. Es sei tragbar und so groß wie ein kleiner Rucksack. Laut Quellen in offiziellen Kreisen sollen dafür Millionen US-Dollar aus dem Verteidigungsetat geflossen sein. CNN zufolge berichten drei Personen aus dem Geheimdienst, dass das Pentagon seit gut einem Jahr Tests mit dem Gerät durchführt. Die sollen ergeben haben, dass diese gepulsten Radiowellen die Symptome des Havanna-Syndroms reproduzieren können.

Das Pulswellengerät ist den Quellen zufolge zwar nicht russischen Ursprungs, enthält aber Bauteile, die aus Russland stammen. Bemerkenswert indes: Die Ergebnisse der Tests scheinen derart aussagekräftig gewesen zu sein, dass die Geheimdienstkomitees beider Kammern des Kongresses im letzten Jahr darüber unterrichtet wurden, berichtet CNN unter Berufung auf seine Quellen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (19. Januar 2026 um 23:06 Uhr)
    Bei dem Bild, das (anscheinend) einen Soldaten mit Scheuklappen auf den Augen zeigt, handelt es sich um eine Fälschung. Wirklichen Schutz vor Strahlung bietet nur eine über den Kopf gestülpte Bild-Zeitung. Ich werde täglich mit Strahlung von 16,66 Hertz bis 13.000 Megahertz befunkt und habe bisher kein Havannna-Syndrom erlitten. Allerdings ist mein Mikrowellengerät davongeflogen, als ich eine leere Bauschaumdose darin weichkochen wollte: Nicht nachmachen!

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