Mieten steigen doppelt so schnell wie Inflation
Von Luca von Ludwig
Praktisch im Wochentakt kann man sich von Forschungsinstituten, Stiftungen und Mieterorganisationen über die neuesten, stets miserablen Zustände auf dem Wohnungsmarkt hierzulande informieren lassen. Am Montag legte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seinen Mietpreisindex »Greix« für das finale Quartal 2025 vor. Ergebnis: Zuletzt stiegen die durchschnittlichen Nettokaltmieten im Jahresvergleich mehr als doppelt so schnell wie die allgemeine Inflation.
»Wohnungssuchende haben es aktuell schwer«, fasste der zuständige Projektleiter beim IfW, Jonas Zdrzalek, die Ergebnisse lapidar zusammen. Laut Erhebung, die die Angebotsmieten in 37 deutschen Städten und Regionen vergleicht, lagen die Angebotsmieten im vierten Quartal 2025 4,5 Prozent über denen des Vorjahres und 1,0 Prozent über denen des vorhergehenden Quartals. Inflationsbereinigt bedeutet das ein Plus von 2,3 respektive 0,7 Prozent. Die Jahresinflation lag, Stand Dezember, bei 2,2 Prozent.
Das meiste Geld pro Quadratmeter Wohnraum muss man laut dem Greix in München auf den Tisch legen – ganze 23,35 Euro. Es folgen Frankfurt am Main (17,36 Euro), Stuttgart und Hamburg (je etwas mehr als 16 Euro) und Berlin (15,93 Euro). In den untersuchten Städten kommt man in Chemnitz am günstigsten an ein Dach über dem Kopf; im Schnitt zahlt man dort 6,12 je Quadratmeter. Ein Rückgang der Angebotsmieten zum Vorquartal war demnach lediglich in Hamm (minus 1,4 Prozent) sowie Hannover und Braunschweig (je minus 0,4 Prozent) zu verzeichnen.
Aber nicht nur die weiter steigenden Preise erhöhen den Druck auf Mieter. Denn es gibt auch immer weniger Inserate, stellt die Erhebung heraus: Im Vergleich zum Vorquartal fand man Ende 2025 etwa zehn Prozent weniger Angebote, im Jahresvergleich waren es sieben Prozent weniger. Der Trend zeige sich auch langfristig: Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Wohnungsangebote um 20 Prozent, in den acht größten deutschen Städten sogar um mehr als 50 Prozent.
Auch die hohe und steigende Zahl von Mietverträgen für zeitlich befristete oder möblierte Wohnungen treibt die Wohnungsnot weiter an. 2015 habe der Anteil solcher Inserate noch bei unter zehn Prozent gelegen, mittlerweile bei über 17 Prozent. In den acht größten Städten liegt der Anteil bei etwa einem Viertel, in München bei einem Drittel aller Angebote. Bei möblierten Wohnungen können Vermieter Mietaufschläge verlangen, deren Höhe rechtlich nicht festgelegt ist. Daher werden derlei Angebote oft genutzt, um die Mietpreisbremse zu umgehen, da für die Mieter oft kaum herauszufinden ist, welcher Betrag nun die Nettokaltmiete und welcher der Zuschlag ist. Auch gilt die Mietpreisbremse nicht, wenn eine Wohnung nur zum »vorübergehenden Gebrauch« vermietet wird.
Was planen die Regierenden angesichts solcher Zustände auf dem Wohnungsmarkt? Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte zwar kurz vor den Weihnachtsfeiertagen an, unter anderem bei möblierten Wohnungen juristisch mehr Transparenz schaffen zu wollen. Für diese Gesetzesänderung muss man sich aber noch bis wenigstens 2027 gedulden. In Berlin schlägt der Senat derweil mit der Kürzungsaxt um sich: Im Februar soll ein Programm beendet werden, durch das bisher Bürgergeldbeziehern und anderen, bei denen der Staat Teile der Unterkunftskosten trägt, die Mitgliedsbeiträge für Mieterorganisationen wie den Deutschen Mieterbund bezahlt wurden. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg hat beantragt, die Praxis beizubehalten. An dieser Stelle Geld sparen zu wollen sei eine »Milchmädchenrechnung«, denn wenn durch die Rechtsberatung der Vereine überhöhte Mieten festgestellt würden, spare der Staat schlussendlich Kosten, da er ja selbst die Wohnkosten bezahle, argumentierte der Fraktionsvorsitzende Bertram von Boxberg. Dass sich die CDU-Regierung unter Kai Wegner von derlei Einwänden beirren lässt, darf man wohl ausschließen.
Siehe auch
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Joachim Becker aus Eilenburg (20. Januar 2026 um 14:30 Uhr)Besonders in den Großstädten der BRD steigen die Mieten und damit auch die Zahl der Obdachlosen. Das sind Auswirkungen der kapitalistischen »Wohnungspolitik«, in der nur die Profite zählen. Der Kapitalismus geht über Leichen. Das beweisen die Zahlen der Menschen, die jährlich, besonders in den Wintermonaten, auf der Straße regelrecht erfrieren. Die Hilfen von ehrenamtlich arbeitenden Vereinen sind da nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Daher muss das Übel für Wohnungs-/Obdachlosigkeit mit der Wurzel beseitigt werden.
Ähnliche:
jW Montage: IMAGO/Design Pics/Wirestock23.12.2025Ein Päckchen Symbolpolitik
jW Montage: IMAGO/Seeliger10.12.2025Armutsfalle Wohnen
IMAGO/Christian Grube03.12.2025Wenn die Mietpreisbremse versagt
Regio:
Mehr aus: Inland
-
Wie wird Entwicklungspolitik instrumentalisiert?
vom 20.01.2026 -
Besonnen an der roten Linie
vom 20.01.2026 -
Wer hat, der wird gebildet
vom 20.01.2026 -
Milliardenspritze für Autokonzerne
vom 20.01.2026