US-Angriff nicht vom Tisch
Von Ina Sembdner
Am Mittwoch abend mitteleuropäischer Zeit sah alles danach aus, als stünde ein US-Angriff auf den Iran unmittelbar bevor: Doch dann machte Präsident Donald Trump einen überraschenden Rückzieher, während das Pentagon gleichzeitig den Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« samt Begleitschiffen aufforderte, sich unverzüglich vom Südchinesischen Meer in Richtung Naher Osten zu begeben, was etwa eine Woche dauern wird und die militärische Drohkulisse gegenüber Teheran deutlich verstärkt. Laut dem regierungsnahen Portal Axios würden zudem weitere Luftabwehrsysteme, Kampfflugzeuge und möglicherweise U-Boote in die Region entsandt.
Trump hatte zum vorläufigen Stopp der Angriffspläne erklärt, es sei ihm versichert worden, dass die medial kolportierten geplanten 800 Hinrichtungen von Demonstranten im Iran nicht durchgeführt würden. Nach aktuellen Informationen könnten allerdings ein Telefonat mit Israels Premier Benjamin Netanjahu und die Warnungen mehrerer Staaten der Region den Ausschlag gegeben haben. So habe Netanjahu laut Axios um Aufschub gebeten, um Israel mehr Zeit zur militärischen Vorbereitung auf einen möglichen Vergeltungsschlag Irans einzuräumen. Eine nicht genannte israelische Quelle erklärte dem Portal jedoch, dass der US-Plan, der Angriffe auf Ziele des Sicherheitsapparats vorsah, nicht ausreichend gewesen wäre, um »das Regime bedeutungsvoll zu schwächen«. Verbündete der USA, darunter Saudi-Arabien und Katar, führten diese Woche ebenfalls intensive diplomatische Gespräche mit Washington, um einen US-Angriff zu verhindern, meldete Reuters. Sie hätten vor Auswirkungen auf die gesamte Region gewarnt, die letztlich auch die USA treffen würden, wie ein Vertreter der Golfstaaten erklärte.
Der US-Sonderbeauftragte für den Nahen und Mittleren Osten, Steve Witkoff, traf unterdessen am Freitag mit dem Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes, David Barnea, in Miami zusammen. Die Anwesenheit von Mossad-Agenten bei den seit Ende Dezember andauernden Protesten im Iran wird teils nicht einmal von seiten der USA oder Israels geleugnet. Die US-Regierung bevorzuge eine diplomatische Lösung, hatte Witkoff am Donnerstag abend erklärt. Zentral dafür sei die Bearbeitung von vier Themen: die Urananreicherung, Raketenbestände, das tatsächlich vorhandene nukleare Material und die mit Teheran verbündeten Gruppen.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (16. Januar 2026 um 22:38 Uhr)»Sie hätten vor Auswirkungen auf die gesamte Region gewarnt, die letztlich auch die USA treffen würden, wie ein Vertreter der Golfstaaten erklärte.« Kann man dazu mehr konkrete Einzelheiten erfahren?
Ähnliche:
Florian Boillot15.01.2026Der KI-Monarch
IMAGO/Xinhua24.12.2025Tel Avivs Doppelstrategie
Iranian Army Office/IMAGO/ZUMA Press Wire23.12.2025Nächste Runde gegen Teheran
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 17.01.2026 -
Yoon muss hinter Gitter
vom 17.01.2026 -
Dekolonisierung wird kommen
vom 17.01.2026 -
Ultrarechte gewinnt – so oder so
vom 17.01.2026 -
Diktatfrieden in Gaza
vom 17.01.2026