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Aus: Ausgabe vom 17.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Bildung

Unentdeckt

DDR im Berliner Unterricht: Verband der Geschichtslehrer unglücklich
Von Felix Bartels
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Geschichte wird gelehrt, nicht gelernt. Den Stoff muss man kennen, nur schlau draus werden muss jeder für sich. Jedes Land hat seine Mythen, jeder Staat seine Auguren. An Berliner Gymnasien sollen Schüler künftig die Möglichkeit haben, mit Abwahl des Fachs Geschichte im dritten und vierten Semester das Thema DDR vorbeiziehen zu lassen. In der Oberstufe wohlgemerkt, in der Mittelstufe bleibt der Stoff Pflicht. Das rief den Verband der Geschichtslehrer und die »Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« auf den Plan. In einem offenen Brief an Berlins Bildungssenatorin klagt man: »Die Auseinandersetzung mit Diktatur, Teilung und demokratischem Neubeginn ist kein beliebig disponibler Stoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil historisch-politischer Bildung.« Im Angesicht »aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen – der Verharmlosung von Diktaturerfahrungen, der Verbreitung geschichtsrevisionistischer Narrative und der wachsenden historischen Distanz junger Generationen – ist eine fundierte und verpflichtende historisch-politische Bildung dringender denn je.« Beisprang die FAZ, mit dem Kunststück, die Behandlung der DDR als »verkürzt und vereinfacht« zu beklagen, ihrerseits aber DDR und Nazistaat in der Formel »beide Diktaturen« zu nivellieren.

Eine instruktive Beschäftigung mit der DDR täte in der Tat not. Hierzu allerdings müssten von keiner Reflexion gebrochene Schlagworte durch Substantielles ersetzt werden. Warum war die DDR eingerichtet, wie sie es war? Welche Möglichkeiten der Reformierung hätte es gegeben? Welche ihrer Eigenschaften waren bedingt durch ihren Transformationscharakter oder die Umstände des Systemkampfs? Man redet gern über ihre Opposition, zu untersuchen wären ihre inneren Oppositionen. Der Widerspruch von Demokratie und Bürokratie in einer Gesellschaft, die keine Regulative besitzt und folglich alles aktiv regeln muss, die Schwierigkeit, innere ideologische Strömungen bewusst oder institutionell zu machen, die Richtungskämpfe um Liberalisierung (11. Plenum, VIII. Parteitag) oder das Verhältnis von Plan und Markt (NÖS, Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik), das Fehlen einer Verwaltungsgerichtsbarkeit bis zum Sommer 1989. Zu solchen Vertiefungen hat der Unterricht der Bundesrepublik kaum die Freiheit. Wie wirksam der Beutelsbacher Konsens sonst sein mag, an der DDR hört er auf. Sie dient als negatives Element der Legitimation. Anders als beim Nazistaat kann die Nomenklatura der Bundesrepublik sich von ihr abheben, ohne sich abgrenzen zu müssen. Die heutigen Krisen zudem – Aufstieg der AfD, Unbehagen am demokratischen Verfahren – können, genuine Erscheinungen der Jetztzeit, die sie sind, als Langzeitwirkungen der DDR ausgelagert werden.

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