Am Bügel vorbei
Von Thomas Behlert
Spannend war’s am Wochenende im schweizerischen St. Moritz, wo der Weltcup des Schnellfahrens mit ganz schwerem Gerät ausgetragen wurden. Ich spreche vom Bobsport. Diesmal wurden sogar EM-Medaillen vergeben. Los ging es mit dem Monobobwettbewerb der Frauen. Hier musste die Bundeswehrsoldatin Laura Nolte einen Rückschlag erleben, denn sie konnte keinen Weltcuppodestplatz ergattern. Sie hatte den vierten Startplatz zugelost bekommen, deshalb war für sie die Bahn noch hart und unbeweglich. Trotz guter Fahrt mit Höchstgeschwindigkeit belegte sie »nur« den vierten Platz. Alle Nachfolgenden hatten mehr Glück, denn die Sonne wärmte den Eiskanal, so dass er nachgab und die Monobobs immer mehr Fahrt aufnahmen. Am Ende bekam Nolte trotz des sechsten Platzes die EM-Bronzemedaille umgehängt, denn es gewann die Australierin Breeana Walker vor der Schweizerin Melanie Hasler und Katrin Beierl aus Österreich. Am frühen Abend kam beim Wettkampf der Männerzweierbobs Francesco Friedrich wieder nicht an Johannes Lochner vorbei. Im zweiten Lauf unterlief Friedrich gar ein Fehler beim Anschieben: Er griff am Bügel vorbei, musste korrigieren und ließ den Berchtesgadener ziehen, der auf der Natureisbahn in St. Moritz bereits 2023 Weltmeister wurde. Dank seines Vorsprungs von 0,78 Sekunden kann sich Lochner 2026 nun Europameister nennen.
Die Natureisbahn in St. Moritz ist etwas Besonderes, englische Bobsportler erbauten sie bereits 1904. Im Lauf der Zeit bekam sie ihre heutige Länge von 1.722 Metern. 19 Kurven, die sehr eigentümliche Namen wie »Dracula«, »Telephone Corner« oder »Gunter Sachs Corner« tragen. Sachs stürzte sich winters regelmäßig in die Bahn. 1928 und 1948 fanden in St. Moritz Olympische Winterspiele statt, wobei in den 1920er Jahren noch Fünferbobs die Bahn befuhren.
Lisa Buckwitz führte nach dem ersten Lauf im Zweierbob klar, doch patze sie im zweiten und fiel auf Rang fünf zurück. Nolte und Kim Kalicki (ebenfalls BRD) überholten sie und holten sich die Silber- bzw. die Bronzemedaille. Erste war Kaillie Humphries (USA) vor der Lokalmatadorin Hasler. Das verwegenste Rennen lieferten sich die Viererbobs. Am Sonntag gewann es Adam Ammour mit seinem Team. Das war beim Anschub verdammt stark und fuhr ganz ohne Fehler Bahnrekord (2:09,51 Minuten). Obwohl der einstmals ewige Gewinner Friedrich tolle Startzeiten hinlegte, kam er nur auf Platz sieben. Im zweiten Lauf fuhr er gegen das Starteck, so dass der Anschubbügel klemmte. Lochner und Co. fuhren ohne Fehler durch die Kurven, hatten eine phantastische Anschubzeit und lagen doch am Ende 0,07 Sekunden hinten.
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