Es brennt wieder in Patagonien
Von Florencia Beloso, Buenos Aires
In der südargentinischen Region Patagonien brennt es seit dem 5. Januar, mehr als 12.000 Hektar Fläche wurden durch die Flammen zerstört. Die Situation sei nun zwar besser unter Kontrolle, aber noch nicht gelöst, erklärte Juan Carlos Martínez, Präsident der Feuerwehr von El Bolsón, am Donnerstag gegenüber der argentinischen Zeitung La Nación. Der Gouverneur der mehrheitlich davon betroffenen Provinz Chubut, Ignacio Torres, bekräftigte gegenüber dem Blatt, »dass die Brände vorsätzlich gelegt« worden seien, und versicherte, dass die Ermittlungen voranschritten. »Zum ersten Mal seit langer Zeit werden wir die Verantwortlichen finden«, erklärte der Politiker der rechten Partei Propuesta Republicana (PRO). Zuvor hatte schon der Minister für Sicherheit und Justiz von Chubut, Héctor Iturrioz, bestätigt, dass klinische Labortests ergeben hätten, dass »Brandbeschleuniger und Kohlenwasserstoffe« verwendet worden seien, um das Feuer anzufachen.
Während Torres auf die Belohnung von umgerechnet fast 30.000 Euro für Hinweise zu den Verantwortlichen hinwies, bat er gleichzeitig darum, Spekulationen zu vermeiden. Die waren in der vergangenen Woche hochgekocht, als ein Video viral ging, das zeigt, wie zwei Touristen im Nationalpark Los Glaciares in der südlich von Chubut gelegenen Provinz Santa Cruz ein Feuer entfachen. Auch dort sind mehr als 760 Hektar niedergebrannt. Aufgenommen wurde es von dem argentinischen Wanderer Martín Morales, der das Feuer löschen konnte. Seinen Angaben zufolge handelte es sich bei den Touristen um Israelis, die entwischten, als er sie damit konfrontierte. Er habe diese Information an die Behörden weitergeleitet, erklärte er gegenüber dem Radiosender FM Dimensión. Sie würden nun die Unterlagen von Unterkünften und Campingplätzen überprüfen und die vor Ort aufgenommenen Bilder und Videos analysieren. Israelische Touristen werden immer wieder dabei erwischt, wie sie in südamerikanischen Nationalparks Feuer entzünden, entsprechend zirkulieren Erzählungen, die eine Verbindung herstellen zu antisemitischen Behauptungen, dass Zionisten Patagonien besiedeln wollen.
Befördert wird das von der Regierungspolitik des rechten Präsidenten Javier Milei. Er will das »Gesetz zum Feuermanagement«, das 2020 auf Initiative des peronistischen Abgeordneten Máximo Kirchner dahingehend geändert worden war, dass Verkauf und landwirtschaftliche Aktivitäten von verbranntem Land für eine Zeitspanne von 30 bis 60 Jahren verboten sind, anpassen. Demnach soll der Kauf durch private ausländische Investoren liberalisiert und das Verbot landwirtschaftlicher Nutzung nach einem Brand aufgehoben werden, berichtete die Buenos Aires Times am Mittwoch. Laut einer von Forschern der Universität Buenos Aires und dem Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Forschung (CONICET) erstellten Karte ausländischen Landbesitzes befinden sich 13 Millionen Hektar, also fast fünf Prozent des Gesamtterritoriums, in ausländischer Hand, überwiegend in US-amerikanischer.
Die rechte Führung Argentiniens hat allerdings einen anderen Sündenbock ausfindig gemacht: So behauptete das Ministerium für Sicherheit am Sonntag auf X, »erste Anzeichen« würden darauf hinweisen, dass die Taten mit »terroristischen Gruppen selbsternannter Mapuche« in Verbindung stünden. Ähnlich äußerte sich Patricia Bullrich, Parteigängerin Mileis und bis Dezember noch Leiterin des Ministeriums. Sie schrieb auf X: »Wenn die Gruppen, die sich selbst als Mapuche bezeichnen, für diese Brände verantwortlich sind, werden sie dafür wie Terroristen bezahlen müssen.« Mit Blick auf die Widerstandsbewegung Resistencia Ancestral Mapuche verwies die nunmehrige Senatorin von Buenos Aires darauf, dass diese »aufgrund ihrer Geschichte von Brandstiftung, Gewalt und ökologischen Katastrophen zur terroristischen Organisation erklärt« worden sei.
Mehrere Mapuche-Organisationen wiesen die Behauptungen der Regierung laut dem Nachrichtenportal NPLA scharf zurück. In einer Erklärung mit dem Titel »Vertreibung mit Hilfe des Feuers« beklagten sie statt dessen mangelnde Frühwarnsysteme, einen nicht erfolgten Wiederaufbau der meisten der über 70 vor einem Jahr zerstörten Häuser sowie Massenentlassungen bei der Feuerwehr.
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