Ware Wohnraum immer knapper
Von Gudrun Giese
Immer dramatischer werde die Diskrepanz von Angebot und Nachfrage. So hätten etwa von den über 23 Millionen Mieterhaushalten rund die Hälfte wegen ihrer Einkommenssituation Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Doch bundesweit stehen derzeit nur noch rund eine Million Sozialwohnungen zur Verfügung. Das Sozialwohnungsbündnis fordert, deren Zahl mindestens auf zwei Millionen zu verdoppeln. Insgesamt treffe der Mangel an bezahlbaren Wohnungen vor allem jüngere wie auch ältere Menschen. Der »Soziale Wohnmonitor 2026« rückt diese beiden Gruppen in den Mittelpunkt, die als »Verlierer auf dem Wohnungsmarkt« zu bezeichnen seien. So kämen etwa Ausbildungsverträge »nicht zustande, weil Jugendliche keine Wohnung finden«, erklärte Studienautor Günther. Studierende müssten bereits durchschnittlich 53 Prozent des ihnen monatlich zur Verfügung stehenden Geldes für Wohnkosten aufbringen. Das Bündnis »Soziales Wohnen« fordert eine gezielte Förderung für den Neubau von Wohnungen in Städten mit Universitäten und Ausbildungszentren. Sinnvoll könnten auch steuerliche Anreize für Unternehmen sein, die Wohnungen für Auszubildende errichten.
Am anderen Ende der Alterspyramide trifft die Knappheit an bezahlbaren Mietwohnungen immer stärker die geburtenstarken Jahrgänge, die derzeit und in den kommenden Jahren in die Rente wechseln. Da viele von ihnen Phasen der Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung im Niedriglohnsektor erlebt hätten, so Günther, müssten sie mit geringen Rentenzahlungen auskommen. Die Miete für die bisherige Wohnung werde dann oft nicht mehr drin sein. Von »erzwungenen Umzügen durch Altersarmut« sprach der Leiter des Pestel-Instituts, was einer Vertreibung der Älteren aus den Städten durch Wohnungsnot gleichkomme. Schließlich konstatierte der »Soziale Wohnmonitor 2026« noch, dass Menschen mit Behinderungen auf dem Wohnungsmarkt regelrecht ausgegrenzt würden. Ein Gegenmittel könnten etwa Quoten für die Vergabe von Sozialwohnungen an Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen sein.
Um den Bau neuer Sozialwohnungen zu forcieren, müsste die Förderpraxis verändert werden, stellt das Bündnis klar. Trotz erheblich erhöhter Mittel für den sozialen Wohnungsbau durch den Bund dauere es zu lange, bis das Geld ausgezahlt werde. Stattdessen müssten die Bundesländer das Geld vorstrecken, was sie aber nicht täten. Deshalb solle die Bundesregierung auf eine Ad-hoc-Förderung umstellen, wie es zudem bereits im Koalitionsvertrag festgelegt sei. Schließlich wäre es hilfreich, Sozialwohnungen mit einfacheren Baustandards zu errichten, um die Kosten zu senken.
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