Bundeswehr auf »Erkundungsmission«
Von Philip Tassev
Grönlands Verteidigung bestehe nur aus zwei Hundeschlitten, hatte US-Präsident Donald Trump noch Anfang der Woche gewitzelt. Die dänische Regierung findet das nicht lustig und entsendet Truppen auf die seit 1814 zum Königreich Dänemark gehörende Insel. Mit dabei: Soldaten der Bundeswehr. Eine Transportmaschine der Luftwaffe startete am Donnerstag morgen, um ein »Erkundungsteam« mit 13 Bundeswehrangehörigen via Dänemark in die grönländische Hauptstadt Nuuk zu bringen – auf Einladung Kopenhagens, wie das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte. Ziel sei es, »die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung«. Ein französischer Trupp war bereits am Mittwoch abend aufgebrochen, allerdings nicht zur »Erkundung«, sondern um an einer Übung namens »Operation Arctic Endurance« teilzunehmen, wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei X erklärte. »Weitere werden folgen«, fügte er hinzu.
Auch Kopenhagen kündigte Truppenverlegungen auf die arktische Insel an, während sich aus Schweden und Norwegen Offiziere auf den Weg machten, um die weitere Zusammenarbeit zu planen, wie es aus Oslo hieß.
Zahlreiche Beobachter sehen in den Verlegungen vor allem eine symbolische Unterstützung Dänemarks gegen die US-Ansprüche auf Grönland. Ein Treffen dänischer und US-Vertreter in Washington war am Mittwoch ohne Ergebnis geblieben. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte, das Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident J. D. Vance habe »fundamentale« Meinungsverschiedenheiten offenbart, Trump wolle Grönland weiterhin »erobern«. Der US-Präsident hatte die Insel wiederholt als unverzichtbar für die US-amerikanische Sicherheit bezeichnet, etwa als Stellungsraum für das angekündigte Raketenabwehrsystem »Golden Dome«.
Auf dem prowestlichen Militärblog defence-news sieht man in der »Erkundungsmission« nach Grönland eine offene Positionierung Deutschlands gegen die USA, »ohne durch die Truppengröße zu provozieren«. In der BRD sieht man das zum Teil ebenso. Die Sprecherin für »Sicherheitspolitik« der Grünen, Sara Nanni, bezeichnete die Entsendung der Bundeswehr-Soldaten als »starkes Symbol«. Sie plädierte dafür, »dass diese militärische Geste der Solidarität mit Dänemark durch handfeste diplomatische Drohungen Richtung Weißes Haus ergänzt werden«. Nur so könne man »Trump von seinem Wahnsinn abhalten«. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) müsse klarmachen, dass es »Konsequenzen« für die USA hätte, wenn sie weiter am Zusammenhalt in der NATO zündelten. Und Thomas Erndl (CSU), verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: »Damit zeigen die Europäer einerseits, dass sie die Sicherheitsbedenken der USA adressieren, und andererseits, dass jede nicht abgesprochene Aktion des US-Präsidenten eine unmögliche Situation hervorrufen würde.« Mit dieser »unmöglichen Situation« meint Erndl wohl bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen deutschen und US-Truppen.
Die Bundesregierung äußerte sich vorsichtiger. In Berlin scheut man die verbale Konfrontation mit Washington, spricht nach wie vor von den USA als »Partner« und zeigt weiterhin lieber Richtung Moskau und Beijing. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte am Donnerstag: »Russland und China nutzen die Arktis zunehmend militärisch und stellen damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage«. Die NATO werde das »nicht zulassen und auch weiterhin für die regelbasierte internationale Ordnung eintreten«. Entscheidend bei der »Erkundungsmission« sei eine enge Abstimmung »innerhalb der NATO, insbesondere mit unseren US-Partnern«. Offenbar glaubt man im Bendlerblock, man müsse Trump nur den »europäischen Verteidigungswillen« gegen Russland und China demonstrieren, dann werde der US-Präsident von seinen Annexionsplänen Abstand nehmen.
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