Die Vermenschlichung der Verhältnisse
Von Peter Michel
Der Maler Günther Brendel ist tot. Er starb am 8. Januar 2026 in Berlin im Alter von 96 Jahren. Brendel stammte aus dem thüringischen Weida, wo er am 17. Januar 1930 geboren wurde, studierte in Weimar und Dresden und ging 1954 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo er ab 1970 die Leitung der Sektion Bau- und Bildkunst übernahm. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Porträts »Paul Robeson« (1964) und »Prof. Wolfgang Heinz« (1982), das Tafelbild »Bauarbeiter des Alexanderplatzes« (1969), sein »Großes Stilleben« für den Palast der Republik (1976) und das Gemälde »Konzert für Bauarbeiter« (1985).
Seine Bilder, die heute vergessen scheinen, gingen stets vom Alltäglichen aus und lösten es im Künstlerischen auf. Sie sind poetisch, versöhnlich, meditativ, von großer Innigkeit und stiller Harmonie. Sie vermitteln Sehnsucht nach Behaustheit, nach Frieden mit sich selbst, mit anderen und mit der Natur. Sie mahnen humanistische Ideale und Hoffnungen an und drücken ein unpathetisches Verlangen nach Vermenschlichung der Verhältnisse aus. Brendels Bilder stehen in einer anspruchsvollen Tradition und lohnen, wiederentdeckt zu werden. Nicht nur, aber besonders von denjenigen, die in der DDR aufgewachsen sind. Sie finden in dieser Kunst ein Lebensgefühl verteidigt, Lebenslust, Lust an Schönheit und Freude am Dasein bewahrt. Und die Jungen von heute können empfinden, was in einer Gesellschaft möglich war, die heute derart verteufelt wird.
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