Lob der anderen
Von Marc Hairapetian
Michael Kemner war ein Mann der ersten Stunde. Erst Stammgast in der legendären Düsseldorfer Künstlerkneipe Ratinger Hof, bald Protagonist der deutschen (Post-)Punkszene, des Prototechnos, der Neuen Deutschen Welle. Er war unter anderem bei DAF, machte die Basslines auf dem Album »Ein Produkt der deutsch-amerikanischen Freundschaft« von 1979.
Nach seinem Ausstieg bei Gabi Delgado-López und Robert Görl gab »Micha« mit seinem wummernden, gleichwohl präzisen Spiel dem Überalbum der Band Fehlfarben, »Monarchie und Alltag« (1980), den nötigen Drive. Sein Meisterwerk als Bassist war allerdings der Nachfolger »33 Tage in Ketten« von 1981. Gespickt mit krachenden Rhythmen und provozierenden Dissonanzen für mich allemal eine der energetischsten Platten aller Zeiten.
Man mag es Tragik des Schicksals nennen, dass Michael Kemner ein paar Wochen nach der Neuveröffentlichung von »33 Tage in Ketten« Mitte Dezember – ich durfte die Liner Notes schreiben – am 3. Januar des neuen Jahres schließlich seinem Krebsleiden erlag. In welchem Jahr Kemner geboren wurde, ist nicht bekannt. Ein 7. Juli war’s.
Thomas Schwebel, Gitarrist und Sänger der Fehlfarben auf »33 Tage in Ketten« und »Glut und Asche« von 1983, sagt über Kemner: »Seine ruhige und liebenswerte Art haben verhindert, dass sein Name so berühmt geworden ist, wie er es verdient hat. Kein Show-off, keine Rampenegomanie, sondern immer Powerplay im Dienst der Band und der Songs.«
Wir haben uns oft unterhalten. Bei unseren Gesprächen gab er sich so bescheiden, wie er war. Er lobte lieber die anderen. Das – leider vegriffene – Album »Kraft« (1982) seiner No-Wave-Band Mau Mau hat er mir extra gebrannt. Lange her. Lange her auch die Trennung der Fehlfarben, die sich Anfang der 90er wieder zusammenrauften. Kemner blieb Teil der Band – bis zum Schluss.
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