Raketenangriff als Signal
Von Reinhard Lauterbach
Der russische Angriff auf ein Ziel bei Lwiw in der Nacht zum Freitag galt offenbar nicht dem unterirdischen Gasspeicher bei Strij. Das geht aus inzwischen bekanntgewordenen Aufnahmen mit Geolokalisierung aus ukrainischen Quellen hervor. In Wahrheit habe der Angriff der Flugzeugwerft am Flughafen von Lwiw gegolten. Ähnlich wie bereits beim ersten Einsatz der russischen Hyperschallrakete »Oreschnik« im November 2024 sei auch diesmal eine Rakete ohne Sprengköpfe verwendet worden, die allein durch ihre kinetische Energie Schäden anrichtete. Wie schwer diese waren, wurde zunächst nicht bekannt. Russland hat sich dazu nicht geäußert, die Ukraine auch nicht.
Generell überwiegt die Einschätzung, dass das Ziel des Angriffs ohnehin kein militärisches, sondern ein politisches gewesen sei: den über eine Truppenstationierung in der Westukraine nachdenkenden Staaten Westeuropas (»Koalition der Willigen«) deutlich zu machen, dass auch frontferne Ziele von russischen Raketen erreicht werden können. Moskau habe auf diese Weise den Westeuropäern eine Warnung zukommen lassen, was ihren Truppen im Fall eines Einsatzes in der Ukraine geschehen könne. Die Hyperschallraketen sind wegen ihrer hohen Fluggeschwindigkeit mit den bisher bekannten Abwehrsystemen nicht abzufangen. Der ukrainische Abgeordnete Olexij Gontscharenko schrieb, wenn der »Oreschnik« in 15 Minuten bis nach Lwiw fliegen könne, dann sei es kein prinzipieller Unterschied, ob er in 20 Minuten Warschau erreichen könne. Zumal nach Angaben aus Minsk inzwischen Exemplare der Rakete in Belarus stationiert worden sind, was die Anflugzeiten nochmals verkürzen würde.
Zweites Ziel der Warnung sei die US-Administration gewesen, schrieb am Wochenende etwa die New York Times. Russland sei »beunruhigt« darüber, wie US-Präsident Donald Trump seinen Staatsstreich in Venezuela ohne Rücksicht auf bestehende Bündnisse des Landes mit Moskau durchgezogen habe. Der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Expräsident Dmitri Medwedew, schrieb auf X, Ziel der USA und ihrer europäischen Unterstützer sei offenkundig, Russland zu »inakzeptablen Konzessionen« zu drängen. Die von Trump angekündigten neuen Sanktionen für alle Abnehmer russischen Öls seien »nichts Neues«, »unangenehm, aber aushaltbar«. Die US-Sanktionspolitik gehe »bei jedem Wetter« weiter.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (11. Januar 2026 um 20:28 Uhr)Sehr instruktives Bild! Gullydeckel?
Ähnliche:
Danylo Antoniuk/Anadolu Agency/imago10.01.2026Ukraine ohne Gas
SmoliyenkoxDmytro/Ukrinform/IMAGO/ABACA09.01.2026Kurs auf Kleinkrieg im russischen Hinterland
Accorsini Jeanne/IMAGO/ABACAPRESS08.01.2026Koalition der Hasardeure
Mehr aus: Ausland
-
Wie sieht die Wirtschaft unter indonesischer Besatzung aus?
vom 12.01.2026 -
Ohne Kommentar
vom 12.01.2026 -
Imperialismus im Hyperantrieb
vom 12.01.2026 -
Propagandakrieg um Iran
vom 12.01.2026 -
Gefeilsche um Grönland
vom 12.01.2026