Politik mischt mit
Von Henning von Stoltzenberg
Mediendarstellungen zufolge war der spektakuläre Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse Ende Dezember 2025 einer der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte. Der Schließfachraub rief jüngst auch die nordrhein-westfälische Landespolitik auf den Plan. Eine am vergangenen Dienstag stattgefundene polizeiliche Durchsuchung des Bankinstituts hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Wochenende mit mangelnder Kooperation der Gelsenkirchener Bank gerechtfertigt. »Fest steht: Weil die Informationen gefehlt haben und nicht zur Verfügung gestellt wurden, mussten Polizei und Staatsanwaltschaft hier tätig werden«, sagte Reul der Rheinischen Post (Sonnabendausgabe).
»Es ging bei der Durchsuchung der Bank um die Sicherstellung von Datenträgern sowie notwendigen Kundendaten, die bisher noch nicht vorgelegen haben«, erklärte der Minister. Zahlreiche Polizisten erfassten und fotografierten in der Filiale mit Unterstützung der Sparkassenmitarbeiter die von den Einbrechern zurückgelassenen Dokumente und Gegenstände aus den Schließfächern. Dies finde unter notarieller Begleitung statt und werde voraussichtlich noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen, so die Sparkasse in einer Mitteilung. Die Polizei hatte nach dpa-Informationen ihre Kräfte auf rund 100 Beamte aufgestockt.
Die Sparkasse Gelsenkirchen betonte, die Ermittlungsbehörden nach Kräften zu unterstützen. Sie habe sich in keiner Weise gegen die Herausgabe von geforderten Daten gesperrt. Die Staatsanwaltschaft habe »beispielsweise Videoaufnahmen und Listen angefordert, deren Zusammenstellung, Sicherung und Übermittlung mehr Zeit in Anspruch nehmen«, teilte die Sparkasse mit. Die Herausgabe der Daten sei bislang nicht möglich gewesen, heißt es.
Nach Angaben eines Sparkassensprechers bleibe die Filiale vorerst weiter geschlossen. Der geplünderte Tresorraum sei von der Polizei versiegelt worden. Bevor die Bank ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könne, müssten Unterlagen und Gegenstände in dem Raum für die Kunden gesichert werden. Es sei aktuell schwer zu sagen, wie lange das noch dauern werde, hieß es. Immerhin soll in der kommenden Woche der sogenannte SB-Bereich mit den Bankautomaten im Foyer wieder geöffnet werden, teilte die Bank in einem Statement mit.
Im Dezember hatten sich unbekannte Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Filiale verschafft. Es wurde ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Nahezu alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer wurden während des Einbruchs aufgebrochen. Der Gesamtschaden wird auf über 30 Millionen Euro geschätzt.
Die AfD wiederum, die seit vergangenem Dezember in Gelsenkirchen den stellvertretenden Bürgermeister stellt, nutzt den Bankeinbruch, um sich als »Kämpferin für Transparenz und Aufklärung« zu inszenieren, und hielt am 10. Januar eine Kundgebung ab. Die Gelsenkirchener AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias forderte, dass die zentralen offenen Fragen »nicht hinter verschlossenen Türen im Aufsichtsrat geklärt werden« dürften.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (11. Januar 2026 um 20:16 Uhr)Solchen Eifer der Ermittlungsbehörden täte ich mir im Zusammenhang mit Cum-Cum und Cum-Ex wünschen. Personal scheint ja zur Verfügung zu stehen.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (12. Januar 2026 um 12:42 Uhr)Das geht nicht. Da geht es um zu viel Geld.
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