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Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Schnee und Eis

Niederlande kapitulieren vor Winter

Schnee und Eis legen öffentlichen Verkehr vielerorts lahm. Wetterfeste Infrastruktur »lohnt sich nicht«
Von Gerrit Hoekman
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Im ganzen Land sind Zugweichen eingefroren, an den Flughäfen fehlt Enteisungsmittel für die Flugzeuge

Kaum fällt Schnee und die Temperaturen sacken unter den Gefrierpunkt, schon bricht in vielen mitteleuropäischen Ländern das totale Verkehrschaos aus. So auch in den Niederlanden. Am Flughafen Schiphol wurden am Mittwoch für den dritten Tag in Folge fast alle Flüge abgesagt. In Utrecht, Den Haag, Rotterdam und der Provinz Friesland fielen die Stadtbusse komplett aus, berichteten niederländische Medien. Die staatliche Bahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen konnte die Strecke zwischen Breda und Rotterdam zeitweise nicht bedienen. Am Dienstag morgen fuhr bis zehn Uhr landesweit überhaupt kein Zug.

»Wir sind die Lachnummer in Europa«, sagte ein Mitarbeiter der niederländischen Fluggesellschaft KLM gegenüber dem Boulevardblatt De Telegraaf. Um sich Ärger mit seinem Chef zu ersparen, wollte der Mann anonym bleiben. Der Grund für die umfassenden Ausfälle: Schiphol verfügt nur über vier Enteisungsanlagen. Bei Dauerfrost offenbar zuwenig, denn die Enteisung dauert je nach Größe des Flugzeugs bis zu einer halben Stunde. In Stoßzeiten fehlt es auch an Personal, was aktuell von extra fortgebildeten Büroangestellten kompensiert wird. Schiphol geht zudem langsam das Enteisungsmittel aus – der deutsche Lieferant komme mit dem Nachschub nicht hinterher.

Obwohl in den Niederlanden so viel Schnee liegt wie seit 2021 nicht mehr, können skandinavische Länder über solche Wetterverhältnisse nur müde lächeln. Die niederländische Bahn hat hingegen schon Probleme, den bereits stark reduzierten Winterfahrplan einzuhalten. »Liegt es an Inkompetenz oder am Geld?« fragt die Rotterdamer Tageszeitung AD. Die Antwort: Es liegt an den Kosten. »Länder wie die Schweiz geben bis zu dreimal so viel dafür aus, aber dort schneit es auch viel häufiger«, erklärt AD. »Züge fahren im Winter besser, obwohl auch dort keine Garantie besteht: Bei starkem Schneefall können die Verspätungen in den Alpen ebenfalls Stunden betragen.« Dann liegt in dem Land mit seinen hohen Bergen aber auch ein Meter Schnee, und nicht nur wenige Zentimeter, sollte man anmerken.

In den Niederlanden mit dem am stärksten frequentierten Schienennetz in der EU ist Pro Rail, ein Tochterunternehmen der Nederlandse Spoorwegen, für die Instandhaltung des Schienennetzes einschließlich der Weichen zuständig. »Das niederländische Eisenbahnnetz ist nicht für solche Wetterbedingungen ausgelegt«, erklärte Unternehmenssprecher Andy Wiemer am Dienstag gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS. »Eine Veränderung würde viele Milliarden Euro kosten. Die Frage ist, ob sich das für drei Tage alle paar Jahre lohnt.«

Die größte Schwachstelle sind die 7.000 Weichen, von denen noch 2.000 unbeheizt sind und daher ruckzuck festfrieren. An Knotenpunkten kann das den Bahnverkehr weiträumig lahmlegen. Andere Weichen werden mit Gasflammen geheizt, die bei Starkwind leicht ausgehen können. Die Lösung wäre eine elektrische Beheizung, doch das ist teuer.

Die niederländischen Pendler werden also wohl auch in Zukunft an Schneetagen vergeblich auf ihren Zug oder Bus warten. Teurer wird der Winter derweil auch für die Fluggesellschaften. »Sie müssen den Passagieren neue Flüge anbieten. Diese Plätze können sie nicht anderweitig verkaufen«, so der Luftfahrtexperte Joris Melkert von der Technischen Universität in Delft. Hinzu kämen Kosten »beispielsweise für das Anbieten von Getränken oder Hotelübernachtungen«. Das könnte sich schnell auf einige Millionen Euro summieren.

Die Flugpassagiere hätten allerdings kein Recht auf Entschädigung, denn bei starkem Schnee und Glatteis handele es sich um höhere Gewalt. Anders bei der Bahn: Dort haben Reisende Anspruch auf eine Entschädigung. Außerdem schenken die Nederlandse Spoorwegen jedem Passagier eine Tasse Kaffee. Zumindest dafür reicht das Geld noch.

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  • Leserbrief von Thomas Bartsch-Hauschild aus Hamburg (12. Januar 2026 um 14:39 Uhr)
    Der Winter hat alles im Griff, auch bei uns in Deutschland. Am besten zu Hause bleiben, Auto und Fahrrad stehen lassen, alle in das Homeoffice. Alle Verkehrssysteme, Bus, Bahn werden durch Schnee und Eis inaktiv. Die Stadtreinigung ist technisch und personell nicht umfassend in der Lage, alle Straßen, Fußwege flächendeckend vom Schnee zu räumen oder bei Eis zu streuen. Diese zeitweise extremen winterbedingten Erschwernisse für kurze Zeit nicht mehr beherrschbar. Im Frühjahr und Sommer ist das öffentliche Leben wieder ganz normal. Der Bevölkerungsschutz durch THW, Bundeswehr, freiwillige Feuerwehr könnte auch für den »Wintereinsatz« helfen.
    Offensichtlich fehlt es dafür an einer umfassenden gesetzlichen Grundlage zwischen Bund, Land und Gemeinden.

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