75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Mittwoch, 1. Dezember 2021, Nr. 280
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 15.10.2021, Seite 5 / Inland
Gesundheitswesen

Mehr Geld für Pflegekräfte

Tarifeinigung beim Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus: Nichtärztliche Beschäftigte erhalten 97,5 Prozent des TVöD
Von Bernd Müller
05.jpg
Nach harten Verhandlungen: Klinikleitung und Verdi haben sich am Mittwoch im Tarifstreit geeinigt

Rund 2.000 Beschäftigte des kommunalen Carl-Thiem-Klinikums (CTK) in Cottbus können sich über ein höheres Gehalt freuen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Mittwoch mitgeteilt, sich im Tarifstreit mit der Klinikleitung geeinigt zu haben.

»Die Tarifeinigung ist ein Kompromiss nach harten, jedoch konstruktiven Tarifverhandlungen«, wurde Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke in einer Mitteilung zitiert. Mit der Einigung werde der Abstand zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) kleiner und er bedeute »eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Carl-Thiem-Klinikum«.

Für die nichtärztlichen Beschäftigten heißt das: Rückwirkend ab 1. August 2021 erhöhen sich ihre Gehälter auf 97,5 Prozent des TVöD. Für das Pflegepersonal wird zudem eine monatliche Pflegezulage in Höhe von 70 Euro eingeführt, das Pflegepersonal auf den Intensivstationen erhält eine höhere monatliche Intensivzulage. Außerdem steigt die Zulage für die Arbeit in Wechselschichten um 50 Euro. Ab April 2023 wird die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 40 Stunden auf 39,5 Stunden pro Woche reduziert.

CTK-Geschäftsführer Götz Brodermann betonte, das Klinikum entlohne nun sein Personal in den nichtärztlichen Berufen in Südbrandenburg im Vergleich mit anderen Krankenhäusern der Region am besten. »Mit dem Tarifabschluss und der damit einhergehenden Kopplung unserer Gehälter an die Tabellenstruktur des TVöD sind wir nicht nur der größte, sondern auch einer der attraktivsten Arbeitgeber in Cottbus«, erklärte er.

So euphorisch Brodermanns Worte nun klingen, so wenig konstruktiv war seine Rolle in den vergangenen Monaten. Im März hatte er die Gespräche mit der Gewerkschaft nach drei Verhandlungsterminen abgebrochen. In einer E-Mail hatte das Klinikum über den Kommunalen Arbeitgeberverband Brandenburg (KAV) mitteilen lassen, »angesichts der weit voneinander entfernten Positionen« sehe man keinen Sinn in einer Fortsetzung der Tarifverhandlungen. Man warf der Gewerkschaft vor, zu hohe Erwartungen zu haben, welche das tatsächliche wirtschaftliche Leistungsvermögen des Unternehmens nicht berücksichtigten (jW berichtete am 25.06.2021).

Doch so weit wie behauptet lagen die Vorstellungen gar nicht auseinander. Verdi hatte Löhne in Höhe von 98 Prozent des TVöD gefordert, die Geschäftsführung wollte dagegen nur 97 Prozent zugestehen. Franke konstatierte damals eine fehlende Bereitschaft der Geschäftsführung, über Inhalte zu sprechen und vermutete, die Klinikleitung lehne die grundgesetzlich garantierte Tarifautonomie ab. Ähnlich hatte sich Brodermann schon zuvor bei den Tarifverhandlungen bei der Service-Gesellschaft des CTK verhalten. Dort hatte er die Verhandlungen abgebrochen und nicht wieder aufgenommen, weil Verdi die angebotene Lohnerhöhung von 20 Cent je Stunde nicht akzeptiert hatte.

Mit ihrer Entscheidung, die Tarifverhandlungen abzubrechen, hatte sich die Klinikleitung auch gegen die Stadtpolitik gestellt. Im Dezember hatten Die Linke, SPD, CDU sowie Bündnis90/Die Grünen in einem gemeinsamen Antrag gefordert, einen konkreten Zeitplan zu erstellen, bis wann die Klinik wieder in den TVöD zurückgeführt werden könnte.

Im September hatte Markus Niggemann (CDU), Kämmerer der Stadt Cottbus und Vorsitzender des CTK-Aufsichtsrates, auf Anfrage erklärt, die Klinik könne bis auf weiteres nicht gemäß TVöD zahlen. »Leider kann in Brandenburg kein Klinikum ohne Eigentümerzuschüsse den vollen TVöD zahlen«. Einen Grund dafür sah er in der Finanzierung der Krankenhäuser: Das Land Brandenburg gehe seinem gesetzlichen Auftrag, die Investitionskosten der Kliniken zu tragen, nicht in ausreichendem Maße nach. Die SPD-geführte Landesregierung habe sogar noch weiter kürzen wollen. Sobald das Land aber die Kliniken voll ausfinanziere, solle das CTK auch Vollmitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband werden und damit nach TVöD zahlen. Einen anderen Grund sah er darin, dass die Stadt noch immer nicht frei über ihre Finanzen entscheiden kann und unter »Haushaltssicherung« durch das Land stehe.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Ähnliche:

  • Kundgebung von Asklepios-Beschäftigten am Rande des Brandenburge...
    17.08.2021

    Fake News von Asklepios

    Privater Krankenhausbetreiber stellt eigenes Tarifangebot besser dar, als es ist. Verdi geht es auch um gleiche Bezahlung in Ost und West
  • Lassen nicht locker: Klinikbeschäftigte verlangen bessere Jobbed...
    11.05.2021

    Notstand bleibt

    Pflegepersonal: Verdianer diskutieren über Gehaltslücken und Überlastung