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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 10 / Feuilleton
Literatur

How to fix a failed state. Ein Dialog

Von Pierre Deason-Tomory
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An irgendeinem Wochenende im Hinterzimmer einer Erfurter Pizzeria:

Der Ministerpräsident wäre jetzt da.

Ist er sauber?

Ja. Keine Kabel, keine Waffen, nur eine Bibel.

Er soll reinkommen.

Grüß Gott, Herr Fraktionsvorsitzender!

Guten Tag, Herr Ministerpräsident!

Schickes Domizil, Herr Voigt.

Freunde von Freunden von früher, als alles noch normal lief.

Normalität! Genau darüber wollte ich mit Ihnen sprechen: Warum bilden wir zwei nicht eine stabile Linke/CDU-Landesregierung?

Geht nicht, Herr Ministerpräsident, die CDU will doch Neuwahlen …

Ja, natürlich, Die Linke will auch Neuwahlen –

… nur leider wollen unsere Abgeordneten keine Neuwahlen.

Sehen Sie: unsere auch nicht. Also! Bilden wir eine Regierung der nationalen Rettung!

Ist Thüringen eine Nation?

Dann eben eine Regierung der Rettung des Thüringer Waldes.

Warum das alles? Wir müssen nur den Haushalt vermasseln, dann kommen automatisch Neuwahlen.

Aber das wollen doch meine Abgeordneten nicht. Und Ihre …

Ja, die auch nicht.

Also raufen wir uns zusammen, in der Not! Fürs Land!

Und den Wald!

Und beschließen einen Haushalt!

Jawoll!

Dazu brauchen wir allerdings die SPD.

Was? Wozu? Wir haben doch auch alleine eine klare Mehrheit.

Wir brauchen die SPD, damit sie den Finanzminister stellt und wir sie später für den zusammengestrichenen Landeshaushalt verantwortlich machen können.

Ah. Und wenn die SPD nicht will?

Die SPD will immer.

Warum sind Sie eigentlich nicht in der SPD?

Nicht nötig. Die Linke will auch immer, was ich will.

Klingt ja alles sehr vernünftig. Aber worüber streiten wir dann miteinander, wenn wir gemeinsam regieren? Über die richtigen Projekte?

Es gibt kein Geld für Projekte.

Worüber streiten wir uns dann? Über die DDR?

Geht nicht, da haben wir dieselbe Meinung: Die DDR war ganz große Scheiße.

Aber manchmal wors doch ooch scheene, ge?

Nein.

Woher wissen Sie das?

Habe ich in meinem Onlinetagebuch gelesen.

Wer schreibt das?

Eine Agentur, die ich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung abgeworben habe. Sehen Sie, das fügt sich bei uns doch alles wie beim verworfenen Eckstein vom Adam.

Jesus.

Drauf geschissen. Wie viele wollen Sie?

Was?

Ministerposten?

21.

Wie viele Abgeordnete hat die Fraktion der CDU?
21.

Gut.

Und wie viele kriegt die SPD?

Das Finanzministerium muss reichen. Ich muss schließlich meine 28 Abgeordneten auch noch versorgen.

Und was, wenn die SPD das nicht mitmacht?

Die SPD macht immer mit.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (29. Juli 2021 um 23:38 Uhr)
    »Wie seine Einwohner glauben, liegt Thüringen zwischen Franken und dem Balkan, Brandenburg und dem Rheinland. Soviel rührende Naivität belohnt das Dienstleistungsunternehmen mit der gelben Schnecke im Logo gleich via drei Postleitzahlenbereiche: null, drei und neun – allesamt Zahlen des Teufels. Demzufolge kann es sich bei diesem Bundesland nicht um das grüne, sondern nur um das schwarze Herz Deutschlands handeln ... Risse man also der Bundesrepublik Deutschland ihr schwarzes Herz aus, sie könnte sich endlich, wenn auch langsam, weil nachhaltig geschwächt, auf dem kieselsteinigen Pfad der Gesundung voranschleppen.« Zitat aus »Schrumpft die Bundesrepublik!«, 2009, Seite 29 ff.

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